Die Kosten von Sprachbarrieren in der Fertigungsindustrie

V2 Arche desktop 1800x1000 1
Bild: DeepL SE

Selbst bei einer gemeinsamen Arbeitssprache bleibt Kommunikation im Industriealltag oft eine Herausforderung. Erstrecken sich Lieferketten jedoch über mehrere Länder und Sprachen, wächst die Fehleranfälligkeit erheblich. Deutsche Unternehmen investieren im Schnitt knapp 95 Milliarden Euro pro Jahr im Ausland, und die Märkte werden nicht kleiner: Mit dem EU-Indien-Freihandelsabkommen entsteht gerade eine Freihandelszone, die Zölle auf Maschinen, Chemikalien, Autoteile und industrielle Vorleistungen weitgehend abschafft. Die Kommunikation über Sprachen hinweg zahlt somit auf den globalen Erfolg eines Unternehmens ein.

Fehler und Missverständnisse

Eine Untersuchung von DeepL zielte auf die Sprachbarrieren im Fertigungssektor ab: 39 Prozent der Hersteller berichten, dass sie interne Prozesse verlangsamen, 30 Prozent sehen ein erhöhtes Risiko für kostspielige Fehler und 25 % Prozent haben bereits Missverständnisse in der Kundenkommunikation erlebt. Diese Risiken gehen weit über Effizienzfragen hinaus. In Produktionsumgebungen birgt ungenaue Kommunikation ein Sicherheitsrisiko. Die Fehlinterpretation von Sicherheitsanweisungen oder Betriebsverfahren kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Ungenauigkeiten in technischen Dokumentationen, mehrdeutige Formulierungen zu Belastungsgrenzen oder Systemprüfungen stellen kritische Schwachstellen dar, wenn sie nicht rechtzeitig identifiziert werden. Besonders betroffen sind Automobil- und Maschinenbau: In der Automobilindustrie berichten 60 Prozent der Hersteller von signifikanten Problemen durch Sprachbarrieren; im Maschinenbau betrachten 58 Prozent diese als ernsthaftes Geschäftsrisiko. Gleichzeitig bewertet nicht einmal die Hälfte der Führungskräfte (49 Prozent) ihre aktuellen Übersetzungsprozesse als effizient.

V1 Grand angle 300x600 1
Bild: DeepL SE

Wenn KI Fachsprache spricht

Sprache in der Fertigung ist keine bloße administrative Hilfsfunktion, sondern ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Betriebs. Viele traditionelle Übersetzungsabläufe sind zu langsam und fehleranfällig für die Anforderungen einer vernetzten Industrie. In globalen Wertschöpfungsketten ist Sprache zu geschäftskritisch, um sie als reine Verwaltungsaufgabe zu behandeln. In diesem Szenario kann KI als Enabler fungieren, um die Kommunikation in der Fertigung zu unterstützen. Dennoch herrscht bei der Implementierung entsprechender Anwendungen oft noch Zurückhaltung. Die Umfrage zeigt, dass KI von vielen Unternehmen als komplex und ressourcenintensiv wahrgenommen wird, was die Integration in bestehende Produktionsumgebungen erschwert. Sicherheit zählt zu den primären Anliegen von Fertigungsunternehmen. Der Umgang mit sensiblen Daten und vertraulichen Dokumenten macht die Sorge vor Datenlecks nachvollziehbar. Auch die fachliche Genauigkeit ist essentiell, da die Fertigung auf spezieller Terminologie basiert, bei der viele Tools an Grenzen stoßen und Prozesse unnötig bremsen. Zudem stellen Dokumentation und Compliance Hürden dar: In jedem Zielmarkt müssen übersetzte Dokumente strenge regulatorische Anforderungen erfüllen – für 37 Prozent der Hersteller ein entscheidender Faktor bei der KI-Adaption.

Reife existierender Anwendungen

Diese Anforderungen lassen sich heute technologisch lösen: KI-Sprachtechnologie kann Genauigkeit und Konsistenz durch standardisierte Terminologie sicherstellen und Updates simultan in verschiedenen Sprachen ausliefern. Dies reduziert sowohl Compliance-Risiken als auch den Verwaltungsaufwand signifikant.

Interne Prozesse unterstützen

Das Potenzial von KI-Sprachtechnologie reicht weit über Textübersetzung hinaus. Ein Schlüsselbereich ist die interne Kommunikation: 44 Prozent der Hersteller stufen reibungslose interne Kommunikationsprozesse als äußerst wichtig ein. In globalen Organisationen müssen Teams in Werken, Hauptsitzen und Logistikzentren auf derselben Informationsbasis agieren. KI-Sprachanwendungen können hier als einheitliche Schicht dienen, die zum standortübergreifenden Verständnis beiträgt, ohne Workflows zu unterbrechen. Auch bei der globalen Expansion ist Sprache ein strategischer Hebel. Der Markteintritt erfordert präzise Produktdokumentationen, Kundensupport und regulatorische Unterlagen in der jeweiligen Landessprache. Durch die beschleunigte Lokalisierung unterstützt KI-Sprachtechnologie die Markteinführungszeit. Schließlich kann die Forschung und Entwicklung von der grenzüberschreitenden Kollaboration profitieren. Wenn Ingenieurteams und Partner effizient Wissen austauschen können, sinkt das Risiko für kostspielige Missverständnisse in Innovationszyklen. In einer globalen Produktionslandschaft kann das Senken von Kommunikationsbarrieren ein entscheidender Wettbewerbsvorteil darstellen.





  • Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Die beiden Unternehmen Innovation.rocks und Augmentaio wollen fusionieren und zukünftig gemeinsam als AR-Spezialist Svarmony am Markt auftreten.

    mehr lesen: Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

  • 5G-Ortungslösung für die Industrie

    5G-Ortungslösung für die Industrie

    Im Rahmen einer Partnerschaft haben die Telekom und Trumpf eine Ortungslösung entwickelt, die in einem 5G-Campusnetz betrieben werden kann. Durch den Omlox-Standard lassen sich unterschiedliche Endgeräte miteinander kombinieren.

    mehr lesen: 5G-Ortungslösung für die Industrie

  • Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Die Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt, aber auch zu einem zunehmendem Software-Entwicklungsstau geführt, so eine Studie von Mendix. Ein Low-Code-Ansatz kann helfen den damit einhergehenden Problemen zu begegnen.

    mehr lesen: Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

  • Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Seit 2006 ist Ralf W. Dieter Vorstandsvorsitzender der Dürr AG. Zum Jahresende wird er sein Amt zur Verfügung stellen. Seine Nachfolge tritt Jochen Weyrauch an.

    mehr lesen: Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

  • Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Im November findet die 3D-Druck-Messe Formnext in Frankfurt statt. Wie der Veranstalter nun bekanntgegeben hat, kommt dabei die 2G-Regel zum tragen.

    mehr lesen: Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

  • Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Die Engpässe bei Vorprodukten wirken sich derzeit quasi auf alle Teile der Industrie aus. Besonders davon betroffen ist allerdings die Automobilindustrie, was sich auch in aktuellen Zahlen des Ifo Instituts…

    mehr lesen: Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

  • Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Laut einer ZVEI-Umfrage fühlen sich die Unternehmen der Elektronikbranche eingeschränkt, wenn es um die Nutzung von Daten geht, auch aufgrund von Rechtsunsicherheiten bezüglich der DSGVO.

    mehr lesen: Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

  • Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Nach einer Analyse des Technologie-Dienstleisters NTT haben Ransomware-Attacken ein neues Rekordniveau erreicht: Bis zum Jahresende müssen sich Unternehmen alle elf Sekunden auf einen Angriff mit Erpresser-Schadsoftware einstellen. Dabei nutzen Cyberkriminelle…

    mehr lesen: Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

  • Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    In Deutschland nutzen die Menschen laut einer G Data-Erhebung zu selten sichere Passwörter, Antiviren-Programme oder Zwei-Faktor-Authentifizierung. Damit steigt das Risiko im beruflichen und auch im privaten Bereich.

    mehr lesen: Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

  • Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    In dieser Woche erfolgte der Spatenstich für den Neubau des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung. Das Investitionsvolumen beträgt rund 37Mio.€.

    mehr lesen: Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

  • Peter Schneck wird Cenit-CEO

    Peter Schneck wird Cenit-CEO

    Peter Schneck wird Mitglied des Vorstands bei der Cenit AG und übernimmt zum 1. Januar 2022 die Position des CEO. Er folgt auf Kurt Bengel der das Unternehmen plangemäß zum…

    mehr lesen: Peter Schneck wird Cenit-CEO

  • Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Der McKinsey ‘Quantum Technology Monitor’ zeigt eine Zunahme der globalen Markt – und Technologieentwicklungen von Quantentechnologien. Dabei sind die angekündigten Investitionen im laufenden Jahr dreimal so hoch wie in 2020.

    mehr lesen: Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien