KI in Fahrerassistenzsystemen: Damit die Fahrer nicht mehr abschalten

Softwaregesteuerte ADAS-Systeme sollen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen - was bei 600.000 Verkehrstoten weltweit pro Jahr aber immer noch steigerungsfähig ist.
Softwaregesteuerte ADAS-Systeme sollen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen – was bei 600.000 Verkehrstoten weltweit pro Jahr aber immer noch steigerungsfähig ist. -Magna International (Germany) GmbH

Künstliche Intelligenz (KI) spielt nicht nur in durch zahlreichen Tools wie den digitalen Assistenten Google, Amazon und Co. eine Rolle, sondern auch in der der Entwicklung moderner Fahrerassistenzsysteme. Das Unternehmen Magna integriert Sicherheitsfeatures in Fahrerassistenzsystemen von Fahrzeugen aller Preisklasse. Das betrifft auch den Einsatz von KI-Tools sowohl in der Entwicklung und in naher Zukunft in den Fahrerassistenzsystemen (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) selbst. Fahrerassistenzsysteme mit Funktionen wie automatischer Notbremsung, Objekterkennung im toten Winkel und Spurhaltewarnsysteme haben für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer Vorteile und unterstützen die Sicherheit im Straßenverkehr.

KI für Performance und Zuverlässigkeit

Welche Möglichkeiten KI darüber hinaus noch bietet beschreibt Steven Jenkins, Vice-President, Technology Strategy, Magna Electronics: „Der Anteil an Softwarefunktionen in heutigen Fahrzeugen nimmt kontinuierlich zu. Mehr Features für Komfort und Sicherheit führen zu steigender Komplexität, Entwicklungskosten und Validierungsaufwand. Gleichzeitig sorgt die Kombination von Sensoren am Fahrzeug und im Innenraum zusammen mit der steigenden Vernetzung und V2X-Kommunikation (Vehicle-to-everything) auch für riesige Datenmengen. KI kann dabei unterstützen, die Performance und Zuverlässigkeit von Funktionen zu verbessern, indem sie mehr Informationen aus den bereits vorhandenen Daten herausholt.“

ADAS-Entwicklung mit synthetischen Daten

Ein weiterer Anwendungsfall ist die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit von ADAS-Funktionen für die Fahrer. Denn oft werden diese Systeme noch abgeschaltet: „KI kann dabei unterstützen, die Akzeptanz zu erhöhen, indem sie das System an den Kontext und die persönlichen Vorlieben des Fahrers anpasst“, sagt Jenkins. Mit den immer komplexeren Systemen wächst aber der Datenbedarf für die Entwicklung von ADAS-Systemen. Eine Möglichkeit dies effizient zu gestalten ist, synthetische Daten im frühen Entwicklungsstadium zu verwenden. „Magna nutzt bereits KI-Tools zur Unterstützung der ADAS-Entwicklung. Mit KI können synthetische Daten generiert werden, die bei der Objekterfassung, der Sensordatenfusion und während des Entscheidungsprozesses von ADAS-Funktionen eingesetzt werden können“, erläutert er.

KI im kompletten Lebenszyklus

Während des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs wird KI bereits von der Design- und Entwicklungsphase über die Erprobung und Produktion bis hin zum After-Sales oder Marketing eingesetzt. Wichtige Informationsquellen sind die Daten, die von den vielen Fahrzeug- und Infrastruktursensoren gesendet werden, entweder aus Fertigungslinien oder aus Kundenfeedback. Ein besseres Verständnis der Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzer sowie eine Verbesserung des Designs, Tests oder der Wartung werden durch ihre Analyse und Interpretation unterstützt. Durch den Einsatz von KI in der Entwicklung ergeben sich für Magna-Manager Jenkins weitere Benefits: „Durch die Implementierung einer intuitiven Methode, um auf Wissen und Daten zuzugreifen, können beträchtliche Vorteile erzielt werden. Diese Methode ermöglicht es uns, die Zeit, die normalerweise für wiederkehrende Aufgaben aufgebracht wird, zu reduzieren. Gleichzeitig erhalten die Entwickler Zugriff auf relevante Quellcode- und Datendokumente für ihre Projekte – ohne genau spezifizieren zu müssen, wonach sie überhaupt suchen. Diese effiziente Herangehensweise ermöglicht es allen Teams, ihre Arbeit effektiver zu gestalten. und vereinfacht den Zugriff auf Informationen erheblich.“ Zudem können auf diese Weise Ingenieure ihre Arbeitszeit besser nutzen. Jenkins: „Dies ist notwendig, um der gestiegenen Komplexität der Systeme zu begegnen und ihr gerecht zu werden.“

Fahrerassistenzsysteme mit Funktionen wie automatischer Notbremsung, Objekterkennung im toten Winkel und Spurhaltewarnsysteme haben für alle Verkehrsteilnehmende immense Vorteile.
Fahrerassistenzsysteme mit Funktionen wie automatischer Notbremsung, Objekterkennung im toten Winkel und Spurhaltewarnsysteme haben für alle Verkehrsteilnehmende immense Vorteile. – Bild: Magna International (Germany) GmbH

Funktionalität im Vordergrund

Bei der Entwicklung von ADAS-Systemen kann KI somit die Performance steigern und Zuverlässigkeit von Funktionen unterstützen sowie zur Akzeptanz des Fahrers beitragen: „Wenn Systeme so funktionieren, dass der Fahrer sie vollständig versteht und in der Lage ist, die Entscheidungen nachzuvollziehen, werden sie häufiger genutzt werden, als das heute der Fall ist“, sagt Jenkins. Für den Fahrer selbst wird es immer schwierig sein, zu wissen, was was ist. Jenkins: „Das muss er auch nicht da die Funktionalität des Systems im Vordergrund steht. Heute stellen Fahrer höchstens eine verbesserte Performance im Vergleich zu früheren Systemen fest“, sagt Jenkins. In Zukunft wird es noch deutliche Veränderungen im Fahrverhalten geben, die zu intuitiveren Reaktionen führen.

KI und das autonome Fahren

Jenkins ist davon überzeugt, dass KI das Autofahren sicherer macht: „Mit Hilfe der KI können Fahrsituationen und mögliche Reaktionsweisen des Fahrers besser antizipiert werden und die Assistenzsysteme entsprechend reagieren.“ Und das autonome Fahren? „KI ist sicherlich ein Schlüssel“, sagt Jenkins, „aber ich würde nicht sagen, der einzige oder letzte Schlüssel ist.“ Während es dazu beiträgt, die Entwicklung zu beschleunigen, die Bereitstellung und die Leistung zu verbessern, erfordert das Erreichen eines weit verbreiteten und sicheren autonomen Fahrens für Jenkins zusätzliche Elemente: „Dazu gehören ein offenerer Datenaustausch, Konnektivität und eine Infrastruktur, um weit verbreitete und sehr sichere autonome Fahrfunktionen zu unterstützen.“



  • Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

    Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

    Mit Dominic Kurtaz hat Dassault Systèmes einen neuen Managing Director für Zentraleuropa ernannt. Zudem wurde das Vertriebsteam neu aufgestellt.

    mehr lesen: Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

  • S&T hebt Prognose an

    S&T hebt Prognose an

    Mehr Umsatz, ein besseres Ergebnis und angehobene Ziele für das laufende Geschäftsjahr. Der Technologiekonzern ist bisher vergleichsweise gut durch die aktuelle Krise gekommen. Verantwortlich dafür sind auch Zuwächse im Medizintechnikbereich.

    mehr lesen: S&T hebt Prognose an

  • Ein digitaler Zwilling für die Produktion

    Ein digitaler Zwilling für die Produktion

    Die Prostep AG, das Institut der Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der Universität Hannover und die ISB wollen in einem gemeinsamen Projekt KMUs den digitalen Zwilling näher bringen.

    mehr lesen: Ein digitaler Zwilling für die Produktion

  • Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

    Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

    Nach mehreren Anstiegen in Folge, sind die Produktionserwartungen der deutschen Industrie im Oktober insgesamt etwas zurückgegangen. Eine Mehrzahl der Branchen plane jedoch eine Ausweitung der Produktion, so Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

    mehr lesen: Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

  • Leadec übernimmt AVI GmbH

    Leadec übernimmt AVI GmbH

    Leadec hat zum 1. November die AVI GmbH übernommen. Das Unternehmen ist im Bereich Automation sowie produktionsnaher IT tätig.

    mehr lesen: Leadec übernimmt AVI GmbH

  • Inlandsorders wieder im Plus

    Inlandsorders wieder im Plus

    Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erholt sich schrittweise von den Folgen der Corona-Krise. Nach dem saisonalen Rückschlag im August zeigte der Auftragseingang im September 2020 wieder ein positives Bild.

    mehr lesen: Inlandsorders wieder im Plus

  • Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

    Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

    Fremdkörper in Lebensmittel können für Konsumenten gefährlich werden. Die etablierten Röntgenverfahren erkennen vor allem Metalle – Glas, Kunststoff und Holz stellen hingegen eine Herausforderung dar. Der Prototyp ‘Sammi‘ soll diese…

    mehr lesen: Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

  • Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

    Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

    Mit Jens-Peter Hess hat der SAP-Spezialist Centric einen neuen Geschäftsführer. Er wird das Unternehmen gemeinsam mit Steven Wernike leiten.

    mehr lesen: Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

  • Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

    Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

    Die Corona-Krise hinterlässt auch auf dem Ingenieurarbeitsmarkt Spuren. Das zeigen die Zahlen für das 3. Quartal aus dem aktuellen Ingenieurmonitor, den der VDI mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW)…

    mehr lesen: Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

  • Keine FMB in diesem Jahr

    Keine FMB in diesem Jahr

    Vom 4. bis zum 6. November sollte in Bad Salzuflen die FMB – Zuliefermesse für den Maschinenbau über die Bühne gehen. Durch die aktuelle Pandemie-Lage haben die Veranstalter die Messe…

    mehr lesen: Keine FMB in diesem Jahr

  • Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Mit einem leichten Anstieg um 0,1 Punkte gegenüber dem Vormonat zeigt sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

  • Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Der Markt für Serviceroboter erfährt durch die Covid-19-Pandemie einen Schub. So prognostiziert die International Fedaration of Robotics, dass sich der Umsatz mit in diesem Bereich bis 2022 mehr als verdoppeln…

    mehr lesen: Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent