Phillip Nicolai von MKW zur Maschinenintegration heute

Nicolai 2
Bild: MKW GmbH Digital Automation

MKW ist Sondermaschinenbauer seit 1976. Welche Rolle spielt Software im Maschinenbau heute?

Phillip Nicolai: Wir bauen Sondermaschinen mit der Stückzahl 1 und jede Maschine führt relativ komplexe Aufgaben durch. Software ist bei uns der Garant, dass sich unsere vielfältigen Maschinen optimal betreiben lassen.

Aus dieser Notwendigkeit heraus, Softwarekomponenten zu entwickeln, ist Ihr IT-Portfolio MK|Ware entstanden. Was ist passiert?

Nicolai: Wir haben früh gemerkt, dass gängige HMI-Anwendungen am Markt nicht zu unseren Anforderungen passten. Also haben wir angefangen, eigene Software zu schreiben, etwa für die Maschinensteuerungen. Dabei haben wir direkt die anfallenden Steuerungsdaten erfasst und aus der Maschine geführt. Aus diesen Arbeiten sind schließlich unsere Software-Produkte entstanden.

Wann war das?

Nicolai: Vor 12 Jahren haben wir das Produkt auf den Markt gebracht. Damals haben wir bereits mit C# in der .Net-Welt auf Windows-Ebene agiert. Also in der Welt der Hochsprachen und nicht nur auf der Steuerungsebene. Der Vorteil unserer Erfahrungen aus der Windows-Welt war, über Bibliotheken direkt auf die Maschinensteuerung zugreifen zu können. Mit unserem Key-Feature konnten wir deutlich früher als etwa mit OPC UA Daten direkt aus den Maschinen ziehen. Doch dafür brauchten wir eben Softwareprodukte auf den verarbeitenden Systemen, die nachher in das Portfolio MK|Ware mündeten.

Wie sieht Ihr Digitalisierungsportfolio heute aus?

Nicolai: Wir sind im Shopfloor zu Hause, bilden also MES-Software nach der Richtlinie VDI 5600 komplett ab. Das heißt, unser Datenbankschema beruht auf der Datenvorgabe des VDI. Doch wir haben auch Erweiterungen, weil wir sehr maschinenlastig unterwegs sind. Mit MK|Connect können wir aber auch andere ME-Systeme bedienen. Wir erfassen die Daten im Shopfloor und geben sie zentral nach oben weiter, gepuffert und zeitunkritisch. Somit kann beispielsweise auch Cloud-Konnektivität mit SAP DMC hergestellt werden. Unsere Software ist als Dreh- und Angelpunkt zwischen Informationen auslegt, die von oben aus den ERP-Systemen in die Werke kommen und den Rückmeldungen im Werk wieder zurück.

Im Vergleich zum Sondermaschinenbau dürften Sie im IT-Markt auf quantitativ deutlich mehr Wettbewerber stoßen. Mit welcher Botschaft wollen Sie Ihre Interessenten überzeugen?

Nicolai: Unsere Botschaft ist, alles aus einer Hand liefern zu können. Wenn ich etwa Daten aus einer Maschine haben will, ist darin Sensorik und Aktorik verbaut – also Lichtschranken, Schalter oder auch Motoren und Zylinder. Wenn diese Daten nicht sauber aus der Maschine kommen, können wir mit unserer Manpower unterstützen. Wir finden für unsere Kunden heraus, warum das Signal digital bei OPC UA oder anderen Schnittstellen nicht ankommt. Das ist natürlich nur der Anfang. Die Maschinen im Shopfloor sollen ja quasi galvanisch getrennt von den anderen Unternehmenssystemen arbeiten. Sie müssen die Daten irgendwie aus dem Werk leiten und die Maschine trotzdem in Bezug auf ihre Cybersecurity schützen, das noch möglichst ohne Kennwörter und Passwörter. Sie müssen also segmentieren. Natürlich herrschen in der Fabrikhalle ganz andere Bedingungen für Netzwerkumgebungen, als in einem Bürotrakt. Aus unseren 52 Jahren Erfahrungen im Shop-floor wissen wir, was beim Verlegen eines Netzwerkes zu beherzigen ist. Das ist bei der reinen IT-Dienstleistung nicht immer der Fall.

Also alles rund um die Infrastruktur in der Fabrik?

Nicolai: Nein, wir gehen noch weiter. Wir realisieren Cloud-Anbindungen, übernehmen die Standortvernetzungen sowie Auswahl, das Sizing und den Service der Hardware, inklusive Server-Technologie. Wenn mehrere Dienstleister im Boot sind, wird im Fall eines Fehlers häufig mit dem Finger auf den nächsten gezeigt. Mit uns haben Kunden nur einen Ansprechpartner, wenn irgendwas nicht läuft und der dafür geradesteht.

Seiten: 1 2 3



  • Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Das Internet der Dinge ist für viele Unternehmen in Deutschland sowohl eine Chance als auch ein Risiko, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag von Palo Alto Networks.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

  • Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Die Gründungsmitglieder der Gaia-X-Initiative haben die Gründungsurkunden zur Gaia-X AISBL unterzeichnet. Interessierte Unternehmen und Initiativen sind aufgerufen, sich an der gemeinnützigen Vereinigung zu beteiligen.

    mehr lesen: Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

  • TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    Der TÜV-Verband fordert in einem Positionspapier KI-gestützte Anwendungen und Systeme — etwa automatisierte Fahrzeuge oder Roboter — in Abhängigkeit vom Risiko zu regulieren.

    mehr lesen: TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

  • Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Die Nutzung von Containertechnologien steigt, was aber gilt es bei der Auswahl zu beachten? Der Software-Entwickler Red Hat gibt Antworten darauf.

    mehr lesen: Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

  • Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Wenn Unternehmen Digitalisierungsprojekte angehen, tun sie dies oft mit einem externen Partner. Die Frage ist nur mit welchem? IFS hat in einer Studie ermittelt, welche Faktoren bei der Auswahl eine…

    mehr lesen: Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

  • Software-as-a-Service für die Fertigung

    Software-as-a-Service für die Fertigung

    Die Komplexität des Maschinenparks erschwert es oft, geeignete Parameter für den optimalen Betrieb zu definieren. Hier kommt das Startup FactoryPal ins Spiel, das mit seiner KI-basierten Lösung Abhilfe schaffen will.

    mehr lesen: Software-as-a-Service für die Fertigung

  • Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist neuer Head of Business Development bei Prime Computer für Deutschland und Österreich.

    mehr lesen: Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

  • Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Bitkom-Studie Nachhaltige Industrie durch neue Technologien Deutsche Unternehmen gehen davon aus, dass Industrie 4.0-Technologien zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen können. Viele Unternehmen haben sich bereits eine Selbstverpflichtung zu Senkung…

    mehr lesen: Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

  • Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Die Deutsche Wirtschaft erholt sich langsam. Bis das Vorkrisenniveau erreicht wird, könnte es laut Bundeswirtschaftsministerium noch bis 2022 dauern.

    mehr lesen: Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

  • Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Der Maschinen- und Anlagenbau kämpft gegen die Folgen der globalen Corona-Pandemie, aber auch gegen einen nach wie vor belastenden Protektionismus im internationalen Handel. Hinzu kommt ein industrieller Wandel, der sich…

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

  • Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Das Fraunhofer IFF baut eine neue Forschungsfabrik im Magdeburger Wissenschaftshafen. Diese soll im Herbst 2021 fertig sein und neue Forschungsschwerpunkte beheimaten.

    mehr lesen: Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

  • KIT forscht an 6G-Technologien

    KIT forscht an 6G-Technologien

    Ein am KIT in Karlsruhe entwickeltes Konzept soll hohe Datenübertragungsraten bei niedrigen Kosten ermöglichen — für die sechste Generation des Mobilfunks. Dabei haben die Forscher die bislang höchste Datenrate in…

    mehr lesen: KIT forscht an 6G-Technologien