10 Jahre DSGVO: Wie sich die Datenschutzvorgaben auf Unternehmen auswirken

bitkom presseinformation grafik 10 jahre dsgvo es bleibt kompliziert print
Bild: Bitkom e.V.

10 Jahre nach dem Start der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist der Datenschutz in den Unternehmen laut einer Langzeituntersuchung des Bitkom fest verankert. Den Ergebnissen zufolge werden jedoch Aufwand, Komplexität und Rechtsunsicherheit immer größer. Während Anfang 2018, kurz vor Anwendbarkeit der DSGVO, erst 7% der Unternehmen die Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt hatten, waren es 2024 bereits 71%. Im gleichen Zeitraum hat sich die Wahrnehmung der Datenschutzvorgaben als Belastung jedoch deutlich verstärkt: 2016 sagte ein Viertel der Unternehmen (25%), die DSGVO mache ihre Geschäftsprozesse komplizierter, 2025 sind es 81%. 84% der Unternehmen berichten 2024, dass ihr Aufwand für den Datenschutz seit Einführung der DSGVO gestiegen ist. 2025 bewerten 97% den Aufwand für Datenschutz als hoch, davon 44% als sehr hoch. Haben 2020 noch 40% der Unternehmen beklagt, dass Deutschland es mit dem Datenschutz übertreibt, sind es mit 72% im Jahr 2025 fast doppelt so viele.

Für die Langzeitanalyse befragt Bitkom Research im Auftrag des Bitkom seit 2016 jährlich Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. Zuletzt nahmen branchenübergreifend 603 Firmen teil. Die Befragung ist repräsentativ. Die Ergebnisse wurden im Studienbericht ’10 Jahre DSGVO‘ veröffentlicht.

„Datenschutz ist keine lästige Pflicht, er ist eine zentrale Säule der digitalen Welt“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Die Erwartungen an die DSGVO wie einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in Europa, mehr Rechtssicherheit und weniger bürokratischer Aufwand nach der Umstellungsphase haben sich allerdings nicht erfüllt. Mit der Neuausrichtung des Datenschutzes auf das KI-Zeitalter steht jetzt die nächste Herausforderung ins Haus.“

Datenschutz erschwert KI-Entwicklung

Sechs von zehn Unternehmen (59%) sehen den europäischen Datenschutz im internationalen Vergleich zwar grundsätzlich als Vorteil für die KI-Entwicklung in Deutschland und Europa. In der Praxis erleben sie jedoch das Gegenteil. Zwei Drittel (69%) sagen 2025, der Datenschutz erschwere es, KI-Modelle mit genügend Daten zu trainieren, 2023 waren es 42%. 63% sind überzeugt, dass der Datenschutz Unternehmen, die KI entwickeln, aus der EU vertreibt. Auch beim Aufbau von Datenpools, der Grundlage vieler KI- und Analyseanwendungen, berichten 59% der Unternehmen, dass entsprechende Projekte aufgrund von Datenschutzvorgaben gescheitert sind oder gar nicht erst in Angriff genommen wurden. 2020 lag dieser Wert bei 41%.

„Die Realität ist: KI wird wegen unserer Datenschutzpraxis nicht in Europa entwickelt, die Modelle werden aber trotzdem hier eingesetzt. Für den Schutz der Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger ist damit nichts gewonnen, für den Wirtschaftsstandort Europa aber viel verloren“, so Wintergerst. Er fordert eine Reform, die den Datenschutz dort stärkt, wo echte Risiken für Menschen entstehen. Unternehmen sollten wiederum dort entlastet werden, wo formale Pflichten keinen zusätzlichen Schutz bringen. Konkret nennt Wintergerst eine konsequente Risikoorientierung der DSGVO sowie ein einheitliches Verständnis darüber, dass Training und Betrieb von KI-Systemen auch in Europa möglich sein müssen. „Der Digitalomnibus auf europäischer Ebene ist die Chance dafür – sie muss genutzt werden.“

Mehr als die Hälfte übermittelt personenbezogene Daten in die USA

Aus der Befragung geht zudem hervor, dass 61% der Unternehmen 2025 personenbezogene Daten in die USA übermittelten. Die Vereinigten Staaten sind damit das wichtigste Drittland für Datentransfers außerhalb der EU. 71% wünschen sich von der Politik tragfähige Lösungen für den internationalen Datentransfer (2021: 32%).

DSGVO-Umsetzung nie vollständig abgeschlossen?

Im Jahr 2025 nennen 82% der Unternehmen die Unsicherheit über genaue Datenschutzvorgaben als eine der größten Herausforderungen. 2017 waren es noch 35%. 86% der Unternehmen sagen 2025, dass die Umsetzung der DSGVO nie vollständig abgeschlossen ist, da kontinuierlich auf technische und rechtliche Entwicklungen reagiert werden muss.

Seiten: 1 2



  • Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

    Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

    Die Richtlinie VDI/VDE 3516 Blatt 6 ‚Validierung im GxP-Umfeld – Validierung von Schnittstellen‘ ist im August 2021 erschienen. Sie lässt sich zur Validierung von Schnittstellen zwischen computergestützten Systemen im regulierten…

    mehr lesen: Schnittstellen validieren in regulierten Industrien

  • Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

    Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

    Fachbesucher der industriellen Automatisierungsbranche treffen sich vom 5. bis 8. Oktober auf dem Messeduo Motek/Bondexpo in Stuttgart. Beide Messen sollen als Präsenzmesse stattfinden.

    mehr lesen: Motek 2021: Montagetechnik-Messe mit echten Menschen

  • Materialmangel der Industrie verschärft sich

    Materialmangel der Industrie verschärft sich

    Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich weiter verschärft. 69,2 Prozent der Industriefirmen in Deutschland klagten im August laut einer Umfrage des Ifo Instituts über Engpässe und Probleme bei…

    mehr lesen: Materialmangel der Industrie verschärft sich

  • T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

    T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

    Gemeinsam wollen T-Systems und Google Cloud ab Mitte 2022 eine souveräne Cloud für Deutschland zur Verfügung stellen. Der Betrieb der Cloud unterliegt dabei der Kontrolle von T-Systems.

    mehr lesen: T-Systems und Google arbeiten an souveräner Cloud

  • Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

    Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

    Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley wollen gemeinsam die herstellerübergreifende Integration in der Verpackungsindustrie realisieren. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen auf Master Data Management, Plant Analytics und Predictive Maintenance.

    mehr lesen: Open Industry 4.0 Alliance und Packaging Valley arbeiten zusammen

  • Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

    Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

    Das finnische Unternehmen Aava gehört ab sofort zur Pepperl+Fuchs-Gruppe. Das Unternehmen bietet u.a. Tablet Computer für die Industrie ab.

    mehr lesen: Pepperl+Fuchs übernimmt Aava

  • Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

    Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

    Der vom Trovarit Competence Center MES in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und dem VDI herausgegebene ’Aachener Marktspiegel Business Software – MES/Fertigungssteuerung 2021/2022‘, untersucht das Angebot…

    mehr lesen: Manufacturing Execution-Systeme im Vergleich

  • Weniger Kurzarbeit im August

    Weniger Kurzarbeit im August

    In Deutschland waren im August nach Angaben des Ifo Instituts 688.000 Menschen in Kurzarbeit, ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vormonat. Die Lieferengpässe in der Industrie hatten demnach kaum Auswirkungen…

    mehr lesen: Weniger Kurzarbeit im August

  • Konjunkturerwartungen gehen zurück

    Konjunkturerwartungen gehen zurück

    Zum vierten Mal in Folge haben die ZEW-Konjunkturerwartungen ein Minus verzeichnet. Der Index lag in der September-Umfrage bei 26,5 Punkten nach 40,4 Punkten im Vormonat. Die aktuelle Lage wird jedoch…

    mehr lesen: Konjunkturerwartungen gehen zurück

  • Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig

    Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig

    Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau haben sich wegen der guten Weltkonjunktur und einer schwachen Vorjahresbasis auch im Juli kräftig gefüllt.

    mehr lesen: Bestellungen im Maschinenbau im Juli steigen kräftig

  • Ifo-Exporterwartungen sinken im August

    Ifo-Exporterwartungen sinken im August

    Die Ifo-Exporterwartungen sind im August gesunken. In einigen Branchen gingen die Erwartungen dabei deutlich zurück, in der Automobilindustrie zeigen sich die Unternehmen jedoch optimistischer.

    mehr lesen: Ifo-Exporterwartungen sinken im August

  • Fortschritt bei künstlicher Intelligenz

    Fortschritt bei künstlicher Intelligenz

    Laut aktuellem KI-Monitor von BVDW und IW Köln kommt das Thema Künstliche Intelligenz in Deutschland voran. Die Wirtschaft ist dabei der größte Treiber — alle Betrachtungsindikatoren haben sich in diesem…

    mehr lesen: Fortschritt bei künstlicher Intelligenz