Fraunhofer-Institute forschen an neuen Recyclingmöglichkeiten

.
Bild: ©Holger Jacoby

Ohne Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen oder Polystyrol, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden, wären viele Alltagsprodukte undenkbar. Jedoch ist die stoffliche Recyclingquote von Kunststoffen hierzulande noch immer niedrig – es wird mehr Plastikmüll verbrannt als werkstofflich verwertet. Die Müllverbrennung nutzt zwar das energetische Potential von Abfällen – die Wertstoffe gehen jedoch verloren.

In einer echten Kreislaufwirtschaft dürfen Abfälle nicht verbrannt, sondern müssen vermieden, wiederverwertet und wahlweise mechanisch oder chemisch recycelt werden. Das reduziert nicht nur den Bedarf an fossilen Ressourcen, sondern auch die Umweltverschmutzung durch CO2-Emissionen. Zudem bleibt der im Kunststoff enthaltene Kohlenstoff als Ressource für die chemische Industrie erhalten. Acht Institute und Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft bündeln im Projekt ’Waste4Future’ ihre Kompetenzen, um neue Lösungen für dieses Ziel zu entwickeln – von der Rohstoffbasis über die Stoffströme und Verfahrenstechnik bis zum Ende des Lebenszyklus eines Produkts. Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS koordiniert das Projekt.

„Kunststoffe bestehen aus Kohlenwasserstoffen. An ihrem Lebensende landen sie in der gelben Tonne und werden anschließend sortiert. Minderwertige Fraktionen, die etwa zu sehr verschmutzt sind, werden verbrannt, hochwertige Fraktionen werden unter anderem nach ihrer Farbe aussortiert und als Rezyklate verkauft. Doch das sortenreine Recycling dieser wertvollen Stoffe ist komplex“, sagt Dr. Gert Homm, Leiter eines Teilprojekts und Wissenschaftler am Fraunhofer IWKS. „So werden viele Verpackungen in den Sortieranlagen erst gar nicht als recycelbar eingestuft und kommen als Restmüll in die Verbrennungsanlage. Schwarzes Plastik erkennen viele der aktuellen Sensoriken nicht, und auch Joghurtbecher mit Aludeckel landen irrtümlicherweise beim Aluminium und dann im Restmüll.“

Sensorsuite für Sortieranlagen

Im Projekt ‘Waste4Future’ entwickeln die Partner eine Sensorsuite für Sortieranlagen, die unter anderem schwarze Abfallpartikel erkennen kann. Eine Kombination aus verschiedenen Sensoriken wie beispielsweise der Infrarot- und Terahertz-Sensorik der Sensorsuite soll sowohl die Stoffparameter für eine möglichst reine Sortierung als auch die Alterung der Probe bestimmen. Das Alter der Probe ist relevant, um einzuschätzen, ob und wie sich diese für das werkstoffliche Recycling eignet. Ist eine Fraktion zu stark beschädigt, lässt sie sich nicht mehr mechanisch, sondern nur noch chemisch verwerten. Beide Aspekte sollen mit der Sensorsuite erkannt werden:

Hier werden verschiedene physikalische Eigenschaften der Kunststoffe (optische, thermische, etc.) durch teilweise selbst entwickelte Sensorik detektiert und miteinander vernetzt. Die erfassten Daten werden mittels Verfahren des Maschinellen Lernens verknüpft und ausgewertet. Die Sensorsuite zur Charakterisierung des Abfalls befindet sich über dem Fließband einer Sortieranlage. Druckluftdüsen sortieren dann wahlweise die gewünschten Zielstoffe oder die unerwünschten Störstoffe aus. Ein Störstoff für das chemische Recycling kann etwa chlorierter Kunststoff sein, dazu gehört etwa Polyvinylchlorid, kurz PVC. Das enthaltene Chlor führt gerade im chemischen Recycling zu erheblicher Korrosion der dazu nötigen Anlagen. Generell gilt: Je sortenreiner die Fraktion, umso hochwertiger ist das Rezyklat.

Beim Detektieren des Kunststoffs durch die Sensorik fallen riesige Datenmengen an. „Digitale Zwillinge helfen, den Wust an Daten auf die elementaren Kerndaten zu reduzieren und diese an ein Bewertungsmodell weiterzugeben, das wir im Projekt entwickeln und das die bislang prozessgeführte Recyclingkette zu einer stoffgeführten Kette reorganisiert“, sagt Homm. Dabei werden Faktoren wie Energieverbrauch und CO2-Fußabdruck berücksichtigt. Durch die Kombination von neuartiger Sortiertechnik, Digitalen Zwillingen, Machine Learning und Bewertungsmodell wird ermittelt, welcher Weg des Recyclings für eine spezifische Abfallmenge der technisch, ökologisch und ökonomisch sinnvollste ist.

Vergleich mit Neuware

Das Bewertungsmodell ermittelt die Umweltbilanz und informiert unter anderem, wie viel Energie anfällt, um eine Tonne neuen Kunststoffs herzustellen. Dieser Energieverbrauch wird mit dem Energieverbrauch verglichen, der bei der energetischen Verwertung anfällt. Das Bewertungsmodell bewertet verschiedene Möglichkeiten, Kunststoffe zu recyceln und macht sie miteinander vergleichbar.

Im Projekt prüfen die Partner die möglichen mechanischen (Schmelzextrusion, lösungsmittelbasierte Aufreinigung und Fraktionierung) und chemischen (Solvolyse, Pyrolyse, Gasifizierung) Recyclingverfahren und testen sie auf ihre Tauglichkeit für die unterschiedlichen Kunststoffabfallzusammensetzungen. Zum Projektende im Dezember 2024 sollen dann aus alten Kunststoffen hergestellte Bauteile mit Neuware verglichen werden.



  • IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    Mit der Ernennung von Andreas Kempenich zum neuen Geschäftsführer für die DACH-Region will der Business-Software-Anbieter IFS die Dynamik in DACH weiter ausbauen.

    mehr lesen: IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

  • Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Um Unternehmen verbesserte Ortungsanwendungen für industrielle Umgebungen zu ermöglichen, wollen German Edge Cloud und Intranav zukünftig zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

  • Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Die deutschen Maschinenbauer haben ihre Ausfuhren im dritten Quartal um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Die höchsten Zuwächse verzeichneten dabei Textilmaschinen, Mikroelektronik und Landtechnik.

    mehr lesen: Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Produktionsplaner verdienen am meisten

    Produktionsplaner verdienen am meisten

    Gehalt, Jobchancen, persönliche Talente: Bei der Wahl des Ausbildungsberufs müssen junge Menschen vieles beachten. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, welche Berufe für junge Fachkräfte am vielversprechendsten…

    mehr lesen: Produktionsplaner verdienen am meisten

  • MGM Technology Partners übernimmt Clientis

    MGM Technology Partners übernimmt Clientis

    MGM Technology Partners übernimmt die Clientis AG aus dem bayerischen Moosburg. Der SAP-Spezialist arbeitet für Großunternehmen sowie Mittelständler u.a. aus dem Maschinenbau und der Bekleidungsindustrie.

    mehr lesen: MGM Technology Partners übernimmt Clientis

  • AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg

    AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg

    85 Prozent der im AIM-D organisierten AutoID-Anbieter haben für das 1. Halbjahr 2021 eine verbesserte oder gleichgebliebene Geschäftsentwicklung ihrer Märkte gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr gemeldet. Das hat der Branchenverband AIM-D…

    mehr lesen: AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg

  • Wenn Roboter Batterien recyceln

    Wenn Roboter Batterien recyceln

    Ausgediente Batterien von Elektroautos enthalten Rohstoffe, die weiterhin nutzbar sind. Um sie recyceln zu können, entwickelt ein Forschungsteam vom Zentrum für Digitalisierte Batteriezellenproduktion (ZDB) am Fraunhofer IPA eine Roboterzelle mit…

    mehr lesen: Wenn Roboter Batterien recyceln

  • Etwas weniger Materialmangel in der Industrie

    Etwas weniger Materialmangel in der Industrie

    70,4 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland haben nach Angaben des Ifo Instituts im Oktober über Materialmangel geklagt. Im Vergleich zum Vormonat hat sich dieser Wert leicht verbessert, doch die Unternehmen…

    mehr lesen: Etwas weniger Materialmangel in der Industrie

  • Industrie Informatik ernennt Andreas Brinks zum Head of Consulting

    Industrie Informatik ernennt Andreas Brinks zum Head of Consulting

    Als Head of Consulting ist Andreas Brinks seit Oktober für die Abwicklung von Kundenprojekten verantwortlich.

    mehr lesen: Industrie Informatik ernennt Andreas Brinks zum Head of Consulting

  • Eine Organisation für herstellerunabhängige Automatisierung

    Eine Organisation für herstellerunabhängige Automatisierung

    Mit der UniversalAutomation.Org hat eine neue Non-Profit-Organisation ihre Arbeit aufgenommen. Zielsetzung der Organisation ist es, eine herstellerunabhängige Automatisierung zu ermöglichen.

    mehr lesen: Eine Organisation für herstellerunabhängige Automatisierung

  • USA sind Top-Angriffsziel, Deutschland auf Platz 5

    USA sind Top-Angriffsziel, Deutschland auf Platz 5

    Deutschland gehört weltweit zu den Top-5-Zielen, wenn es um Ransomware-Angriffe geht. Dies hat eine Analyse des Verschlüsselungsclouddienstes NordLocker ergeben. Der Großteil der untersuchten Angriffe richtet sich allerdings gegen US-Unternehmen.

    mehr lesen: USA sind Top-Angriffsziel, Deutschland auf Platz 5