Lean Manufacturing – Revival einer erprobten Methodik

image 25
Bild: Operations1

Fertigungsunternehmen sehen sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Nicht zuletzt haben gestiegene Energiepreise die Betriebskosten in die Höhe schnellen und so manche Digitalisierungsbestrebung stagnieren lassen. Der Fachkräftemangel, eine steigende Nachfrage nach höherer Produktvielfalt sowie verkürzte Produktlebenszyklen kommen hinzu. Die Methoden und Instrumente des Lean Managements sind Jahrzehnte nach ihrer ersten Beschreibung daher so wichtig wie nie, wie 90 Prozent der befragten Unternehmen einer 2023 von der Unternehmensberatung Staufen durchgeführten Studie angeben. Gerade für Fertigungsunternehmen kann es interessant sein, sich dem Teilbereich Lean Production zuzuwenden.

Was ist Lean Production?

Lean Production ist Teil der Lean-Management-Philosophie. Beide Methoden verfolgen das übergeordnete Ziel, nicht wertschöpfende Tätigkeiten einzudämmen und Prozesse kontinuierlich zu optimieren, also zu verschlanken. Lean Production konzentriert sich auf die Reduzierung von Verschwendung, etwa überschüssiger Produktion, bei gleichzeitiger Maximierung der Produktivität in Fertigungsunternehmen. Im Kern soll die Methode produzierenden Unternehmen dabei helfen, Durchlaufzeiten und Produktionsprozesse zu optimieren, um damit schneller auf volatile Marktentwicklungen reagieren zu können.

Die fünf Prinzipien der Lean Production

Im 21. Jahrhundert hilft vor allem Software beim Einhalten der Prinzipien der Lean Production. MES-, ERP- und Warenwirtschaftssysteme unterstützen etwa bei der Ressourcenplanung von Wertströmen, Kapital, Betriebsmitteln und Material, und CRM-Systeme den Vertrieb bei der Identifikation von Kundenmehrwert. Unternehmen, die eine schlanke, agile Produktion anstreben, sollten stets nach den fünf Grundprinzipen der Lean Production handeln:

Kundenmehrwert in den Mittelpunkt stellen – Die Fokussierung auf den Kundenmehrwert, beispielsweise in Sachen Produktqualität oder Preis, führt automatisch zur Eliminierung nicht wertschöpfender Tätigkeiten.

Wertstrom identifizieren – Der Wertstrom bezeichnet alle Arbeitsschritte, die zur Erstellung eines Produkts durchgeführt werden. Diese müssen zunächst einzeln auf nicht wertschöpfende Aktivitäten untersucht werden, um anschließend vermeidbare Tätigkeiten zu eliminieren. Dabei hilft u.a. das Instrument der sieben Muda. Muda (japanisch: Verschwendung) beschreibt Aktivitäten, die Ressourcen verbrauchen und Kosten verursachen, aber keinen echten Mehrwert erzeugen. Diese Verschwendung kann in den sieben Teilbereichen Transport, Inventar, Bewegung, Wartezeit, Überproduktion, Überbearbeitung und Defekte auftreten.

Produktionsverzögerungen durch Flow-Prinzip vermeiden – Das Flow-Prinzip zielt darauf ab, während des Produktionsprozesses eine unterbrechungsfreie Wertschöpfungskette zu schaffen. Alle Räder im Wertstrom-Uhrwerk müssen ineinandergreifen, damit keine Produktionsverzögerungen oder Ausfallzeiten entstehen.

Pull-Prinzip: Produktion nach Bedarf – Bei der schlanken Produktion wird der traditionelle Fertigungsansatz, Produkte auf der Grundlage von Prognosen herzustellen, durch einen Pull-Ansatz ersetzt. Dieser besagt, dass nichts ohne Kundenbestellung auf Lager hergestellt wird. Das erfordert von Fertigungsunternehmen allerdings hohe Flexibilität und gut funktionierende, kurze Lieferzyklen.

Abläufe mit dem Perfection-Prinzip kontinuierlich verbessern – Lean Production ist kein erreichbarer finaler Zustand. Das Perfection-Prinzip besagt, dass immer etwas verbessert werden kann und muss. Das Instrument, dass diesem Prinzip zugrunde liegt, nennt sich ‚Kaizen‘. Der Begriff setzt sich aus den japanischen Wörtern ‚Kai‘ für Veränderung oder Wandel und Zen für ‚zum Besseren‘ zusammen. Im deutschsprachigen Raum wird das Prinzip auch schlicht Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) gennant.

308173 6 Instruction Operations1
Mobile Rechner im Werk unterstützen Augmented Reality-Anwendungen. – Bild: Operations1

Optimierungspotential heben

Damit die Methoden der Lean Production möglichst effektiv in den Produktionsalltag von mittelständischen Unternehmen integriert werden können, muss eine digitale Grundlage geschaffen werden. Gerade auf dem Shopfloor haben Fertigungsunternehmen oft Nachholbedarf, was die Digitalisierung angeht. Fertigungsaufträge, Arbeitsanweisungen oder Prüf- und Montageanleitungen werden trotz vorhandener IT-Systemlandschaft häufig noch papierbasiert an die operativen Mitarbeitenden übergeben. Die Grundprinzipien der Lean Production können so nicht optimal verfolgt werden. Überholte oder missverständliche Anweisungen führen oft zu Fehlern, die Produktivität leidet und das Flow-Prinzip wird unterbrochen. Das hat unmittelbaren Einfluss auf die anderen Prinzipien: Dysfunktionale Wertströme, Ausschussproduktion, Nacharbeit und Kundenreklamationen sind die Folge.

Connected-Worker-Plattformen können Fertigungsmitarbeiter hier unterstützen, sodass Informationen korrekter Form und zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. Produktspezifische Daten werden direkt aus den unternehmenseigenen Systemen wie etwa dem MES oder ERP gezogen und strukturiert und variantenspezifisch zur Verfügung gestellt. Aus der daraus entstehenden Transparenz können Unternehmen KVP-Maßnahmen ableiten.

Die Grundprinzipien der Lean Production werden durch die IT-Infrastruktur im Unternehmen unterstützt. Insbesondere das Flow-Prinzip, das auf eine unterbrechungsfreie Wertschöpfungskette abzielt, kann so optimiert und eingehalten werden. Connected-Worker-Plattformen können Produktionsunternehmen bei weiteren Optimierungen im Sinne der Lean Production helfen.

Autorin:

Anna-Karina Dawkins ist im Strategischen Marketing bei Operations1.



  • Lagebericht der IT-Sicherheit

    Lagebericht der IT-Sicherheit

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Mitte Oktober seinen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2020 veröffentlicht. Dazu erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung: „Zu Beginn…

    mehr lesen: Lagebericht der IT-Sicherheit

  • Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Mit der Übernahme des IoT-Spezialisten Bright Wolf, will der IT-Dienstleister Cognizant seine Expertise im Bereich Internet of Things erweitern.

    mehr lesen: Cognizant erweitert IoT-Portfolio

  • Schutz von Workstations

    Schutz von Workstations

    Stormshield erweitert seine Produktpalette mit Endpoint Security Evolution. Dabei handelt es sich um eine Lösung zum Schutz von Workstations, die speziell auf aktuelle Cybersicherheitsprobleme zugeschnitten ist.

    mehr lesen: Schutz von Workstations

  • Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Die Siemens-Netzwerkkomponenten der Scalance-SC-600-Familie zielen auf den Schutz von industriellen Netzwerken und Automatisierungssystemen durch die Segmentierung des Netzwerkes und sichere Kommunikationskanäle ab. Mit dem neuen Modell Scalance SC622-2C präsentiert der…

    mehr lesen: Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

  • Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    In vielen Ländern Europas scheint sich der Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Darauf deuten die Zahlen des Europäischen Arbeitsmarktbarometers hin, das nun erstmals veröffentlicht wurde.

    mehr lesen: Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

  • GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha haben angekündigt, zukünftig in den Bereichen Process Mining und Business Intelligence zusammenzuarbeiten. Kunden sollen so einen Mehrwert bei der digitalen Transformation erhalten.

    mehr lesen: GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

  • Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr als eine Milliarde Schadprogramme verzeichnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im aktuellen Lagebericht. Und auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die aktuelle Sicherheitslage aus.

    mehr lesen: Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

  • Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    CIOs setzen auf Automatisierung und KI, um wachsende Kluft zwischen begrenzten IT-Ressourcen und steigender Cloud-Komplexität zu überbrücken. Dies geht aus einer Studie von Dynatrace hervor.

    mehr lesen: Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

  • Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung gehen laut aktueller ZEW-Zahlen im Oktober zurück. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage hat sich jedoch erneut verbessert.

    mehr lesen: Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

  • Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Die MPDV hat seit Oktober drei neue Geschäftsführer. Nathalie Kletti, Thorsten Strebel und Jürgen Petzel stehen an der Spitze des Unternehmens.

    mehr lesen: Neues Trio an der MPDV-Spitze

  • Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Die Beschäftigtensituation im Maschinen- und Anlagenbau bleibt weiter angespannt. Im August ging die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vormonat um weitere 2.165 auf 1,025 Millionen zurück. Damit sind fast…

    mehr lesen: Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

  • Flexibel und sicher

    Flexibel und sicher

    Helmholz erweitert sein Portfolio an Industrieroutern. Die bewährten REX-Geräte sind ab sofort auch mit zusätzlicher WAN (Wide Area Network)-Schnittstelle und Fallback-Mechanismus erhältlich.

    mehr lesen: Flexibel und sicher