Die Ära der kostenlosen KI ist vorbei

Alan Trefler
Bild: Pegasystems GmbH

Die Wirtschaftlichkeit großer Sprachmodelle steht kurz davor, mit der Unternehmensrealität zu kollidieren, schreibt Pegasystems-CEO Alan Trefler (Bild). Warum er das so sieht, beschreibt er in einem Kommentar:

In der ersten Phase der Einführung wurde KI meist in Form subventionierter, häufig nutzerbasierter, Preismodelle angeboten. Die Tokens schienen praktisch kostenlos zu sein. Das machte das Experimentieren einfach – vor allem für jene, die inzwischen regelrecht von ihrer täglichen Dosis KI-Agenten abhängig geworden sind. In manchen Unternehmen scheint die Nutzung inzwischen zum Selbstzweck geworden zu sein. Der absurde Trend des sogenannten Tokenmaxxing feiert Quantität statt Qualität, als ob sich Eingaben einfach mit Ergebnissen gleichsetzen lassen.

Doch jetzt, da die großen Sprachmodelle die Unternehmen an KI-Agenten gewöhnt haben, wird die eigentliche Rechnung fällig.

Hunderte Milliarden Dollar fließen derzeit in KI-Infrastrukturen und irgendjemand wird diese Kosten tragen müssen. Jüngste Schritte großer Anbieter deuten darauf hin, dass Token-basierte Abrechnungsmodelle zum Standard werden. Was zunächst wie ein All-you-can-eat-Buffet begann, verwandelt sich zunehmend in einen Taxameter.

Für viele Führungskräfte wird dabei die größere Überraschung nicht in den sichtbaren Output-Tokens liegen. Vielmehr ist entscheidend, dass im Hintergrund sogenannte Reasoning-Tokens verbraucht werden, wann immer ein Modell eine Entscheidung eigenständig herleitet. Und dann noch einmal überdenkt und neu bewertet. Genau diese Tokens sind die teuersten überhaupt, obwohl niemand ausdrücklich darum gebeten hat.

Reasoning-KI ist zwar leistungsstark, sie ist aber auch kostspielig, unvorhersehbar und oft unnötig. Jede operative Entscheidung immer wieder neu zu durchdenken, mag anspruchsvoll wirken, ist jedoch das Gegenteil von Disziplin. Sobald Logik, Richtlinien und Workflows sauber aufgesetzt sind, verursacht deren endloses Neugenerieren während des laufenden Betriebs unnötige Kosten und Risiken, ohne einen Mehrwert zu schaffen.

Reasoning in der Designphase, also dort, wo Kreativität, Exploration und neue Erkenntnisse gefragt sind, ist hingegen die Stärke generativer KI. Die Runtime-Ausführung ist jedoch etwas grundlegend anderes. Hier zählen Vorhersehbarkeit, Konsistenz und Kostenkontrolle mehr als Kreativität. Der Einsatz schlanker semantischer KI-Funktionen in dieser Phase ermöglicht es Agenten, definierte Workflows effizienter und kostengünstiger zu befolgen. Genau so lässt sich KI sinnvoll skalieren.

Nachhaltige KI ist keine Magie, sie basiert vielmehr auf klugen Abwägungen.

Die nächste Phase von Enterprise-KI wird weniger durch spektakuläre Demos als durch Disziplin geprägt sein. Durch vorhersehbare Ergebnisse und durch kalkulierbare Kosten. Und durch eine klare Entscheidung darüber, wann sich aufwendiges Reasoning wirklich lohnt und wann nicht.

Unternehmen, die sich frühzeitig mit der wachsenden Abhängigkeit von agentenbasierter KI auseinandersetzen und dabei auf Token-Effizienz und architektonische Klarheit setzen, werden nicht nur Kosten sparen. Sie werden auch Systeme aufbauen, die vertrauenswürdiger, leichter zu steuern und einfacher zu skalieren sind. Dies wird insbesondere dann von Vorteil sein, wenn KI nicht mehr als kostenlos wahrgenommen wird, sondern als realer wirtschaftlicher Faktor.



  • Was Mercedes-Benz gegen Produktfälscher tut

    Was Mercedes-Benz gegen Produktfälscher tut

    In Zusammenarbeit mit Zoll-, Gewerbeaufsichts- und Strafverfolgungsbehörden geht Mercedes-Benz weltweit gegen Fälschungen vor.

    mehr lesen: Was Mercedes-Benz gegen Produktfälscher tut

  • Wissenschaftler entwickeln Open-Source-Programm für die Quantenphysik

    Wissenschaftler entwickeln Open-Source-Programm für die Quantenphysik

    Wissenschaftler am Institut für Photonische Quantensysteme (PhoQS) und dem Paderborner Zentrum für Paralleles Rechnen (PC2) der Universität Paderborn haben ein Open-Source-Software-Tool entwickelt, das die Simulation von Lichtverhalten in Quantensystemen ermöglicht.

    mehr lesen: Wissenschaftler entwickeln Open-Source-Programm für die Quantenphysik

  • Kabinett bringt NIS-2 auf den Weg

    Kabinett bringt NIS-2 auf den Weg

    Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zur Stärkung der Cybersicherheit beschlossen.

    mehr lesen: Kabinett bringt NIS-2 auf den Weg

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Insys Icom wird 33

    Insys Icom wird 33

    Insys Icom feiert in diesem Jahr 33-jähriges Bestehen. Das Regensburger Unternehmen wurde 1992 gegründet und ist heute in drei eigenständige Unternehmen gegliedert: Insys Icom, Insys Locks und Insys Test.

    mehr lesen: Insys Icom wird 33

  • Slalom und Device Insight mit strategischer Partnerschaft

    Slalom und Device Insight mit strategischer Partnerschaft

    Slalom Germany und Device Insight richten sich im Rahmen einer strategischen Kooperation an Fertigungsunternehmen und bieten ein gemeinsames Portfolio an, das Beratungsexpertise in den Bereichen Data, Analytics und KI mit…

    mehr lesen: Slalom und Device Insight mit strategischer Partnerschaft

  • Aus Felten wird MPDV

    Aus Felten wird MPDV

    Nach der Übernahme der Felten Group durch die MPDV Mikrolab GmbH im Jahr 2019 erfolgt nun die Integration des Unternehmens durch den MES-Spezialisten aus Mosbach.

    mehr lesen: Aus Felten wird MPDV

  • HTEC erklärt AI Distillation

    HTEC erklärt AI Distillation

    Große KI-Modelle wie GPT-4.5 oder OpenAI o3 bilden die Speerspitze des technologischen Fortschritts.

    mehr lesen: HTEC erklärt AI Distillation

  • Warum Maschinenidentitäten zur Sicherheitsfalle werden können

    Warum Maschinenidentitäten zur Sicherheitsfalle werden können

    Automatisierung beschleunigt Prozesse, verbindet Systeme und spart Zeit. Bots, APIs, Cloud-Workloads oder RPA-Tools übernehmen Aufgaben, die früher menschlichen Mitarbeitenden vorbehalten waren. Doch auch die digitalen Helfer verwalten sich nicht selbst:…

    mehr lesen: Warum Maschinenidentitäten zur Sicherheitsfalle werden können

  • Robotersteuerung aus dem Weltall

    Robotersteuerung aus dem Weltall

    Am 24. Juli führte das Surface-Avatar-Team am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen das letzte und laut DLR bisher anspruchsvollste Experiment der Mission Surface Avatar vor.

    mehr lesen: Robotersteuerung aus dem Weltall

  • Dassault Systèmes übernimmt Ascon Qube-Technologie

    Dassault Systèmes übernimmt Ascon Qube-Technologie

    Dassault Systèmes hat die Ascon Qube-Technologie von der Ascon Systems Holding GmbH übernommen.

    mehr lesen: Dassault Systèmes übernimmt Ascon Qube-Technologie

  • B-Human ist erneut Weltmeister

    B-Human ist erneut Weltmeister

    Das Team B-Human der Universität Bremen und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) errang bei der RoboCup-WM in Salvador in Brasilien bei der 16. Teilnahme zum zwölften Mal den…

    mehr lesen: B-Human ist erneut Weltmeister