MES Hydra bei Accelleron: Alles nach Plan in der Turbo-Produktion

A185 L35 turbocharger
Bild: Turbo Systems Switzerland Ltd.

Der Startschuss bei Accelleron für die Suche nach einem geeigneten Manufacuring Execution System (MES) fiel bereits 2016, als die Firma noch eine Sparte und Marke von ABB war. Die Initiative damals fügte sich in das größere Vorhaben ein, die Digitalisierung voranzubringen, die IT-Landschaft zu harmonisieren und die Prozesse zu standardisieren. „Es gab viele Systeme, die über die Fertigung verteilt waren. Unser Ziel war es, alles möglichst kompakt unter einen Schirm zu bringen“, sagt der verantwortliche MES-Projektleiter Francesco Silani. David Andreatta, der die MES-Einführung als Mitglied des Steering Committee begleitet hat, ergänzt: „Unser bisheriges Fertigungsplanungstool war End-of-Life, der Support war abgekündigt und das System musste ersetzt werden.“ Hinzu kam die Forderung des Managements, Grundlagen für Fertigungskennzahlen wie die Overall Equipment Effectiveness (OEE) zu schaffen.

MES Hydra macht das Rennen

2018 nahm das Projekt Fahrt auf und nach einer Auswahlphase, in der etwa 30 Mitbewerber bewertet wurden, folgte die Entscheidung. MES Hydra landete auf der Shortlist und machte schließlich das Rennen: „Das MES konnte unsere Kriterien als Unternehmen in der diskreten Fertigung mit Stückzahl 1 genauso wie in einer Produktion mit Losgrößen von mehreren hundert Stück optimal abdecken“, sagt Andreatta.

30 Minuten für die Teamleiter

Auf die Entscheidung folgte eine Designphase und schließlich der etwa zweijährige Rollout. Seit Herbst 2023 läuft das MES in allen Divisionen im Produktivbetrieb. Doch erste Erfolge zeigten sich schon früher: „Die millimeterdicken Papierheftchen, die noch vor einem Jahr über die ganze Fertigung verteilt waren, sind jetzt weg. Diese Heftchen wurden am Anfang eines Auftrags vom Teamleiter gedruckt, manuell ausgefüllt, gestempelt, eingescannt und schließlich archiviert“, sagt Francesco Silani. Heute sei der Prozess digital, der Teamleiter initiiert einen Fertigungsauftrag, der Bediener sieht ihn am Terminal und am Ende gibt es eine PDF-Laufkarte. „Ein Knopfdruck und alles ist erledigt. Pro Teamleiter sparen wir so je nach Fall bis zu geschätzt einer halben Stunde am Tag.“

Weniger Fehler im Betrieb

Auch ein weiteres Beispiel verdeutlicht den Nutzen der MES-Anwendung: Seitdem sie im Einsatz ist, macht Accelleron bedeutend weniger Seriennummernfehler, die potenziell Kundenbeschwerden nach sich ziehen. Laut David Andreatta ist es bis dahin immer wieder vorgekommen, dass beim Kunden etwas falsch angeliefert wurde, was gravierende Auswirkungen haben kann. Mit dem MES merken die Verantwortlichen in der Fertigung früh, dass etwas nicht stimmt, weil der Bediener etwas nicht scannen kann. In den ersten sechs Monaten nach Einführung des Systems konnte die Firma allein in einer Abteilung zehn solcher Fehler verhindern. Auch die Werkerführung ist ein Gewinn für Accelleron: „Das System kann so begleitend gestaltet werden, dass man Mitarbeiter flexibel in den unterschiedlichen Abteilungen einsetzen kann, ohne dass sie langwierig eingelernt werden müssen“, schildert Silani. Doch der faszinierendste Aspekt ist für Francesco Silani, dass das Unternehmen einen übergreifenden MES-Standard eingeführt hat, um Verbesserungen sofort auf 17 Bereiche zu skalieren und in dem Umfang auch sofort auf Probleme reagieren kann.

Seiten: 1 2



  • Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

    Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

    Vom Bodensee aus soll eine neue Entwicklungsabteilung die Teams des Wuppertaler Softwarespezialisten unterstützen.

    mehr lesen: Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

  • Was Deskless Worker bewegt

    Was Deskless Worker bewegt

    Eine aktuelle Studie des Aachener Softwarespezialisten Inform unter Mitarbeitenden aus dem produzierenden Gewerbe zeigt, dass sich sogenannte Deskless Worker von ihren Arbeitgebern neben guter Bezahlung vor allem bessere Kommunikation und…

    mehr lesen: Was Deskless Worker bewegt

  • Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung

    Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung

    Open Mind beteiligt sich am Verbundprojekt ’CICAM – Computational Intelligence for Computer-aided Manufacturing’ des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften an der Technischen Universität München und Spanflug Technologies. Das Forschungsprojekt hat…

    mehr lesen: Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung

  • PWC-Maschinenbaubarometer: Verunsicherung weiterhin hoch

    PWC-Maschinenbaubarometer: Verunsicherung weiterhin hoch

    Das aktuelle Maschinenbaubarometer von PWC zeigt zwar, dass die Anzahl derjenigen, die optimistisch auf die Entwicklung der deutschen und weltweiten Konjunktur blicken, im Vergleich zum Vorquartal gestiegen ist. Allerdings liegt…

    mehr lesen: PWC-Maschinenbaubarometer: Verunsicherung weiterhin hoch

  • Wie sicher ist Open Source Software?

    Wie sicher ist Open Source Software?

    Anfang April hat ein Microsoft-Ingenieur einen Hackerangriff auf die Linux Software in letzter Minute vereitelt. Dies warf die Frage auf, wie es um die Sicherheit von Open Source Software (OSS)…

    mehr lesen: Wie sicher ist Open Source Software?

  • MVTec sieht geistiges Eigentum verletzt

    MVTec sieht geistiges Eigentum verletzt

    Taiwanesische Behörden haben ein Strafverfahren gegen Kameralinsen-Hersteller Largan eingeleitet. Gegenstand des Verfahrens ist die unrechtmäßige Nutzung der Softwareprodukte von MVTec Software.

    mehr lesen: MVTec sieht geistiges Eigentum verletzt

  • Mit Edge AI Datenschutz und Energieeffizienz verbessern

    Mit Edge AI Datenschutz und Energieeffizienz verbessern

    In einem aktuellen Whitepaper gibt die Plattform einen Überblick über Stärken und Schwächen von Edge AI und diskutiert Optionen, wie die Technologie in die Anwendung gebracht werden kann.

    mehr lesen: Mit Edge AI Datenschutz und Energieeffizienz verbessern

  • Schneider Electric als weltweit nachhaltigstes Unternehmen ausgezeichnet

    Schneider Electric als weltweit nachhaltigstes Unternehmen ausgezeichnet

    Time Magazine und Statista haben Schneider Electric als nachhaltigstes Unternehmen der Welt ausgezeichnet. Der Technologie-Konzern setzte sich in der Rangliste an die Spitze einer Auswahl von 500 Unternehmen aus 30…

    mehr lesen: Schneider Electric als weltweit nachhaltigstes Unternehmen ausgezeichnet

  • SpiraTec integriert Tochterunternehmen

    SpiraTec integriert Tochterunternehmen

    Die Industrial Solutions M&B, eine 100-prozentige Tochterfirma der SpiraTec AG, ist zum 28. Juni 2024 mit der Muttergesellschaft verschmolzen.

    mehr lesen: SpiraTec integriert Tochterunternehmen

  • Wenn aus Schrott neuer Stahl wird

    Wenn aus Schrott neuer Stahl wird

    Mit über 2,2Mio.t verarbeitetem Schrott pro Jahr ist die Swiss Steel Group einer der größten Recycling-Betriebe Europas. Für seinen ’Green Steel’, also Stahl aus recyceltem Material, arbeitet das Unternehmen an…

    mehr lesen: Wenn aus Schrott neuer Stahl wird

  • Wie AnoWatch Abweichungen erkennt

    Wie AnoWatch Abweichungen erkennt

    Das am Fraunhofer IWU entwickelte System AnoWatch hilft, Fehler auf Karosserieteilen zu erkennen. Das Besondere: Das System wird mit fehlerfreien Bauteilen angelernt.

    mehr lesen: Wie AnoWatch Abweichungen erkennt

  • Neuer CEO für Bentley Systems

    Neuer CEO für Bentley Systems

    Bentley Systems hat einen neuen CEO. Mit Nicholas Cumins übernimmt erstmals eine Führungskraft, die nicht aus der Bentley-Familie stammt, die Geschicke des CAD-Spezialisten.

    mehr lesen: Neuer CEO für Bentley Systems