Arbeitsfreigabe digital statt auf Papier

0:000:00

CTS II Freigabeschein Konfiguration 20260114150015
Bild: CTS GmbH

Der Arbeitsfreigabeprozess soll das Risiko für Unfälle und Verletzungen reduzieren. Dazu stellt er sicher, dass vor Arbeitsbeginn erforderliche Risiko- und Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Oft wird der Ablauf noch über ausgedruckte Papierformulare abgebildet, die manuell weitergereicht werden. Dieses Verfahren ist fehleranfällig, langsam und oft auch auditkritisch. Hier setzt eine neue IIoT-basierte Anwendung an, die Arbeitsfreigaben digitalisiert, absichert und in Produktionsprozesse integriert.

Digitale Arbeitsfreigabe

Die Webplattform Mularis von CTS, einem deutschen Spezialisten für die digitale Transformation von Produktions- und IT-Prozessen, wurde extra für die Digitalisierung und zentrale Steuerung industrieller Abläufe und Daten entwickelt. Nun wurde das Produkt um ein Modul ergänzt, einen digitalen Freigabeschein. Dieser ermöglicht die digitale Dokumentation und Verwaltung von Arbeitsfreigaben über konfigurierbare Freigabescheintypen wie ‚Allgemeiner Freigabeschein‘, ‚Heißarbeiten‘ oder ‚Befahrschein‘.

Grundvoraussetzung für den digitalen Freigabeschein ist die Installation der Mularis-Software auf einem Server beim Anwender und die Einrichtung des Frameworks des Software-Anbieters, auf dem sich dann andere Module wie das Schulungssystem, der Schichtbericht oder kundenspezifische Module ergänzen lassen. Die Nutzung erfolgt über Webclients der Mitarbeiter, die auf eine Website zugreifen. Weitere Software, beispielsweise auf Client-Geräten der Mitarbeiter, ist nicht nötig. „Unsere Kunden klagen vor allem über mangelnde Transparenz und den hohen Aufwand bei der Ablage“, sagt Harald Niedermayr, Product Owner bei CTS. „Papierbasierte Workflows führen häufig dazu, dass Freigabeschritte übersprungen und Checklisten nur teilweise oder abhängig von Uhrzeit und Aussteller unterschiedlich ausgefüllt werden.“

Im Zeitalter von Remote-Arbeit und vernetzten Lieferketten ist es weiterhin wichtig, Freigaben standort- und geräteunabhängig digital erteilen zu können. Hier stoßen papiergestützte Abläufe, selbst wenn sie akribisch durchgeführt werden, an ihre Grenzen. Die Software hingegen unterstützt diese Unabhängigkeit sowohl bei einfachen Formularen als auch bei komplexen mehrstufigen Prozessen.

Sicherheit und Dokumentation

Die digitale Abbildung des digitalen Freigabescheins kann zudem die Sicherheit erhöhen. Die Software erzwingt bestimmte Pflichtschritte, Freigaben können also erst erfolgen, wenn alle Felder ausgefüllt und die Checkliste komplett abgearbeitet ist. So wird sichergestellt, dass vor Arbeitsbeginn wirklich alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. „Jede Aktion, jede Unterschrift und jede Änderung kann beim digitalen Freigabeschein auditiert werden und wird mit Zeitstempel sowie Verantwortlichem gespeichert“, sagt Harald Niedermayr. Diese lückenlose Protokollierung trägt zur Reduzierung des Schadensrisikos für Menschen und Maschinen bei.

Was ebenfalls zur Sicherheit im Ablauf beiträgt, ist zum einen die Zugriffskontrolle. Der Zugriff kann auf berechtigte Nutzer, insbesondere Administratoren, beschränkt werden. Zum anderen können Dokumente bei der digitalen Freigabe kaum mehr verloren gehen. „Im schlimmsten Fall kann so ein Verlust dazu führen, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht eingehalten werden oder Fehler in der Freigabe nicht rechtzeitig erkannt werden“, warnt Harald Niedermayr.

Die Benutzerführung ist übersichtlich gehalten, auch was die Erstellung der Workflows und Vorlagen betrifft.
Die Benutzerführung ist übersichtlich gehalten, auch was die Erstellung der Workflows und Vorlagen betrifft. – Bild: CTS GmbH

Unterstützung bei regulatorischen Anforderungen

Der digitale Freigabeschein unterstützt Industrieunternehmen auch bei der Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Das System kann notwendige Freigabeschritte, Prüfpflichten und Dokumentationsanforderungen abbilden. Die Vorbereitung auf Zertifizierungen und externe Prüfungen können ebenfalls erheblich vereinfacht werden, da relevante Unterlagen schnell digital verfügbar sind. „Die digitale Nachvollziehbarkeit aller Freigabeprozesse erleichtert es unseren Kunden, die benötigte Dokumentation im Auditfall strukturiert und schnell bereitzustellen“, schildert Harald Niedermayr.

Unabhängig vom Standort

Die Digitalisierung des Freigabeprozesses beschleunigt auch standortübergreifende Freigaben. Zahlreiche Arbeitsschritte entfallen vollständig, darunter das Ausdrucken von Dokumenten, der Gang zur Messwarte zum Einsehen von Freigaben sowie das manuelle Verteilen und Archivieren der Dokumente. Durch die vollständige Integration des Freigabeprozesses falle zunächst etwas mehr Arbeit an, da die Umstellung von manuell ausgefüllten Freigabescheinen auf eine digitale Anwendung eine grundlegende Änderung in der Arbeitsweise darstelle, die eine Einarbeitungs- und Eingewöhnungsphase für die Mitarbeiter erfordere. „Im weiteren Verlauf kann jedoch durch die Verwendung von Vorlagen der Ausfüllaufwand deutlich reduziert und die Qualität deutlich verbessert werden, egal von wem und um welche Uhrzeit ausgefüllt wird“, sagt Niedermayr. Weitere Effekte des Tools betreffen die Bewertung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) durch standardisierte Vorlagen sowie die Möglichkeit, Änderungen am Formular schnell umzusetzen, ohne bereits gedruckte Durchschläge entsorgen zu müssen. Zudem gibt es deutlich weniger Nachfragen und formale Fehler im Freigabeprozess.

Benutzerfreundliche Implementierung

Bei der Entwicklung des digitalen Freigabescheins standen neben der Sicherheit und Effizienz auch die Arbeitserleichterung im Vordergrund steht. „Durch die enge Einbindung von Pilotanwendern bereits während der Projektphase konnten wir wertvolles Feedback direkt umsetzen und typische Stolpersteine vermeiden“, erzählt Harald Niedermayr. „Wir setzen auf klare, selbsterklärende Workflows, anpassbare Formulare und stellen sicher, dass auch mobil und standortübergreifend unkompliziert gearbeitet werden kann.“ Anwender sollen so ohne lange Schulungen mit dem System arbeiten können. Was die Implementierung von Mularis zusätzlich erleichtern soll, ist die Integration des Tools etwa in ERP- und CRM-Systeme, bei Bedarf aber auch über individuelle Schnittstellen.



  • Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Wissenschaftler aus Hannover und Aachen wollen eine App zur automatischen Überwachung der Druckqualität in der Additiven Fertigung entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Medizintechnik.

    mehr lesen: Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

  • Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

    Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

    In der aktuellen Ifo-Konjunkturumfrage gehen die Teilnehmer insgesamt von steigender Produktion aus. Laut Ifo-Experte Klaus Wohlrabe seien die Erwartungen in den einzelnen Branchen jedoch unterschiedlich.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

  • Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

    Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

    Seit Anfang März ist Sebastian Walter neuer Vertriebschef für Westeuropa beim Roboterhersteller Universal Robots.

    mehr lesen: Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

  • Angriff auf Exchange-Server

    Angriff auf Exchange-Server

    Nach Informationen des IT-Dienstleisters Shodan sind zehntausende Exchange-Server in Deutschland über das Internet angreifbar und mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit Schadsoftware infiziert. Dabei sind Organisationen jeder Größe betroffen. Das Bundesamt…

    mehr lesen: Angriff auf Exchange-Server

  • IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

    IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

    Etwa jedes zweite Unternehmen wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs. Das geht aus dem DsiN-Praxisreport Mittelstand 2020 unter Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Nicht nur die konventionelle IT ist davon…

    mehr lesen: IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

  • Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

    Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

    Der MES-Anbieter Industrie Informatik setzt auf Low-Code-Entwicklung und geht eine strategische Partnerschaft SIB Visions ein.

    mehr lesen: Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

  • Pick-by-light-System ergänzt MES

    Pick-by-light-System ergänzt MES

    Bei KSB setzt man seit etwa einem Jahr auf ein Pick-by-light-System von Microsyst, was den Workflow an den Montagearbeitsplätzen effizienter gestaltet hat.

    mehr lesen: Pick-by-light-System ergänzt MES

  • Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

    Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

    Maschinen in der Produktion werden zunehmend schlauer. Eine von Reichelt Elektronik in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass sich Predictive Maintenance in der deutschen Industrie etabliert.

    mehr lesen: Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

  • Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

    Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

    Roland Bent hat sein Amt als CTO bei Phoenix Contact niedergelegt und sein Berufsleben beendet. Sein Nachfolger wird Frank Possel-Dölken.

    mehr lesen: Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

  • Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

    Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

    177 Ökonomen haben Ifo und FAZ im Rahmen des Ökonomenpanel zur aktuellen Corona-Wirtschaftspolitik der Bundesregierung befragt. Kurz vor der nächsten Ministerpräsidenten-Konferenz zeigt sich ein Großteil der Teilnehmer unzufrieden.

    mehr lesen: Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

  • Babtec erweitert Geschäftsführung

    Babtec erweitert Geschäftsführung

    Babtec hat bekanntgegeben, dass Peter Hönle, Dagmar Henkel und Lutz Krämer die Führungsebene des Wuppertaler Softwareherstellers erweitern. Zudem gibt es ein neues Leitbild sowie eine Stammkapitalerhöhung zu vermelden.

    mehr lesen: Babtec erweitert Geschäftsführung

  • Kontron stellt Switch-Familie vor

    Kontron stellt Switch-Familie vor

    Kontron erweitert seine Industriehardware um die Switch-Familie KSwitch. Die Fast- und Gigabit-Ethernet-fähigen Modelle sollen über das Jahr verteilt auf den Markt kommen. Die ersten 23 Varianten bereits im ersten Quartal,…

    mehr lesen: Kontron stellt Switch-Familie vor