Handelsdefizit mit China könnte erstmals 100Mrd.€ überstiegen

0:000:00

default
default – Bild: ©moofushi/stock.adobe.com

Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass das Handelsbilanzdefizit mit China im Jahr 2026 erstmals mehr als 100Mrd.€ betragen könnte. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsforscher hat es sich damit seit 2019 mehr als versiebenfacht. „Der China-Schock 2.0 trifft damit unseren industriellen Kern“, betonen die Studienverantwortlichen.

Dem IW zufolge importierte Deutschland im ersten Halbjahr 2026 fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China, wie es dorthin exportierte. In der Studie kommt das Wirtschaftsinstitut zu dem Schluss, dass, sollte sich dieser Trend im zweiten Halbjahr fortsetzen, das Handelsbilanzdefizit im Gesamtjahr den oben genannten Wert übersteigen wird.

Auswirkungen auf Autoindustrie, Elektrobranche und Maschinenbau

Der größte Teil des Anstiegs entfällt laut der IW-Studie auf drei Schlüsselbranchen:

Automobilindustrie: Sie trägt mit fast 24% am stärksten zum wachsenden Gesamtdefizit bei, das gegenüber 2019 um etwa 90Mrd.€ höher ausfallen dürfte. Der damalige Überschuss im deutschen Autohandel von mehr als 23Mrd.€ dürfte in diesem Jahr nahezu verschwinden. Denn die Exporte brechen in diesem Jahr gegenüber 2019 um schätzungsweise über 50% ein. Die Einfuhren chinesischer Autos und Autoteile steigen nach einer Schätzung des IW dagegen voraussichtlich um mehr als 475%.

Elektroindustrie: Auf die aus zwei Untergruppen bestehende Branche entfällt mit rund 30Mrd.€ etwa ein Drittel des Defizit-Zuwachses. Als Treiber nennt das IW vor allem elektrische Ausrüstungen: Die Studie geht davon aus, dass sich das Defizit hier seit 2019 auf mehr als 24Mrd.€ verfünffachen dürfte und die Importe aus China um über 130% zulegen. Das bisher schon hohe Defizit bei Datenverarbeitungsgeräten und ähnlichen Produkten wächst der Studie zufolge ebenfalls von gut 26 auf knapp 38Mrd.€.

Maschinenbau: Das IW geht davon aus, dass aus einem Überschuss von fast 10Mrd.€ im Jahr 2019 2026 erstmals ein Defizit werden könnte – in Höhe von schätzungsweise gut 1Mrd.€. Die Handelsbilanz der Branche verschlechtert sich damit um rund 11Mrd.€.

Energieintensive Branchen wie Chemie, Papier, Glas und Metalle tragen zusammen nur rund 4Mrd.€ bei. Den Autoren zufolge erklären die hohen Energiekosten – anders als oft behauptet – die Entwicklung also nur zu einem kleinen Teil.

Europäischer Rat sollte breite Ausgleichszölle fordern

Der Umbruch im Chinahandel treffe die tragenden Säulen der deutschen Industrie, so die Studienverantwortlichen. Als Gründe nennt das IW neben Chinas technologischem Aufholen massive systemische Wettbewerbsverzerrungen wie hohe Subventionen und eine stark unterbewertete Währung. „Neben heimischen Reformen braucht es daher breite und zügig umsetzbare Ausgleichszölle. Deshalb sollte der Europäische Rat die Kommission auffordern, so schnell wie möglich ein solches neues handelspolitisches Instrument zu entwickeln.“, sagt IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes. „Das ist kein Protektionismus, sondern sorgt für faire Wettbewerbsbedingungen.“



  • Einheitliche Standards für die Industrie 4.0

    Einheitliche Standards für die Industrie 4.0

    In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekt InterOpera wollen Forscherinnen und Forscher zusammen mit der Industrie einheitliche Methoden zur Umsetzung der Verwaltungsschale in der Praxis erarbeiten.

    mehr lesen: Einheitliche Standards für die Industrie 4.0

  • BSI fordert den Crashtest für Cyber-Sicherheit

    BSI fordert den Crashtest für Cyber-Sicherheit

    In seinem Branchenbild Automotive spricht sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dafür aus, auch die Cybersicherheit in der Lieferkette der Automobilbauer bzw. in einem frühen Entwicklungsstadium in den…

    mehr lesen: BSI fordert den Crashtest für Cyber-Sicherheit

  • Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

    Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

    Die Richtlinie VDI/VDE 3516 Blatt 6 ‚Validierung im GxP-Umfeld – Validierung von Schnittstellen‘ ist im August 2021 erschienen. Sie lässt sich zur Validierung von Schnittstellen zwischen computergestützten Systemen im regulierten…

    mehr lesen: Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

  • Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

    Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

    Fachbesucher der industriellen Automatisierungsbranche treffen sich vom 5. bis 8. Oktober auf dem Messeduo Motek/Bondexpo in Stuttgart. Beide Messen sollen als Präsenzmesse stattfinden.

    mehr lesen: Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

  • Materialmangel der Industrie verschärft sich

    Materialmangel der Industrie verschärft sich

    Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich weiter verschärft. 69,2 Prozent der Industriefirmen in Deutschland klagten im August laut einer Umfrage des Ifo Instituts über Engpässe und Probleme bei…

    mehr lesen: Materialmangel der Industrie verschärft sich

  • T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

    T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

    Gemeinsam wollen T-Systems und Google Cloud ab Mitte 2022 eine souveräne Cloud für Deutschland zur Verfügung stellen. Der Betrieb der Cloud unterliegt dabei der Kontrolle von T-Systems.

    mehr lesen: T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

  • Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

    Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

    Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley wollen gemeinsam die herstellerübergreifende Integration in der Verpackungsindustrie realisieren. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen auf Master Data Management, Plant Analytics und Predictive Maintenance.

    mehr lesen: Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

  • Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

    Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

    Das finnische Unternehmen Aava gehört ab sofort zur Pepperl+Fuchs-Gruppe. Das Unternehmen bietet u.a. Tablet Computer für die Industrie ab.

    mehr lesen: Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

  • Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

    Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

    Der vom Trovarit Competence Center MES in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und dem VDI herausgegebene ’Aachener Marktspiegel Business Software – MES/Fertigungssteuerung 2021/2022‘, untersucht das Angebot…

    mehr lesen: Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

  • Weniger Kurzarbeit im August

    Weniger Kurzarbeit im August

    In Deutschland waren im August nach Angaben des Ifo Instituts 688.000 Menschen in Kurzarbeit, ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vormonat. Die Lieferengpässe in der Industrie hatten demnach kaum Auswirkungen…

    mehr lesen: Weniger Kurzarbeit im August

  • Konjunkturerwartungen gehen zurück

    Konjunkturerwartungen gehen zurück

    Zum vierten Mal in Folge haben die ZEW-Konjunkturerwartungen ein Minus verzeichnet. Der Index lag in der September-Umfrage bei 26,5 Punkten nach 40,4 Punkten im Vormonat. Die aktuelle Lage wird jedoch…

    mehr lesen: Konjunkturerwartungen gehen zurück

  • Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig

    Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig

    Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau haben sich wegen der guten Weltkonjunktur und einer schwachen Vorjahresbasis auch im Juli kräftig gefüllt.

    mehr lesen: Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig