Ohne Idealbedingungen zur KI-Applikation: Immer auf Kurs, das Ziel im Blick

team of engineers having discussion in factory
Bild: ©auremar/stock.adobe.com

Beim Einstieg in die KI-Integration haben sich drei Anwendungsfelder als besonders zugänglich erwiesen: die Anomalieerkennung im Maschinenbetrieb, die automatisierte Qualitätsprüfung und die KI-gestützte Produktionsplanung. Diese Szenarien zeichnen sich durch hohe Wiederholfrequenz, verfügbare Datenquellen und klar messbaren Nutzen aus. Bei der Anomalieerkennung geht es darum, Muster in Maschinendaten zu identifizieren, die auf bevorstehende Störungen oder ineffiziente Zustände hinweisen. Dies kann auf Basis vorhandener Sensorik erfolgen, ohne dass neue Hardware notwendig ist. Auch wenn Datenformate uneinheitlich oder fragmentiert sind, lässt sich mit geeigneten Vorverarbeitungsschritten und überschaubaren Modellen ein Frühwarnsystem etablieren.

Paradedisziplinen der Produktion

In der Qualitätsprüfung ermöglichen Bilddaten, Druckverläufe und akustische Signale den Aufbau von Modellen, die Abweichungen erkennen – oft schneller und konsistenter als das menschliche Auge. Gerade bei wiederkehrenden Prüfprozessen mit hohem Volumen bietet KI die Möglichkeit, Entlastung zu schaffen, ohne dabei in sicherheitskritische Entscheidungen einzugreifen. Die Produktionsplanung wiederum profitiert davon, wenn Planungsdaten, Auftragsstruktur, Materialverfügbarkeit und Ressourcenkapazitäten algorithmisch zusammengeführt werden. KI kann hier etwa Engpässe prognostizieren, Verfügbarkeiten optimieren oder Simulationen für kurzfristige Szenarien bereitstellen. Haben Fertiger denkbare Anwendungsgebiete identifiziert und planen nächste Schritte, sollten sie eine Reihe von typischen Hürden im Blick haben.

Fallstrick 1 – Legacy-Systeme

Eines der häufigsten Hindernisse bei der Einführung von KI ist die Vielfalt bestehender Systeme. Viele Unternehmen verfügen über eine heterogene Systemlandschaft, in der ERP-Software, MES und Maschinensteuerung nicht ohne Weiteres Daten austauschen. Statt die vollständige Integration voranzutreiben, empfiehlt es sich meist, mit punktuellen Schnittstellen zu arbeiten. Auch einfache Datenextrakte – etwa als CSV oder aus einer OPC-UA-Schnittstelle – genügen oft, um prototypische Modelle zu trainieren. Wichtig ist, die bestehende Infrastruktur als Ausgangspunkt zu akzeptieren. Eine saubere Datenlandschaft ist selten vollständig vorhanden – sie ist ein Zielbild. Der pragmatische Ansatz besteht darin, zunächst dort anzusetzen, wo Datenqualität bereits gegeben ist, und von dort aus iterativ zu skalieren. So entstehen belastbare Modelle, ohne auf eine perfekte Gesamtdatenbasis warten zu müssen.

Fallstrick 2 – Ressourcenknappheit

KI-Projekte scheitern im Mittelstand selten an mangelndem Interesse, sondern an begrenzten personellen und zeitlichen Ressourcen. Entwicklende haben in der Regel operative Aufgaben, Projekte laufen nebenher. Deshalb ist es essenziell, die Projektlast gering zu halten. Statt einer KI-Strategie braucht es einen Anwendungsfall mit greifbarem Nutzen, einen technischen Pfad zur Umsetzung – und einen Modus, in dem vorhandene Teams das Projekt stemmen können. Werkzeuge wie AutoML-Plattformen oder Low-Code-Umgebungen senken dabei die Einstiegshürde deutlich. Sie ermöglichen es, auch ohne tiefgreifende Machine-Learning-Kenntnisse erste Prototypen zu bauen, zu validieren und in bestehende Oberflächen zu integrieren. Entscheidend ist die klare Begrenzung des Funktionsumfangs zu Beginn: lieber ein robustes Teilsystem als ein überambitioniertes Gesamtkonstrukt.

Fallstrick 3: Fehlende Anschlussfähigkeit

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die organisatorische Einbettung. Selbst technisch funktionierende Modelle nutzen wenig, wenn sie nicht sinnvoll in die Arbeitsprozesse integriert sind. Ein Anomalieerkennungsmodell etwa muss nicht nur Warnungen generieren, sondern diese auch so kommunizieren, dass sie eine Handlung einleiten – z.B. durch Integration in ein bestehendes Instandhaltungsdashboard oder durch Anbindung an ein Ticketsystem. Auch die Akzeptanz der Anwendenden ist entscheidend. KI darf nicht als Kontrolle wahrgenommen werden, sondern als Unterstützung. Transparente Schwellenwerte, nachvollziehbare Ergebnisse und einfache Interaktionsmöglichkeiten schaffen Vertrauen – gerade in produktionsnahen Umgebungen, wo Fehlentscheidungen reale Folgen haben können.

Was Projekte erfolgreich macht

Erfolgreiche KI-Projekte im Mittelstand starten mit einem konkreten Problem – nicht mit einem Technologieversprechen. Sie nutzen bestehende Datenquellen, arbeiten mit den verfügbaren Systemen und binden die betroffenen Rollen frühzeitig ein. Besonders wirksam sind Vorhaben, bei denen die Fachabteilungen das Modellverständnis mitentwickeln – nicht nur als Nutzer, sondern als Mitgestalter.

Die technologische Umsetzung sollte modular, nachvollziehbar und wartbar sein. Kleinere Systeme, die sich lokal betreiben lassen, haben oft einen höheren Reifegrad als komplexe Cloud-Setups, die zusätzliche Schnittstellen, Genehmigungen und Schulungsaufwand mit sich bringen. Und schließlich braucht es eine realistische Perspektive: KI ersetzt nicht die Erfahrung am Shopfloor, aber sie kann sie ergänzen – durch Mustererkennung, durch Konsistenz, durch Geschwindigkeit. Richtig eingesetzt, wird sie zum Instrument betrieblicher Resilienz.

Von Erfahrungen gestützt

Der Mittelstand muss nicht auf perfekte Voraussetzungen warten, um künstliche Intelligenz einzusetzen. Gerade unter den Bedingungen gewachsener Systeme und knapper Ressourcen lässt sich durch definierte Use Cases und technische Fokussierung oft schnell ein produktiver Einstieg finden. Die Projekte, die heute erfolgreich sind, zeichnen sich weniger durch visionäre Zielbilder aus, sondern durch realistische Einschätzungen, methodisches Vorgehen und das richtige Maß an Ambition.

Eine saubere Datenlandschaft ist selten vollständig vorhanden – sie ist ein Zielbild. Der pragmatische Ansatz besteht darin, zunächst dort anzusetzen, wo Datenqualität bereits gegeben ist und von dort aus iterativ zu skalieren. So entstehen belastbare Modelle, ohne auf eine perfekte Gesamtdatenbasis warten zu müssen.



  • Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco, ein Anbieter von Track & Trace-Systemen für die Pharma- und Life Science-Branche, bündeln ihre Expertise und starten eine Partnerschaft.

    mehr lesen: Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

  • Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Im September 2024 hat der SAP-Gold-Partner und Cloudspezialist Innovabee seine Geschäftsführung um Saskia Fontanive und Christian Schweizer erweitert.

    mehr lesen: Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

  • Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

    Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

    Siemens plant, sein eMobility-Geschäft auszugliedern. Im Jahr 2018 bündelte das Unternehmen seine Ladeaktivitäten für Elektrofahrzeuge und überführte diese 2022 in eine eigene Geschäftseinheit.

    mehr lesen: Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

  • Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

    Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

    Cybersicherheitsforschende stehen mitunter gefühlt mit einem Bein im Gefängnis – es herrscht viel Unsicherheit darüber, was rechtlich im Rahmen von Wissenschaft erlaubt ist und was nicht.

    mehr lesen: Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

  • DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit

    DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit

    Das Taiwan AI Center of Excellence (AICoE) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben eine Absprache zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit geschlossen.

    mehr lesen: DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit

  • Auftragsbestand der Industrie wächst um 1 Prozent

    Auftragsbestand der Industrie wächst um 1 Prozent

    Der Auftragsbestand in der Industrie ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Juli 2024 gegenüber Juni 2024 saison- und kalenderbereinigt um 1 Prozent gestiegen.

    mehr lesen: Auftragsbestand der Industrie wächst um 1 Prozent

  • Sebastian Durst wird CEO bei Weidmüller

    Sebastian Durst wird CEO bei Weidmüller

    Die Weidmüller-Gruppe gibt zum 1. Oktober 2024 Veränderungen in der ersten Führungsebene bekannt: Dr. Sebastian Durst, bisher Vorstand Operations, übernimmt die neu geschaffene Position des Chief Executive Officer (CEO).

    mehr lesen: Sebastian Durst wird CEO bei Weidmüller

  • Sereact macht Jörg Ziesmann zum Sales Director

    Sereact macht Jörg Ziesmann zum Sales Director

    Jörg Ziesmann (Bild) ist neuer Sales Director beim KI-Robotik-Spezialisten Sereact.

    mehr lesen: Sereact macht Jörg Ziesmann zum Sales Director

  • RWTH-Lehrstuhl PEM entwickelt mit Partnern Natrium-Ionen-Batterie

    RWTH-Lehrstuhl PEM entwickelt mit Partnern Natrium-Ionen-Batterie

    Der Lehrstuhl ‚Production Engineering of E-Mobility Components‘ (PEM) der RWTH Aachen erarbeitet mit Partnern aus der Forschung und der Industrie in den nächsten drei Jahren ein nachhaltiges elektrochemisches Speicherkonzept auf…

    mehr lesen: RWTH-Lehrstuhl PEM entwickelt mit Partnern Natrium-Ionen-Batterie

  • Theobald Software stellt Führungsspitze neu auf

    Theobald Software stellt Führungsspitze neu auf

    Theobald Software, ein Spezialist für SAP-Integration, strukturiert seine Führungsspitze neu und geht damit den nächsten Schritt in der Unternehmensgeschichte.

    mehr lesen: Theobald Software stellt Führungsspitze neu auf

  • Docufy übernimmt KI-Spezialisten Theum

    Docufy übernimmt KI-Spezialisten Theum

    Docufy, ein Anbieter von Software für die Technische Dokumentation, gibt die Übernahme der Theum AG bekannt.

    mehr lesen: Docufy übernimmt KI-Spezialisten Theum

  • Wie hilft Open-Source-Software in der Automobilentwicklung?

    Wie hilft Open-Source-Software in der Automobilentwicklung?

    Unter dem Titel ‚Driving Innovation & Building Safer Cars with Open Source Software‘ liefert eine Studie der Open-Source-Organisation Eclpise Foundation Erkenntnisse darüber, wie Entscheidungsträger und Softwareexperten in der Automobilindustrie Open-Source-Software…

    mehr lesen: Wie hilft Open-Source-Software in der Automobilentwicklung?