Drei Fragen für Fertiger: Steuergrößen für schnellere Entscheidungen

OEE-Übersicht mit Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate zur schnellen Einordnung von 
Verlusten und Priorisierung von Maßnahmen
OEE-Übersicht mit Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate zur schnellen Einordnung von Verlusten und Priorisierung von Maßnahmen – Bild: N+P Informationssysteme GmbH

Verfehlt eine Schicht ihr Ziel, ist das Problem selten der fehlende Zahlenstand. Oft liegen sogar mehrere Auswertungen vor, die unterschiedliche Erklärungen nahelegen. In der Werkhalle heißt es „zu viel Stillstand“, in der Planung „zu langsam gefahren“, und im Qualitätsbereich „zu viele Fehler“. Diese Diskussion entsteht, weil Ereignisse nicht einheitlich erfasst werden, Gründe unterschiedlich benannt sind oder Maschinensignale ohne Prozesskontext ausgewertet werden. Eine MES-Software schafft hier Ordnung, indem sie Rückmeldungen wie Start und Stopp, Mengen, Zeiten und Gründe als nachvollziehbare Ereignisse abbildet und damit Ausführung und Planung besser zusammenführt.

Steuerung gelingt, wenn drei Fragen täglich beantwortet werden können. Erstens muss klar sein, ob Zeit durch Unterbrechungen verloren ging oder sie produktiv genutzt wurde. Als zweiter Punkt zeigt sich, ob die Anlage im geplanten Tempo lief oder kleine Störungen und reduzierte Geschwindigkeit die Ausbringung gedrückt haben. Erkennbar sollte als Drittes sein, ob Gutteile entstanden sind oder Ausschuss und Nacharbeit den Output aufgezehrt haben. Diese Dreiteilung steckt hinter der OEE-Logik und ist weniger eine Rechenübung als eine praktische Sortierung von Verlusten, weil jede Kategorie andere Gegenmaßnahmen erfordert.

Für den Alltag reicht es, diese Logik mit zwei zusätzlichen Größen zu ergänzen, die in vielen Betrieben wiederkehrende Engpässe abbilden. Rüstanteile zeigen, wie viel Bearbeitungszeit im Umrüsten gebunden ist und ob Reihenfolgen, Losgrößen und Standards zur Realität passen. Ausschussquotenstellen dar, wo Wertschöpfung verloren geht, und sie werden besonders wirksam, wenn Fehlerarten nicht nur gesammelt, sondern pro Prozessschritt und Verantwortungsbereich ausgewertet werden. Wichtig ist, dass diese Größen nicht als ‚Ranking‘ missverstanden werden. Eine höhere Geschwindigkeit ist kein Fortschritt, wenn gleichzeitig die Fehlerquote steigt. Eine gute Laufzeit hilft wenig, wenn Rüstungen immer mehr Zeit beanspruchen. Steuerung entsteht erst durch das gemeinsame Lesen der Werte und eine klare Schlussfolgerung, welche Verlustart zuerst reduziert werden soll.

Pareto-Analyse der Zeitanteile je Status zur Priorisierung der größten Tempo- und 
Unterbrechungsverluste
Pareto-Analyse der Zeitanteile je Status zur Priorisierung der größten Tempo- und Unterbrechungsverluste – Bild: N+P Informationssysteme GmbH

Ursachen dort erfassen, wo sie entstehen

KPI-Initiativen scheitern oft nicht an der Formel, sondern an der Ursache. Stillstände werden zwar gesehen, aber die Gründe bleiben ungenau. Ausschuss wird gezählt, aber ohne saubere Zuordnung. Nacharbeit verschwindet in Sammelposten. In der Praxis ist deshalb entscheidend, wie die Erfassung im Schichtablauf funktioniert und wie niedrig die Hürde dafür ist. Ein erprobtes Muster ist die Trennung von ‚Eingabe in der Linie‘ und ‚Verdichtung für Führung‘. In der Linie braucht es eine Oberfläche, die Arbeitsgänge aus einer digitalen Arbeitsvorratsliste anbietet und Unterbrechungen mit vordefinierten Gründen erfassbar macht. Es benötigt außerdem eine klare Mengenerfassung, die Gutmenge, Ausschuss und Nacharbeit getrennt behandelt und Ausschussgründe strukturiert abfragt, statt Freitext zu sammeln. Damit Abweichungen nicht erst am Tagesende auffallen, hilft eine Anzeige, die Soll- und Ist-Zeiten sowie relevante Mengen im Blick behält und Maschinenzustände wie Rüsten, Produktion und Stillstand sauber führt.

Saubere Daten und Kontext wichtiger als Charts

Damit die beschriebenen Abläufe belastbar sind, muss der Datenfluss zur Maschine passen. Je nach Bestand kommen verschiedene Anbindungsarten vor, die kombiniert werden. Häufig sind direkte SPS-Anbindungen, OPC-UA, digitale und analoge Signale über ein IoT-Device sowie Dateischnittstellen relevant. Eine gute Umsetzung liefert nicht nur Mengenimpulse oder Störsignale, sondern kann auch Zustandswechsel auslösen, etwa für Produktion, Rüsten oder Störung, sodass der Status nicht manuell nachgeführt werden muss. In manchen Szenarien sind sogar Rückmeldungen an die Maschine sinnvoll, beispielsweise als Startfreigabe über ein IoT-Device oder durch Schreiben von Prozessparametern über eine SPS-Anbindung, wenn das Prozessdesign dies vorsieht. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Zusatzinformationen den Unterschied machen. Wer beispielsweise Energieverbrauch oder Temperatur nicht als isolierte Messwerte, sondern im Kontext eines Arbeitsgangs betrachten will, braucht die Möglichkeit, analoge Werte einzulesen und als Prozessparameter zu protokollieren. Wer Rückverfolgung benötigt, profitiert von Serien- und Chargenbezug sowie materialbezogenen Auswertungen, weil sich Abweichungen dann auf konkrete Lose und Verwendungen zurückführen lassen.

NUPIS Ansprechpartner Roman Wolf
Bild: N+P Informationssysteme GmbH

Fazit: Weniger KPIs, mehr Steuerung

Ein MES entfaltet seinen Nutzen nicht durch möglichst viele Auswertungen, sondern durch einen klaren Steuerungsprozess. Wenn Verluste sauber getrennt werden, Unterbrechungen und Mengen strukturiert erfasst sind und die Darstellung zur jeweiligen Rolle passt, verkürzt sich der Weg von der Abweichung zur Maßnahme deutlich. Verbindliche Definitionen, einheitliche Ursachenlisten und klare Verantwortlichkeiten reduzieren Diskussionen über Zahlen und machen Verbesserungen im Trend nachvollziehbar.



  • Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Mit der Übernahme des IoT-Spezialisten Bright Wolf, will der IT-Dienstleister Cognizant seine Expertise im Bereich Internet of Things erweitern.

    mehr lesen: Cognizant erweitert IoT-Portfolio

  • Schutz von Workstations

    Schutz von Workstations

    Stormshield erweitert seine Produktpalette mit Endpoint Security Evolution. Dabei handelt es sich um eine Lösung zum Schutz von Workstations, die speziell auf aktuelle Cybersicherheitsprobleme zugeschnitten ist.

    mehr lesen: Schutz von Workstations

  • Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Die Siemens-Netzwerkkomponenten der Scalance-SC-600-Familie zielen auf den Schutz von industriellen Netzwerken und Automatisierungssystemen durch die Segmentierung des Netzwerkes und sichere Kommunikationskanäle ab. Mit dem neuen Modell Scalance SC622-2C präsentiert der…

    mehr lesen: Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

  • Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    In vielen Ländern Europas scheint sich der Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Darauf deuten die Zahlen des Europäischen Arbeitsmarktbarometers hin, das nun erstmals veröffentlicht wurde.

    mehr lesen: Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

  • GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha haben angekündigt, zukünftig in den Bereichen Process Mining und Business Intelligence zusammenzuarbeiten. Kunden sollen so einen Mehrwert bei der digitalen Transformation erhalten.

    mehr lesen: GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

  • Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr als eine Milliarde Schadprogramme verzeichnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im aktuellen Lagebericht. Und auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die aktuelle Sicherheitslage aus.

    mehr lesen: Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

  • Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    CIOs setzen auf Automatisierung und KI, um wachsende Kluft zwischen begrenzten IT-Ressourcen und steigender Cloud-Komplexität zu überbrücken. Dies geht aus einer Studie von Dynatrace hervor.

    mehr lesen: Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

  • Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung gehen laut aktueller ZEW-Zahlen im Oktober zurück. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage hat sich jedoch erneut verbessert.

    mehr lesen: Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

  • Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Die MPDV hat seit Oktober drei neue Geschäftsführer. Nathalie Kletti, Thorsten Strebel und Jürgen Petzel stehen an der Spitze des Unternehmens.

    mehr lesen: Neues Trio an der MPDV-Spitze

  • Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Die Beschäftigtensituation im Maschinen- und Anlagenbau bleibt weiter angespannt. Im August ging die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vormonat um weitere 2.165 auf 1,025 Millionen zurück. Damit sind fast…

    mehr lesen: Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

  • Flexibel und sicher

    Flexibel und sicher

    Helmholz erweitert sein Portfolio an Industrieroutern. Die bewährten REX-Geräte sind ab sofort auch mit zusätzlicher WAN (Wide Area Network)-Schnittstelle und Fallback-Mechanismus erhältlich.

    mehr lesen: Flexibel und sicher

  • Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Die Fuji Europe Corparation hat Tower-Factory, einen Anbieter von Lagerlogistiksystemen, übernommen. Kunden von Fuji Europe sollen dadurch Lösungen erhalten, die den gesamten Materialfluss abdecken.

    mehr lesen: Tower Factory wird Teil von Fuji Europe