Kein Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtline in Sicht

The NIS2 Directive is a European law that sets cybersecurity rules for businesses across the EU
Bild: ©Aysel/ stock.adobe.com

In dieser Legislaturperiode kommt kein Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2. Nach monatelangen Verhandlungen konnten sich SPD, Grüne und FDP nicht zur Umsetzung der EU-Vorgabe einigen. Unternehmen stehen weiter ohne klare Vorgaben da. Aber Vorsicht: Wer nichts tut, verstößt womöglich gegen das Recht anderer EU-Länder. Florian Korhammer, CISO bei Retarus, kommentiert die aktuelle Situation.

NIS-2-Umsetzung gescheitert

Die politische Einigung über das Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2 und der Stärkung der Cybersicherheit noch vor der Bundestagswahl ist gescheitert. SPD, Grüne und FDP konnten sich nicht auf zentrale Punkte einigen. Damit bleibt über zwei Jahre nach der Verabschiedung der EU-Richtlinie die gesetzliche Grundlage in Deutschland aus. Die Umsetzungsfrist wird weiter überschritten. Nach der Bundestagswahl wird die neue Bundesregierung einen komplett neuen, zweiten Anlauf nehmen müssen. Doch auch ohne ein neues nationales Gesetz gilt die NIS-2-Richtlinie bereits in der EU. Unternehmen sollten prüfen, ob sie neben Strafen auch Sicherheitslücken riskieren, wenn sie nicht handeln.

Die aktuelle Lage

Schwachstellen- und Risikomanagement, Meldewesen, Bedrohungserkennung – NIS-2 ist ein komplexes Werk mit dem Ziel, die Cyber-Resilienz des europäischen Gemeinwesens zu fördern. Angesichts der sich international verschärfenden Bedrohungslage ist die Richtlinie überfällig. Jetzt kommt es darauf an, dass die betroffenen Unternehmen und Institutionen die Anforderungen zügig und gewissenhaft umsetzen.

Bisher sieht es bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie eher durchwachsen aus. Kaum einer der 27 Mitgliedstaaten konnte die neue Richtlinie bisher vollständig implementieren, auch wenn einige Länder mittlerweile einen respektablen Reifegrad erreicht haben. Für die Säumer auf der anderen Seite gibt es zwar noch einen zweimonatigen Aufschub.

Kritische Infrastruktur verlangt im Anbetracht der stetig steigenden Bedrohungslage eine höhere Cyber-Resilienz. Die NIS-2-Verordnung ist dafür ein geeignetes Instrument – solange die Umsetzung nicht weiter lahmt und gewissenhaft erfolgt. Die gescheiterten Gespräche in Deutschland verdeutlichen, dass sich Unternehmen nicht auf eine schnelle politische Lösung verlassen können. Umso wichtiger ist es, dass sie selbst aktiv werden und sich auf die Umsetzung von NIS-2 konzentrieren. Doch woran scheitert die erfolgreiche Umsetzung der neuen Verordnung?

Ist NIS-2 zu anspruchsvoll?

Die Anforderungen von NIS-2 sind sinnvoll und realistisch umsetzbar, darin sind sich fast alle Sicherheitsexperten einig. Auch das Ziel, die allgemeine Cyber-Resilienz europäischer Institutionen und Lieferketten durch ein verbessertes Risiko- und Schwachstellenmanagement sowie Meldewesen zu stärken, ist lobenswert. Angesichts der aktuellen Bedrohungslage reichen punktuelle Cybersicherheitsmaßnahmen nicht aus, vielmehr ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich. Idealerweise gäbe es dazu globale Initiativen, aber eine EU-weit einheitliche Strategie für mehr Cyber-Resilienz ist zumindest ein guter Anfang.

Seiten: 1 2 3



  • Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Nach 100,7 Punkten im Juli, fällt der Ifo-Geschäftsklimaindex im August auf unter 100 Punkte. Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage besser, sind allerdings pessimistischer in ihren Erwartungen.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex sinkt erneut

  • Fünf Trends für die OT-Security

    Fünf Trends für die OT-Security

    Von Kryptografie über Drohnen bis hin zum digitalen Zwillingen – Kudelski Security gibt einen Überblick über Trends in der Operational Technology (OT).

    mehr lesen: Fünf Trends für die OT-Security

  • Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Für einen schnellen und umfassenden Überblick über eine Anlage stellt Pilz die webbasierte Visualisierungssoftware PASvisu bereit. In der neuen Version unterstützt diese jetzt auch das Modbus/TCP-Protokoll. Dieses ermöglicht eine schnelle…

    mehr lesen: Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mit insgesamt 1,16Mio. lag die Zahl der offenen Stellen rund 3 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Dies geht aus der aktuellen Stellenerhebung des IAB hervor.

    mehr lesen: Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

  • Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

    Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

    Die Maschinenexporte aus Deutschland haben im 2. Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 44,5Mrd.€. Im 1. Quartal lagen die Ausfuhren lediglich um 0,8…

    mehr lesen: Zweistelliges Wachstum beim Maschinenexport

  • Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

    Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

    Zwölf Partner aus Forschung und Industrie haben das Forschungsprojekt VE-Vides gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines Sicherheitskonzepts für das Internet der Dinge.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Elektronik für das Internet der Dinge

  • Martina Hofmann übernimmt Vorsitz

    Martina Hofmann übernimmt Vorsitz

    Prof. Dr.-Ing. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen ist neue Vorsitzende des VDE-Ausschusses Studium, Beruf und Gesellschaft. Neben klassischer Ausschussarbeit will sie die Themen Frauen und Technik sowie Klimaschutz in…

    mehr lesen: Martina Hofmann übernimmt Vorsitz

  • So können sich Unternehmen schützen

    So können sich Unternehmen schützen

    Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom bewertet Ransomware als Haupttreiber für den enormen Anstieg an Cyberattacken. Die Erpresserangriffe verursachen bei den Betroffenen einen enormen wirtschaftlichen Schaden.

    mehr lesen: So können sich Unternehmen schützen

  • Steuerungstechnik, IT und IoT sicher verbinden

    Steuerungstechnik, IT und IoT sicher verbinden

    Die Vernetzung in der Industrie und das damit verbundene Industrial Internet of Things (IIoT) definieren die Anforderungen an die Sicherheit neu – und damit auch an die eingesetzten Automatisierungslösungen.

    mehr lesen: Steuerungstechnik, IT und IoT sicher verbinden

  • Doppelspitze bei Valantic CEC Schweiz

    Doppelspitze bei Valantic CEC Schweiz

    Florian Heidecke leitet seit Anfang August gemeinsam mit Reto Rutz Valantic CEC in der Schweiz.

    mehr lesen: Doppelspitze bei Valantic CEC Schweiz

  • Maschinen lernen voneinander

    Maschinen lernen voneinander

    Das Kunststoff-Zentrum SKZ in Würzburg führt im Rahmen des Forschungsprojekts Darwin mit dem Fraunhofer Spin-off plus10 mehrere Versuchsreihen durch. Ziel ist die Entwicklung kontinuierlich lernender Modelle, die eine höhere Qualität…

    mehr lesen: Maschinen lernen voneinander