Ein Tag ohne Internet und alles steht still

Wire Cutters Cutting Red Electric Cable with Sparks
Bild: ©sxcd/stock.adobe.com

Laut einer Untersuchung des Bitkom ist die deutsche Wirtschaft schlecht auf hybride Bedrohungen wie Stromausfälle, Sabotage oder durch Ransomware lahmgelegte Fabriken vorbereitet.

Demnach könnten bei einem Internetausfall Unternehmen im Schnitt ihren Geschäftsbetrieb nur 20 Stunden aufrechterhalten, jedes fünfte (21%) müsste sogar sofort die Arbeit einstellen. Umgekehrt sind nur 8% sicher, länger als 48 Stunden weiterarbeiten zu können. Zugleich rechnen drei Viertel der Unternehmen (74%) wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe, 8 von 10 (83%) erwarten eine ernsthafte Krise in Deutschland in Folge von hybriden Angriffen. Und 53% gehen sogar von einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und der NATO in den kommenden fünf Jahren aus.

„Anfang Januar mussten nach einem Anschlag mehr als 100.000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen, mehr als 2.000 Unternehmen waren betroffen. Hybride Angriffe auf Deutschland, die sich in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen, sind kein potenzielles Risiko, sie sind Realität. Deshalb müssen wir die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv hochfahren“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Aktuell sagen drei Viertel (73%) der Unternehmen, Deutschland sei im internationalen Vergleich unzureichend auf hybride Angriffe vorbereitet.

260211 geschaeftsbetrieb ohne internet print
Bild: Bitkom e.V.

Wer gilt als besonders gefährdet?

Als besonders gefährdet gelten nach Ansicht der Unternehmen die Energieversorgung (90%) sowie Banken und Versicherungen (89%). 77% sagen, die Wasser- und Abwasserversorgung sei stark gefährdet, 67% die Lebensmittelversorgung, 65% das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten und 64% Telekommunikation und IT. Rund die Hälfte nennen Transport und Verkehr (54%) sowie die öffentliche Verwaltung (50%). Schlusslichter sind die Abfallentsorgung (28%) sowie Medien und Kultur (21%).

Große Auswirkungen auf das eigene Unternehmen hätten demnach erfolgreiche Attacken auf die Energieversorgung (97%), Banken und Versicherungen (88%) sowie Telekommunikation und IT (85%). Dahinter folgen Wasserversorgung (69%) sowie Transport und Verkehr (67%).

Mehrheit glaubt, selbst ziel zu werden

Die Wirtschaft ist nicht nur indirekt von hybriden Angriffen betroffen, Unternehmen werden auch ganz unmittelbar Opfer von Cyberangriffen und Sabotage. Eine deutliche Mehrheit von 59% hält es für wahrscheinlich, selbst Ziel hybrider Angriffe zu werden, bei 61% ist der Schutz vor diesen Attacken Chefsache. Zugleich hält sich kein Unternehmen für sehr gut darauf vorbereitet, nur 12% für eher gut. 38% geben an, eher schlecht vorbereitet zu sein, weitere 40% sind gar nicht vorbereitet: 35% planen aber, Vorkehrungen zu treffen, 5% haben das nicht vor. 10% können oder wollen keine Angaben zum Stand der Vorbereitungen auf hybride Angriffe machen.

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, haben die Unternehmen zwar eine Vielzahl von konkreten Vorkehrungen zum Umgang mit erfolgreichen hybriden Angriffen getroffen, es fehle aber ein flächendeckender und umfassender Schutz, so der Bitkom. 58% verfügen für solche Fälle über alternative Kommunikationsmittel, 27% planen das. 57% verfügen über Backups ihrer Daten und haben auch erfolgreiche Restore-Tests durchgeführt, 15% haben das vor. In 51% gibt es Ausweicharbeitsplätze bzw. Homeoffice-Regelungen für den Fall, dass im Unternehmen nicht gearbeitet werden kann (Planung: 25%). Rund ein Viertel (28%) hat für den Krisenfall durch zusätzliche Lagerhaltung vorgesorgt, 17% planen dies. Und 16% haben Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten (Planung: 32%), falls die bestehenden Lieferketten ausfallen. 28% setzen auf Sicherheitsüberprüfungen in sensiblen Bereichen, 17% denken darüber nach. Ebenfalls 28% haben ein Krisen- oder Notfallmanagement, 25% wollen eines einführen. Über eine Notstromversorgung verfügen 20%, 30% wollen sie einrichten. Und nur jedes zehnte Unternehmen (10%) führt regelmäßige Krisenübungen durch, 26% haben sich das vorgenommen.

„Wir müssen bei den konkreten Vorsorgemaßnahmen für den Fall einer Krise besser werden. Einen Notfallplan braucht jedes Unternehmen, er entscheidet über die Handlungsfähigkeit in den wichtigen ersten Stunden“, sagt Wintergerst. „Die Unternehmen brauchen konkrete Handreichungen und Unterstützung, wie sie vorsorgen müssen und vorsorgen können.“

Bei einer Krisenlage müssen Unternehmen auf Beschäftigte verzichten

Im Fall einer militärischen Auseinandersetzung stehen Unternehmen auch vor der ungewohnten Herausforderung, dass viele Beschäftigte, die beim Zivilschutz oder bei der Bundeswehr tätig sind, im Job fehlen könnten. 30% der Unternehmen geben an, einen guten Überblick darüber zu haben, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Zivilschutz unterstützen, etwa bei Feuerwehren oder Technischem Hilfswerk. Nur 20% wissen, wie viele bei der Bundeswehr tätig würden. Von denen, die einen guten Überblick haben, kann jedes fünfte (21%) keine genaue Zahl benennen, im Schnitt gehen die Unternehmen, die eine Schätzung abgeben können, von 9% ihrer Belegschaft aus, die ausfallen würde.

Seiten: 1 2



  • Wie sieht die Zukunft der IT/OT-Konvergenz aus?

    Wie sieht die Zukunft der IT/OT-Konvergenz aus?

    Der IT/OT Convergence Summit 2024 findet am 18. und 19. September in Darmstadt statt. Veranstalter Aonic lädt ein, sich über die Verknüpfung der digitalen Welt der IT mit der realen…

    mehr lesen: Wie sieht die Zukunft der IT/OT-Konvergenz aus?

  • Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

    Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

    Der Folienhersteller Allvac hat seine Produktion modernisiert und setzt dabei nicht nur auf neue Technik, sondern auch auf regenerative Energie. Dafür hat die Firma in Waltenhofen in Bayern über zehn…

    mehr lesen: Eine der größten Aufdach-Solaranlagen Bayerns

  • IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

    IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

    Manhattan Associates und Vanson Bourne haben in Deutschland 200 Lieferketten-Spezialisten zum Stand ihrer Warehouse Operations befragt. Dabei kam heraus, dass sich die Branche mit vielen Belastungen und Unsicherheitsfaktoren konfrontiert sieht.…

    mehr lesen: IT-Modernisierungsstau bei Warehouse Operations

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

    Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

    T-Systems hat mit Elke Anderl eine neue Vertriebs- und Marketingchefin. Sie übernimmt das Amt zum 1. September von Urs M. Krämer.

    mehr lesen: Elke Anderl verantwortet T-Systems-Vertrieb

  • Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

    Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

    Die Maschinen- und Anlagenbaufirmen aus Deutschland mussten im ersten Halbjahr 2024 deutliche Einbußen auf den Auslandsmärkten hinnehmen.

    mehr lesen: Maschinenexporte: Schwaches erstes Halbjahr

  • Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

    Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

    Vinci Energies hat eine Vereinbarung zur Übernahme der Fernao-Gruppe, einem Anbieter von Cybersecurity-Dienstleistungen in Deutschland und der Schweiz, unterzeichnet.

    mehr lesen: Vinci Energies trifft Übernahmevereinbarung mit der Fernao-Gruppe

  • Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

    Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

    Ab sofort ist die Anmeldung für die Open Community Experience (OCX 2024) möglich. Die Konferenz in Mainz richtet sich an verschiedene Open-Source-Communities, u.a. aus den Bereichen Automotive & Mobilität, Cloud…

    mehr lesen: Europas Open-Source-Community trifft sich in Mainz

  • Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

    Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

    Der aufgeschobene Umstieg auf SAP S/4 Hana und die Zurückhaltung bei Innovationen prägen das Handeln vieler Unternehmen, so eine Studie des Marktforschungsunternehmens ISG.

    mehr lesen: Deutsche Unternehmen handeln bei SAP wenig strategisch

  • Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

    Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

    Um Datenräume in der Logistik geht es im Rahmen der Gaia-X Roadshow, die am 17. September Station in Dortmund macht.

    mehr lesen: Gaia-X Roadshow kommt nach Dortmund

  • Bain analysiert den Markt für generative KI

    Bain analysiert den Markt für generative KI

    Auch abseits der großen KI-Modelle tut sich viel auf dem Markt für generative künstliche Intelligenz. Was? Das hat die Unternehmensberatung Bain & Company untersucht und Anbieter unter die Lupe genommen.

    mehr lesen: Bain analysiert den Markt für generative KI

  • So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor

    So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor

    Im Jahr 2023 wurden wieder mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dennoch hat der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen ein Rekordhoch erreicht.

    mehr lesen: So viele unbesetzte Ausbildungsstellen wie nie zuvor