Wenn das System weiß, was Müller und Meier können

330229 skill progressions frontline worker
Mit der KI-basierten App von Augmentir erhält ein Arbeiter personalisierte Trainingsschritte auf seinem Tablet.- Bild: ©amorn/stock.adobe.com / Augmentir, Inc.

Auch in der Instandhaltung ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Gleichzeitig werden Anlagen zunehmend komplexer, was immer häufigere Fortbildungen erfordert. Durch hohen Kostendruck ist es jedoch oft nicht möglich, Personal aus dem Betrieb zu nehmen und zu schulen. Hier versprechen Connected-Worker-Systeme Unterstützung. Mit diesen Tools lässt sich der Personaleinsatz flexibler und effizienter gestalten.

Skill Management als Basis

Qualifikationen, Erfahrungen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden sind aktuell vielfältiger denn je. Gleichzeitig bestimmen diese Voraussetzungen aber – ebenso wie die individuelle Praxiserfahrung – die Einsatzmöglichkeiten. Heutige Connected-Worker-Systeme sind in der Lage damit umzugehen und erstellen auf der Basis eines Skill Managements einen Schichtplan. Beispielsweise bekommt so eine Arbeitskraft, die erst kürzlich eine Maschine gewartet hat, den Vorzug vor einer Person, die schon sehr lange nichts mehr damit zu tun hatte. Auf diese Weise entstehen Einsatzpläne, die auf die Anforderungen der jeweiligen Aufgaben einerseits und auf die vorhandenen Kompetenzen der Belegschaft andererseits abgestimmt sind.

Individualisierte Anleitungen

Einmal eingeteilt erhalten Technikerinnen und Techniker zudem auf ihren Kenntnisstand zugeschnittene Anleitungen, etwa für die Inspektion. Über ein Mobilgerät oder eine Brille für Augmented Reality (AR) sehen sie genau, was als Nächstes zu tun ist. Eine KI passt den Detailgrad sowie die Art der Inhalte dynamisch an die jeweilige persönliche Praxis und vorhandene Skills an. Dadurch erhalten Unerfahrene mehr Details als routinierte Mitarbeiter. Selbst Novizen werden damit in die Lage versetzt, ihnen unbekannte Aufgaben auszuführen.

Dabei werden sie trotzdem nie allein gelassen. Denn egal ob in der Fabrikhalle oder im Außeneinsatz: Die bei den Connected-Worker-Tools integrierten Remote-Assist-Funktionen erlauben Rückfragen an Experten und Vorgesetzte. Probleme und Unsicherheiten rund um die Instandhaltung können so gemeinsam per Telefon, Text- oder Sprachnachricht, unterstützt von Videos oder Fotos, bearbeitet werden.

Wartungsprozess fördern

Eine derart personalisierte Hilfestellung reduziert Fehler, steigert die Qualität und beschleunigt Lernprozesse. Das macht sich auch in der Wartung bemerkbar. Denn egal wer gerade an einer Maschine steht: Schritt-für-Schritt-Anweisungen für das Reinigen, Prüfen und Schmieren leiten die Maschinenführer zuverlässig durch alle Maßnahmen, die helfen, die Funktionsfähigkeit von Maschinen und Anlagen zu erhalten. Mitgedacht ist natürlich auch der Arbeitsschutz, so etwa beim Sicherstellen eines korrekten Lockout/Tagouts, den die App – wie übrigens alle erfolgten Arbeitsschritte – gleichzeitig dokumentiert. Ergänzend haben Techniker jederzeit Zugriff auf relevante Dokumentationen oder Zeichnungen. Dies alles reduziert die Abhängigkeit von spezialisierten Fachkräften erheblich und fördert die Autonome Wartung. Dabei wächst die KI ebenso an ihren Aufgaben wie die Maschinenbediener selbst: Sie lernt kontinuierlich aus den durchgeführten Wartungen und kann Prozesse so stetig optimieren und proaktiv Verbesserungsvorschläge unterbreiten.

Wissenstransfer neu gedacht

Wenn erfahrene Mitarbeitende in den Ruhestand gehen, verabschiedet sich auch Praxiswissen. Um den nötigen Know-how-Transfer zu ermöglichen, gilt es, verschiedene Strategien zu beachten: Eine wichtige Säule bildet hier das systematische Erfassen von Instandhaltungsprozessen, von Erfahrungen und Spezialkenntnissen in digitalen Systemen. Der Aufbau einer solchen, zentralen Wissensdatenbank gelingt heute ohne großen Zusatzaufwand. Denn mittels KI lassen sich von allen durchgeführten Arbeiten automatisch Zusammenfassungen erstellen. Erfahrungswissen wird so gesichert und lässt sich auch an andere Arbeitskräfte weitergeben.

Punktgenauer Weiterbildungsbedarf

KI-Algorithmen werden heute auch zur kontinuierlichen Analyse von Prozessdaten genutzt, etwa um Weiterbildungsbedarfe für das Wartungspersonal zu identifizieren. Für einen möglichst optimalen Budgeteinsatz priorisieren sie die Schulungsmaßnahmen nach ihrem potenziellen Nutzen. Dabei werden nicht nur aufgabenspezifische Skills der Mitarbeitenden betrachtet. Auch Soft Skills und übergreifende fachliche Kompetenzen lassen sich in die Empfehlungen mit einbeziehen. Dies verschafft HR-Verantwortlichen eine Basis für die strategische Planung und Umsetzung der Personalentwicklung.

Mensch und KI als Team

Der Einsatz von Connected-Worker-Systemen eröffnet mehr Möglichkeiten als nur eine flexiblere Personaleinsatzplanung. Unternehmen können darüber hinaus von höheren First-Time-Fix-Raten und geringerem Dokumentationsaufwand profitieren. Sie steigern die produktive Arbeitszeit ihrer Beschäftigten und senken die Maschinenausfallzeiten. Zudem erfassen die Tools zusätzliche Status, Messungen und andere Daten, die sich mithilfe von KI bereinigen und auswerten lassen. Die so entstehende Datenbasis ermöglicht Vorhersagen für Wartungsbedarfe und optimiert – sofern Mitarbeitende von Anfang an in den Transformationsprozess eingebunden werden – die

Seiten: 1 2



  • Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

    Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

    Die Ausgaben für IT-Sicherheit erreichen in diesem Jahr ein neues Rekordhoch: Der Digitalverband Bitkom rechnet mit Investitionen in Höhe von 4,6 Mrd.€.

    mehr lesen: Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

  • Mobile Lösungen für die Instandhaltung

    Mobile Lösungen für die Instandhaltung

    Die Managementberatung T.A. Cook lädt am 14. und 15. November zum Anwenderforum ‘Einsatz mobiler Lösungen in Instandhaltung und Service‘. 

    mehr lesen: Mobile Lösungen für die Instandhaltung

  • Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

    Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

    Entscheidungen über ein neues ERP-System sind teuer und binden das Unternehmen viele Jahre lang, daher will eine solche Entscheidung wohl überlegt sein.

    mehr lesen: Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

    Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

    Messgeschehen, Vorträge und Netzwerken: Als regionaler Branchentreff lenkt die FMB – Zuliefermesse für den Maschinenbau den Blick in diesem Jahr auf das Thema Instandhaltung.

    mehr lesen: Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

  • Maschinenbauer setzen auf 5G

    Maschinenbauer setzen auf 5G

    VDMA-Umfrage Maschinenbauer setzen auf 5G Wie aus einer Umfrage des VDMA hervorgeht, plant die Mehrheit der Maschinenbauer ihre Produkte mit einer 5G-Schnittstelle auszurüsten.

    mehr lesen: Maschinenbauer setzen auf 5G

  • IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS hat Marcus Pannier zum Geschäftsführer für die DACHI-Region ernannt.

    mehr lesen: IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

  • Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Alle drei Jahre wird Düsseldorf zum internationalen Branchentreffpunkt der Kunststoff- und Kautschuk-Industrie. Vom 16. bis zum 23. Oktober findet auf dem Messgelände der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt die K statt.

    mehr lesen: Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

  • DMG Mori investiert in Up2Parts

    DMG Mori investiert in Up2Parts

    Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori beteiligt sich am Softwareunternehmen Up2Parts. Ziel der Investition ist es, zusätzliches Digitalisierungs-Knowhow zu erschließen.

    mehr lesen: DMG Mori investiert in Up2Parts

  • Ein Blick in die Zukunft

    Ein Blick in die Zukunft

    Im aktuellen Future Readiness Index der Managementberatung KPMG zeigen sich die deutschen Unternehmen mit Blick auf die nächsten fünf Jahre positiv gestimmt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist dieser Wert…

    mehr lesen: Ein Blick in die Zukunft

  • Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Bei der Verhinderung von sicherheitsrelevanten Ereignissen, und insbesondere von Störfällen, wird die Prozessleittechnik (PLT) immer wichtiger. Die Richtlinienreihe VDI/VDE 2180 beschäftigt sich mit diesem Thema, wurde grundlegend überarbeitet und neu…

    mehr lesen: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

  • Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Nach dem Start von NTT Ltd. Anfang Juli hat der IT-Dienstleister Kai Grunwitz zum Chef des Deutschland-Geschäfts ernannt.

    mehr lesen: Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef