Warum viele KI-Initiativen scheitern

Oil and gas refinery system management concept.engineer using digital tablet controlling smart factory and oil refinery plant
Bild: ©panuwat/stock.adobe.com

Gerade in der Prozessindustrie ist der Weg zu einer produktiven KI-Lösung besonders anspruchsvoll. In den Produktionsanlagen besteht der Herstellprozess aus einer komplexen Prozesslandschaft, die sowohl in den produktionsnahen IT-Systemen als auch in den manuellen Abläufen der Bedienmannschaft abgebildet wird. Gleichzeitig gelten hohe Anforderungen an Qualität, Rückverfolgbarkeit, Validierung, Sicherheit und Compliance. Daher genügt es nicht, Daten nur bereitzustellen. Sie müssen integriert, fachlich verstanden und im Prozesskontext interpretiert werden.

Viele KI-Projekte bleiben aktuell in der Proof-of-Concept-Phase stecken: Obwohl Pilotprojekte die technische Machbarkeit zeigen, gelingt der Übergang in den produktiven Betrieb oft nicht. Fehlende Skalierbarkeit und ein ausbleibender Geschäftsnutzen verhindern den Praxiseinsatz. Die eigentliche Herausforderung liegt also meist nicht in der Technologie selbst, sondern in Daten und Prozessen. Unzureichende Datenhistorien, verteilte Datenbestände, fehlende Standards, Medienbrüche und unklare Verantwortlichkeiten erschweren die Implementierung. Zudem müssen Produktions-, Qualitäts- und Dokumentationsdaten häufig erst systemübergreifend verknüpft werden, bevor KI belastbare Zusammenhänge erkennen kann.

AI Readiness als Erfolgsfaktor

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, müssen produzierende Unternehmen zunächst die Voraussetzungen für einen erfolgreichen KI-Einsatz schaffen. AI Readiness beschreibt hier, wie gut ein Unternehmen organisatorisch, technisch und datenseitig auf den produktiven Einsatz von künstlicher Intelligenz vorbereitet ist. Sie lässt sich anhand vier zentraler Dimensionen bewerten:

• Daten: Verfügbarkeit, Historie, Qualität und Konsistenz der Daten bilden die Grundlage jeder KI-Anwendung.

• Datenkontextualisierung: Daten müssen fachlich eingeordnet und mit relevantem Kontext (z.B. Anlagentyp, Produktkontexten, Qualitäts- und Wartungsereignissen) angereichert werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

• Use Case: Ein klar definierter Anwendungsfall mit messbarem Mehrwert ist Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz von KI.

• Organisation: Verantwortlichkeiten, Governance und geeignete Prozesse schaffen die organisatorischen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Einführung und den nachhaltigen KI-Betrieb.

Die Bewertung dieser Dimensionen erfordert einen strukturierten Ansatz. Ein Reifegradmodell schafft Transparenz über den aktuellen Stand der AI Readiness, identifiziert Entwicklungsfelder und unterstützt Unternehmen dabei, gezielte Maßnahmen für einen erfolgreichen und nachhaltigen KI-Einsatz abzuleiten.

Neben der technologischen Infrastruktur müssen Unternehmen organisatorische, prozessuale und datenbezogene Voraussetzungen schaffen, um das Potenzial der Technologie langfristig auszuschöpfen. Gerade in der Prozessindustrie ermöglicht erst eine durchgängige Verknüpfung von Produktions-, Qualitäts- und Unternehmensdaten den Aufbau robuster und skalierbarer KI-Lösungen, die sich zuverlässig in bestehende Betriebsabläufe integrieren lassen und einen Mehrwert schaffen.

Von der Idee zum produktiven Einsatz

Der Weg zum produktiven KI-Einsatz beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit einem klar definierten Geschäftsproblem. Ausgangspunkt sind konkrete Anwendungsfälle, deren geschäftlicher Mehrwert und Umsetzbarkeit bewertet werden. Auf dieser Grundlage lassen sich Use Cases priorisieren und messbare Erfolgskriterien festlegen, die als Orientierung für die weitere Umsetzung dienen.

Der Aufbau einer belastbaren Datenbasis erfolgt schrittweise. Zunächst sind alle relevanten Datenquellen zu identifizieren. Dazu zählen beispielsweise das ERP-System, Produktions- und Historian-Systeme sowie prozessnahe Dokumente und weitere Wissensquellen.

Im nächsten Schritt werden die Daten über geeignete Schnittstellen integriert, um Datensilos aufzulösen und eine durchgängige Datenverfügbarkeit zu schaffen. Datenanreicherung und synthetische Daten können dabei bestehende Lücken schließen und die Aussagekraft der Daten erhöhen.

Anschließend steht die Verbesserung der Datenqualität im Fokus. Fehlerhafte Datensätze werden bereinigt, Dubletten entfernt, fehlende Werte ergänzt und die Konsistenz der Daten sichergestellt.

Je nach Anwendungsfall können die Daten anschließend normalisiert und durch geeignetes Feature Engineering für das Training der KI aufbereitet werden. Darauf aufbauend werden Daten harmonisiert und skaliert, indem einheitliche Definitionen, standardisierte Stammdaten und konsistente Datenmodelle geschaffen werden.

Die Auswahl einer geeigneten KI richtet sich nach den Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls. Dabei ist zu entscheiden, ob eine Standardtechnologie ausreicht oder ein eigenes Modell entwickelt werden muss. Ebenso sollte geprüft werden, ob generative KI oder klassische Machine-Learning-Verfahren die Aufgabe besser erfüllen. Neben der technischen Eignung sind auch Kosten, Wartungsaufwand und der zu erwartende geschäftliche Nutzen in die Entscheidung einzubeziehen.

Fadi Georges new
Bild: SpiraTec AG

Nach der Modellauswahl wird die KI mit den vorbereiteten Daten trainiert und anhand geeigneter Kennzahlen bewertet. Durch gezieltes Tuning können Modellparameter optimiert und die Leistungsfähigkeit weiter verbessert werden.

Die erfolgreiche Implementierung erfordert die nahtlose Integration der KI in bestehende Prozesse. Gleichzeitig sollten die späteren Anwender frühzeitig eingebunden sowie Tests und Qualitätssicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Durch kontinuierliches Monitoring, regelmäßige Optimierungen und bei Bedarf Retraining mit aktuellen Daten kann die Leistungsfähigkeit der KI langfristig sichergestellt werden.



  • CAS und ELO kooperieren

    CAS und ELO kooperieren

    Enterprise Content Management und Customer Relationship Management näher aneinander rücken ist das Ziel der Kooperation zwischen ELO Digital Office und CAS Software.

    mehr lesen: CAS und ELO kooperieren

  • Fünf IT-Trends für 2022

    Fünf IT-Trends für 2022

    Auch 2022 werden sich die IT-Systeme von Unternehmen weiterentwickeln. Oliver Rozić, Vice President Product Engineering bei Sage, weiß wie und welche Trends dabei eine Rolle spielen könnten.

    mehr lesen: Fünf IT-Trends für 2022

  • Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Unternehmen gehen digital gestärkt ins dritte Corona-Jahr, so das Ergebnis einer Bitkom-Befragung unter 602 Unternehmen. Demnach will die große Mehrheit ihre Digitalisierungs-Projekte fortsetzen. Diese Aufbruchsstimmung müsse genutzt werden, so Bitkom-Präsident…

    mehr lesen: Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Digitalisierung keine Spitzenposition, sondern tendiert eher zum Mittelfeld. So zumindest legt es eine Studie des Ifo Instituts nahe. Demnach sei nicht nur die…

    mehr lesen: Mittelmaß bei der Digitalisierung

  • Bauteilschwingungen Vorhersagen

    Bauteilschwingungen Vorhersagen

    Bauteilschwingungen, die bei vielen Fertigungsverfahren entstehen, führen oftmals dazu, dass die Oberfläche des Werkstücks beschädigt wird. Darüber hinaus sind sie ein Grund für erhöhten Werkzeugverschleiß. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT…

    mehr lesen: Bauteilschwingungen Vorhersagen

  • Neue General-Managerin bei DXC

    Neue General-Managerin bei DXC

    Jacqueline Fechner ist neue General-Managerin für die DACH-Region bei DXC Technology und soll künftig die Geschicke des IT-Dienstleisters in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantworten.

    mehr lesen: Neue General-Managerin bei DXC

  • Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

    Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

    Ein Bericht von Venafi zeigt, dass chinesische Hacker-Gruppen gezielt Code Signing-Zertifikate für Angriffe auf Software Supply Chains einsetzen.

    mehr lesen: Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

  • IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    Mit der Ernennung von Andreas Kempenich zum neuen Geschäftsführer für die DACH-Region will der Business-Software-Anbieter IFS die Dynamik in DACH weiter ausbauen.

    mehr lesen: IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

  • Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Um Unternehmen verbesserte Ortungsanwendungen für industrielle Umgebungen zu ermöglichen, wollen German Edge Cloud und Intranav zukünftig zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

  • Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Die deutschen Maschinenbauer haben ihre Ausfuhren im dritten Quartal um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Die höchsten Zuwächse verzeichneten dabei Textilmaschinen, Mikroelektronik und Landtechnik.

    mehr lesen: Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

  • Produktionsplaner verdienen am meisten

    Produktionsplaner verdienen am meisten

    Gehalt, Jobchancen, persönliche Talente: Bei der Wahl des Ausbildungsberufs müssen junge Menschen vieles beachten. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, welche Berufe für junge Fachkräfte am vielversprechendsten…

    mehr lesen: Produktionsplaner verdienen am meisten