Forschungsintensive Industrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit

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Bild: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Deutsche Produzenten hochwertiger Technologiegüter, etwa aus dem Automobil- und Maschinenbau, sind laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im internationalen Vergleich abgerutscht. Demnach sind sowohl ihr Wertschöpfungsanteil in Deutschland als auch ihr Anteil am Welthandel rückläufig. Zugleich konnten die betreffenden Industrien seit 2016 kaum Produktivitätsfortschritte erzielen. Auch die deutschen Industrien im Bereich der Spitzentechnologien, zu denen die Pharma- und Elektronikbranche zählen, konnten laut DIW-Analyse keine überdurchschnittliche Dynamik entfalten.

„Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands beruhte lange auf seinen forschungsintensiven Industrien. Doch diese Stärke schwindet“, fasst Studienautor Alexander Schiersch aus der Forschungsgruppe Entrepreneurship die Ergebnisse zusammen. Gemeinsam mit Christian Danne von der DIW-Consultingtochter DIW Econ hat er Deutschlands Entwicklung bei hochwertigen Technologiegütern und Spitzentechnologie im Hinblick auf Wertschöpfung, Produktivität und Welthandelsanteil im internationalen Vergleich analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass forschungsintensive Industrien vieler größerer Länder zwischen 2015 und 2024 zwar Wertschöpfungsanteile verloren haben, doch der Rückgang war in Deutschland im Vergleich zu beispielsweise Japan oder Südkorea besonders ausgeprägt. In vielen kleinen europäischen Ländern wie Dänemark, der Schweiz oder den Niederlanden konnten sie ihre Wertschöpfungsanteile hingegen ausbauen. Den Autorinnen und Autoren zufolge waren dafür mitunter einzelne Unternehmen wie der Pharmakonzern Novo Nordisk in Dänemark oder eine einzelne Branche wie die Pharmaindustrie in der Schweiz verantwortlich. „Die wachsende Spreizung zwischen den Ländern basiert somit nicht auf breit angelegten Trends. Die Erfolge der europäischen Nachbarn zeigen aber, dass es weiterhin möglich ist, mit Innovationen zusätzliche Wertschöpfung und wirtschaftliches Wachstum zu generieren“, sagt Schiersch.

Auch beim Zuwachs in der Arbeitsproduktivität, also der Wertschöpfung je Beschäftigtem, liegen einige der genannten Länder weit vorne. Deutschland hingegen konnte seit 2015 seine Produktivität bei hochwertigen Technologiegütern nur um 8% und bei der Spitzentechnologie nur um 25% verbessern.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit sinkt

Laut DIW-Mitteilung zeigt sich der Wettbewerbsverlust besonders deutlich im Welthandel: Demnach ging Deutschlands Anteil an den globalen Exporten forschungsintensiver Güter seit 2015 um rund 15% zurück. „Deutschlands Erfolg im Handel mit forschungsintensiven Gütern war lange vor allem durch Qualität und Innovation getrieben. Dieser komparative Vorteil ist zunehmend in Gefahr“, konstatiert Ko-Autor Danne. Ihm zufolge geht dies nicht nur auf das Konto Chinas, das seinen Anteil um 22% ausbauen konnte. Kleinere europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande und Belgien stemmten sich gegen den Trend. „Innovation und die Entwicklung von sehr spezialisierten, schwer ersetzbaren Produkten können den Welthandelsanteil steigern – trotz Chinas wachsender Bedeutung“, sagt Danne.

Um dem Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit entgegenzuwirken, beschreiben die Autoren drei Hebel, die auf politischer Ebene ansetzen: „Weniger Regulierungsdichte, bessere öffentliche Verwaltung und ein weniger fragmentierter europäischer Binnenmarkt. Ohne diese Hebel lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht dauerhaft sichern“, ist Schiersch überzeugt.



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