Eigene KI-Reife wird oft überschätzt

businessmanholding magnifying glassdigital touch screen hemis
Bild: ©yuwadee/stock.adobe.com

Deutsche Entscheider schätzen die KI-Reife ihrer Teams höher ein als ihre internationalen Kollegen. Zugleich sehen sie erhebliche Defizite bei der tatsächlichen Transformation ihrer Unternehmen. Das geht aus einer Untersuchung des IT-Dienstleisters Avanade hervor. Demnach stimmen 86% der 350 Befragten in Deutschland aus Unternehmen mit mehr als 500Mio.US$ Jahresumsatz der Aussage zu, dass sich ihr Unternehmen nach außen KI-reifer präsentiert, als es tatsächlich ist. Weltweit sind es 75 %. 85% meinen zudem, ihre Unternehmensführung unterschätze, wie stark sich die Organisation verändern muss, um den vollen Nutzen aus KI zu ziehen (weltweit: 74%).

Beim Blick auf die eigenen Teams fällt das Urteil der deutschen Entscheider vergleichsweise positiv aus. 81% ordnen ihre Teams auf dem Weg zur KI-Nutzung als ‚etabliert, ‚fortgeschritten‘ oder ‚AI-first‘ ein (weltweit: 77%), 61% sogar als ‚fortgeschritten‘ oder ‚AI-first‘ (weltweit: 50%). 77% halten ihr Unternehmen für weiter als die wichtigsten Wettbewerber (weltweit: 68%). 79% haben großes Vertrauen darin, dass ihre Teams KI wirksam einsetzen (weltweit: 72%).

Bei der öffentlichen Darstellung der KI-Fähigkeiten ergibt sich allerdings ein anderes Bild. 40% berichten, dass Führungskräfte ihr Unternehmen öffentlich als KI-Vorreiter bezeichnen, ohne dass die tatsächlichen Fähigkeiten diesen Anspruch einlösen (weltweit: 37%). 42% vermuten, dass KI-Initiativen trotz begrenzter messbarer Wirkung bereits als erfolgreich gemeldet werden (weltweit: 42%).

„Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen beim Einsatz von KI schon weit gekommen sind, bei der grundlegenden Veränderung ihrer Arbeitsweisen aber noch am Anfang stehen“, sagt Thomas Müller, General Manager bei Avanade Deutschland. „KI kann mehr, als bestehende Aufgaben schneller zu erledigen. Ihr eigentliches Potenzial entfaltet sie dort, wo Unternehmen Prozesse, Verantwortlichkeiten und die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI neu gestalten. Dafür müssen sie auch bereit sein, bisherige Arbeitsweisen infrage zu stellen.“

KI als Werkzeug in bestehenden Abläufen

Wie sehr die Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung ist, zeigt sich in der Studie besonders bei einem Blick auf die Arbeitsorganisation. 23% der deutschen Befragten geben an, dass ihre Teams die Arbeitsweise im Zuge der KI-Einführung grundlegend neu ausrichten (weltweit: 18%). Ein Viertel setzt KI dagegen hauptsächlich als Werkzeug innerhalb bestehender Aufgaben ein, ohne die Arbeitsorganisation formell zu verändern (weltweit: 18%). Gleichzeitig meinen 86%, ihr Unternehmen investiere zu viel in schrittweise Verbesserungen statt in grundlegende Veränderungen (weltweit: 77%).

Für die kommenden zwölf Monate erwarten 44% der deutschen Befragten weitreichende oder grundlegende Veränderungen ihrer Arbeitsweise durch KI (weltweit: 35%). Allerdings sehen 36% bei Führung und Strategie noch erheblichen Entwicklungsbedarf, um KI unternehmensweit einzusetzen (weltweit: 27%).

KI-bedingte Rendite häufig nicht nachgewiesen

Auch beim wirtschaftlichen Nutzen verweist Avanade auf Widersprüche in den Ergebnissen. 77% der deutschen Befragten stimmen demnach der Aussage zu, dass der Return on Investment (ROI) ihrer KI-Investitionen bislang nicht formal berechnet und von Finanzabteilung oder Unternehmensleitung überprüft wurde (weltweit: 66%). Ebenso viele meinen, dass KI den finanziellen Aufwand bisher nicht gerechtfertigt habe (weltweit: 65%).

Dennoch besteht unter den Befragten hoher Handlungsdruck: 89% halten es für dringend, den KI-Einsatz zu beschleunigen (weltweit: 84%). 91% sind der Ansicht, dass KI-Vorhaben schneller genehmigt werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben (weltweit: 87%). Beim Einsatz und der Skalierung von KI berichten deutsche Unternehmen zudem häufiger als im weltweiten Durchschnitt von Problemen mit Kontrolle und Berechtigungen bei KI-Agenten (33 gegenüber 25%) sowie von sinkendem Vertrauen bei Mitarbeitenden oder Führungskräften (33 gegenüber 26%). Fehlende Kompetenzen werden dagegen seltener als Hindernis genannt (34 gegenüber 40%).

„Mehr KI-Werkzeuge machen ein Unternehmen nicht automatisch wettbewerbsfähiger“, sagt Ben Beath, Chief AI Officer bei Avanade. „Entscheidend ist, ob diese Investitionen verändern, wie Entscheidungen getroffen werden, wie gearbeitet wird und wie Wert entsteht. KI-native Unternehmen gehen diese Fragen ohne die gleichen gewachsenen Strukturen an. Etablierte Unternehmen sollten prüfen, ob sie ihren Fortschritt an den richtigen Maßstäben messen.“

Methodik: Avanade beauftragte das unabhängige Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne mit der Untersuchung. Im August und September 2026 wurden insgesamt 3.600 Entscheiderinnen und Entscheider in 11 Märkten in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten, Afrika sowie im asiatisch-pazifischen Raum befragt, darunter 350 in Deutschland. Die Befragten arbeiten für Organisationen mit mehr als 500 Millionen US-Dollar weltweitem Jahresumsatz. Vertreten sind die Branchen Finanzdienstleistungen, Konsumgüter und Dienstleistungen für Verbraucher, Energie, Gesundheitswesen, Fertigung, Einzelhandel sowie Distribution und Transport.



  • It’s OWL baut neues KI-Zentrum

    It’s OWL baut neues KI-Zentrum

    Mit seinem neuen Engineering Automation-Zentrum will it’s OWL eine Anlaufstelle für Unternehmen, die KI gezielt in der Entwicklung von neuen Produkten und Maschinen nutzen wollen, aufbauen.

    mehr lesen: It’s OWL baut neues KI-Zentrum

  • Q.Ant und IMS Chips rüsten Halbleiterfertigung für zukünftige Anforderugen

    Q.Ant und IMS Chips rüsten Halbleiterfertigung für zukünftige Anforderugen

    Q.Ant, ein Spezialist für photonisches Rechnen, baut am Institut für Mikroelektronik Stuttgart IMS Chips eine Pilotlinie für photonische KI-Prozessoren auf.

    mehr lesen: Q.Ant und IMS Chips rüsten Halbleiterfertigung für zukünftige Anforderugen

  • AMS.Solution macht Umsatzplus

    AMS.Solution macht Umsatzplus

    AMS.Solution verzeichnet für das Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz in Deutschland in Höhe von 27,7Mio.€. Dies ist zwar eine Steigerung um 3,5 Prozent.

    mehr lesen: AMS.Solution macht Umsatzplus

  • Maschinenbauexporte verringern sich 2024

    Maschinenbauexporte verringern sich 2024

    Die USA und China bleiben 2024 Spitzenreiter im Exportranking des Maschinenbaus. Insgesamt sind die Ausfuhren um nominal 5 Prozent auf knapp 200 Milliarden Euro gesunken.

    mehr lesen: Maschinenbauexporte verringern sich 2024

  • Materialflüsse im Stress,
Fachmesse im Aufwind

    Materialflüsse im Stress, Fachmesse im Aufwind

    Die Logimat 2025 belegt mit mehr als 120.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erneut alle zehn Hallen des Stuttgarter Messegeländes. Vom 11. bis 13. März geben Global Player, mittelständische Unternehmen sowie Startups auf…

    mehr lesen: Materialflüsse im Stress, Fachmesse im Aufwind

  • Neuer CEO für BE-terna

    Neuer CEO für BE-terna

    Zum 28. Februar 2025 tritt Gerald Pichler als CEO von BE-terna zurück. Wie das Unternehmen mitteilt, wird ab 1. März 2025 Blaž Strle die Position übernehmen.

    mehr lesen: Neuer CEO für BE-terna

  • IDTA und Federtec kooperieren

    IDTA und Federtec kooperieren

    Die Industrial Digital Twin Association (IDTA), die Standards für digitale Zwillinge für die gesamte Industrie entwickelt, und der Verein Federtec, Repräsentant von Unternehmen im Bereich Fluidtechnik, mechanische Kraftübertragung und Automatisierung…

    mehr lesen: IDTA und Federtec kooperieren

  • Igus, Schaeffler und Siemens für den Hermes Award nominiert

    Igus, Schaeffler und Siemens für den Hermes Award nominiert

    Unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, hat eine unabhängige Jury, besetzt mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien, drei Unternehmen (nachstehend in…

    mehr lesen: Igus, Schaeffler und Siemens für den Hermes Award nominiert

  • THM stellt Reifegradmodell DigiTamm vor

    THM stellt Reifegradmodell DigiTamm vor

    Mit dem Reifegradmodell DigiTamm (Digital Transformation Assessment Maturity Model) stellt die Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), Mitglied des Vereins SEF Smart Electronic Factory, ein Instrument zur systematischen Erfassung des Digitalisierungsgrades in…

    mehr lesen: THM stellt Reifegradmodell DigiTamm vor

  • Lagerabläufe KI-gestützt optimieren

    Lagerabläufe KI-gestützt optimieren

    Auf der Logimat in Stuttgart zeigt PSI vom 11. bis 13. März 2025 (Stand D41, Halle 4), wie Software Logistikprozesse unterstützt.

    mehr lesen: Lagerabläufe KI-gestützt optimieren

  • Eine B2B-Plattfform für Extended Reality und das Metaverse

    Eine B2B-Plattfform für Extended Reality und das Metaverse

    Die XR Expo am 8. und 9. Mai ist ein B2B-Tech-Event für Extended Reality (XR) in Stuttgart.

    mehr lesen: Eine B2B-Plattfform für Extended Reality und das Metaverse

  • Drohne versorgt Langlauf-Event Jizerská 50 mit Mobilfunk

    Drohne versorgt Langlauf-Event Jizerská 50 mit Mobilfunk

    Die Deutsche Telekom hat erstmals eine Drohne zur Mobilfunkversorgung in einem kommerziellen Live-Netz eingesetzt: Von 2,3 Kilometern Höhe aus sorgte ein unbemanntes Luftfahrzeug (UAV) beim Isergebirgslauf ‚Jizerská 50‘ mit integrierter…

    mehr lesen: Drohne versorgt Langlauf-Event Jizerská 50 mit Mobilfunk