Pumpenhersteller KSB digitalisiert die Qualitätssicherung

307628 Digitale Mangelerfassung mit Fabaso 20240305114938
Bild: ©Westend61/gettyimages.de

CAQ-Systeme (Computer-Aided Quality) sollen eine werksübergreifende Verbindung von qualitätsrelevanten Daten schaffen und verschiedene ERP-Informationen wie technische Dokumente oder vertragliche Vereinbarungen konsolidieren. Die Integration von internen und externen Partnern (gemäß ihren jeweiligen Zugriffsberechtigungen) in unternehmensübergreifende Qualitätsmanagementprozesse bietet weitere Effekte. Für international aufgestellte Unternehmen kann sich eine CAQ-Software in der Hinsicht lohnen, dass sich Abläufe durch die Aggregation und Konsolidation der Daten über verschiedene Standorte hinweg standardisieren lassen. Die Anpassung von digitalen Workflows ist entscheidend, besonders für Unternehmen, die Sonderfertigungen herstellen. Hier ist Flexibilität essenziell, da kein Industriebetrieb dem anderen gleicht.

Aus der Praxis

Welche Effekte ein CAQ-System für qualitätsrelevante Prozesse in der Praxis haben kann, zeigt sich am Beispiel der KSB. Das Unternehmen stellt Pumpen und Armaturen her und hat vor einigen Jahren den Weg zur Smart Factory begonnen. Zunächst wurden mehrere Use Cases im Pilotwerk in Pegnitz definiert.

Die größte Herausforderung hinsichtlich Digitalisierung der Qualitätssicherung lag darin, die bis dato händisch durchgeführten Prozesse umzustrukturieren. Im Zuge von Eingangsprüfungen wurden die Zulieferungen mithilfe von manuell erstellten Prüf- sowie Qualitätskontrollplänen (QCPs/Quality Control Plans) in Microsoft Excel dokumentiert. Dieses System verursachte erheblichen Aufwand: Es existierte für jeden Auftrag ein Sammeldokument, in dem alle erforderlichen, qualitätsrelevanten Anforderungen der Bauteile aufgelistet waren. Diese Dokumente wurden via E-Mail an die Lieferanten übermittelt, die sich aus dem gesamten Prüfplan alle ihre Bauteile betreffenden Anforderungen heraussuchten, diese bearbeiteten und dann wiederum per E-Mail an KSB zurücksandten. Die Mitarbeitenden mussten dann die Prüfungsbestätigungen, Protokolle und Zeugnisse prüfen und final im ERP-System ablegen. Um dieses Zertifikatschaos übersichtlich zu gestalten, entschied sich der Pumpenhersteller dazu, auch das Daten- und Dokumentenmanagement zu digitalisieren.

Der Pumpenhersteller nutzt nun eine cloudbasierte Software, die den Koordinationsaufwand hinsichtlich der Qualitätssicherung reduziert: Automatisch erstellte QCPs filtern auftragsbezogene Prüfdaten und übermitteln diese über die Software an die jeweiligen Lieferanten.

Relevante Normen und Standards sind nun im CAQ-System an einem Ort hinterlegt. Die QCP-Ersteller greifen direkt auf diese Listen zu, womit sichergestellt ist, dass zu jeder Zeit die aktuellsten Normen in Verwendung sind. Wird eine Norm geändert, ersetzt die Software diese automatisiert an allen darauf verweisenden Stellen.

Durch die digitalen Prozesse können nun Sublieferanten und KSB-Mitarbeitende Umfang und Art von Prüfungen entsprechend kommunizieren, sowie die Auftraggeber adäquat über gesetzte Maßnahmen informieren, die zur Erfüllung der technischen Anforderungen nötig sind. Somit wird eine qualitätsgerechte Fertigung gesichert.

Das CAQ-System fügt sich auch durch eine bidirektionale Schnittelle zu SAP nahtlos in die bestehende Systemarchitektur ein, wodurch vorhandene Prozesse einfach weitergeführt und relevante Dokumente ohne Datenverlust transferiert werden können.

Das System erstellt 
1.200 QCPs pro Jahr .
Das System erstellt 1.200 QCPs pro Jahr . – Bild: ©Westend61/gettyimages.de

1.200 QCPs pro Jahr

Die Erstellung von 1.200 QCPs pro Jahr ist nun mit wenigen Mausklicks möglich. Jährlich wurden außerdem ca. 8.500 Testzertifikate manuell geprüft und im ERP-System angelegt. Jetzt erfolgt dieser Vorgang weitestgehend automatisiert in der gemeinsamen Datenumgebung. Für Versionssicherheit und Nachvollziehbarkeit ist gesorgt, da Änderungen immer mitprotokolliert werden.

Transparenz für Lieferanten

Auch die Lieferanten profitieren: Für sie ist nun ersichtlich, welche Prüfungen sie an ihrem Lieferumfang durchführen bzw. welche Unterlagen sie übermitteln müssen. Dies vermeidet Zeitverzögerungen. Korrekturschleifen bei mangelhaften Prüfergebnissen lassen sich ebenfalls im System abwickeln.

307628 Qualitatsmanagement in der Smart Fa 20240305114947
Lieferanten können nun klar erkennen, welche Prüfungen sie für ihren Lieferumfang durchführen und welche Unterlagen sie übermitteln müssen. – Bild: ©Gorodenkoff Productions OU/gettyImages.de

Fehlerquellen reduzieren

In den vergangenen Jahren haben sich die gesetzlichen Anforderungen an die technische Dokumentation verschärft. Die Implementierung eines digitalen Qualitätsmanagementsystems beseitigt Medienbrüche und reduziert potenzielle Fehlerquellen. Die Einbindung der Zulieferer in ein gemeinsames System trägt darüber hinaus dazu bei, die Qualität entlang der gesamten Lieferkette zu verbessern. KSB plant bereits den weltweiten Roll-out des Systems.



  • KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

    KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

    Homeoffice, flexible Arbeitsplätze und -orte sowie Videokonferenzen – in den letzten Jahren hat die Veränderung der Arbeitswelt ordentlich an Fahrt aufgenommen.

    mehr lesen: KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

  • Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

    Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

    Der Satz „Eine hundertprozentige IT-Sicherheit gibt es nicht“ ist vielen bekannt. Doch die Frage ist: Was folgt daraus? Das erklärt Christian Koch (Bild), Senior Vice President Cybersecurity, Innovations & Business…

    mehr lesen: Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

  • ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips

    ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips

    Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, fordert die EU-Kommission und die kommende Bundesregierung zum Handeln auf und kommentiert die heute bekanntgewordenen Exportbeschränkungen der US-Regierung auf KI-Chips wie folgt:“Die heute verkündeten Exportbeschränkungen…

    mehr lesen: ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips

  • Stellenwert von Software im Maschinenbau steigt

    Stellenwert von Software im Maschinenbau steigt

    Besonders die Bedeutung der Softwareentwicklung für die eigenen Produkte oder kundenindividuellen Lösungen steigt in den kommenden fünf Jahren nochmals stark an.

    mehr lesen: Stellenwert von Software im Maschinenbau steigt

  • Fabrizio Scovenna wird OEM-Vertriebsleiter für EMEA-Region

    Fabrizio Scovenna wird OEM-Vertriebsleiter für EMEA-Region

    Rockwell Automation gibt die Ernennung von Fabrizio Scovenna (Bild) zum Vertriebsleiter, OEMs, für Europa, den Nahen Osten und Afrika bekannt.

    mehr lesen: Fabrizio Scovenna wird OEM-Vertriebsleiter für EMEA-Region

  • Auf den Spuren eines rückläufigen Industrie 4.0-Fortschritts

    Auf den Spuren eines rückläufigen Industrie 4.0-Fortschritts

    Wie entwickelte sich die Industrie 4.0 (I4.0) am Produktionsstandort Deutschland in den vergangenen Jahren?

    mehr lesen: Auf den Spuren eines rückläufigen Industrie 4.0-Fortschritts

  • Bitkom-Prognose: ITK-Markt wächst 2025 auf 232,8 Milliarden Euro

    Bitkom-Prognose: ITK-Markt wächst 2025 auf 232,8 Milliarden Euro

    Trotz eines aktuell schwierigen konjunkturellen Umfelds erwartet der Digitalverband Bitkom im deutschen Markt für IT und Telekommunikation (ITK) 2025 ein Umsatzplus.

    mehr lesen: Bitkom-Prognose: ITK-Markt wächst 2025 auf 232,8 Milliarden Euro

  • Handlungsempfehlungen für eine souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur

    Handlungsempfehlungen für eine souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur

    Eine von Acatech koordinierte Taskforce aus Unternehmen und Wissenschaft legt in einem Positionspapier konkrete Handlungsempfehlungen vor, wie Deutschland ein, wie es heißt, „umfassendes, leistungsfähiges und auf europäischen Werten basierendes Angebot…

    mehr lesen: Handlungsempfehlungen für eine souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur

  • Verbundvorhaben QR.N forscht an  Quantenrepeatern

    Verbundvorhaben QR.N forscht an Quantenrepeatern

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter auch Christoph Becher, Professor für Quantenoptik an der Universität des Saarlandes, und sein Kollege Jürgen Eschner, Professor für Quanten-Photonik forschen Quantenrepeatern.

    mehr lesen: Verbundvorhaben QR.N forscht an Quantenrepeatern

  • MPDV erweitert Geschäftsbereich um Beratungssparte

    MPDV erweitert Geschäftsbereich um Beratungssparte

    MPDV, ein Spezialist für Fertigungs-IT ergänzt sein Portfolio durch Beratungsdienstleistungen für das C-Level und Führungskräfte.

    mehr lesen: MPDV erweitert Geschäftsbereich um Beratungssparte

  • Trüber Herbst im Maschinen- und Anlagenbau

    Trüber Herbst im Maschinen- und Anlagenbau

    Einen kleinen Lichtblick meldet der VDMA bei den Bestellungen aus den Euro-Ländern. Insgesamt kommt die Auftragslage im deutschen Maschinen- und Anlagenbau aber nicht in Schwung.

    mehr lesen: Trüber Herbst im Maschinen- und Anlagenbau

  • Copa-Data eröffnet Büro in Tokio

    Copa-Data eröffnet Büro in Tokio

    Copa-Data hat eine Niederlassung in Japan gegründet. Mit dem Fokus auf Kundennähe und lokale Partnerschaften soll das neue Büro in Tokio den lokalen Support stärken und die industrielle Digitalisierung und…

    mehr lesen: Copa-Data eröffnet Büro in Tokio