Bäckerei Görtz setzt auf Automatisierung: Wo Roboter Brötchen backen

IMG 0375
Bild: Yaskawa Europe GmbH

Laut Branchenbericht des Verbands Deutscher Großbäckereien verkaufen immer weniger Bäckereien immer mehr Backwaren. Die einzelnen Betriebe sind also angehalten, ihre Produktionskapazitäten immer stärker ausbauen. Aufgrund des Personalmangels in der Lebensmittelbranche gewinnt die Automatisierung bei der großtechnischen Backwarenherstellung weiter an Bedeutung.

Roboter in der Bäckerei

Vor diesen Herausforderungen stand auch die Bäckerei Görtz aus Ludwigshafen. Seit 1963 versorgt die Inhaberfamilie Görtz – inzwischen mit dem Partner FSN – ihre Kundschaft in der Region an mit Broten, Brötchen oder Kuchen.

2024 begann die Bäckerei ernst damit, in der bestehenden Produktion neue Effizienz-Potenziale zu erschließen. Gemeinsam mit der ADM Automatisierungstechnik gingen die Verantwortlichen auf die Suche nach neuen Möglichkeiten. Das erst 2022 gegründete Unternehmen aus dem ostwestfälischen Warburg hat sich auf Maschinenbau- und Robotik-Systemen für die Backwarenherstellung spezialisiert.

Komplexe Anforderungen

Als ein Ansatzpunkt erwies sich das Handling von Teiglingen nach dem Frosten: Die Teiglinge durchlaufen je eine von zwei parallelen Frosterlinien auf Dielen. Diese Dielen wiederum sollten im Anschluss an das Frosten automatisiert am Frosterausgang entnommen und auf Roll-Transportwagen umgesetzt werden. Folgende Anforderungen wurden für das Projekt definiert:

  • Die Teiglinge auf den Dielen sollten sich beim Handling auf keinen Fall verschieben, um gleichbleibende Produktqualität zu gewährleisten.
  • Die begrenzten räumlichen Gegebenheiten mussten berücksichtigt werden.
  • Die vorgegebene Produktionsleistung lag bei 2.000 Dielen pro Stunde (1.000 Dielen je Frostanlage).
  • Es sollte keine Stillstandszeiten beim Wechseln der Transportwagen entstehen.

„Nach einer eingehenden Analyse wurde schnell klar, dass eine rein mechanische Lösung nicht die erforderliche Kompaktheit und Flexibilität bieten würde, um den speziellen Anforderungen der Bäckerei Görtz gerecht zu werden“, erinnert sich ADM-Geschäftsführer Peter Dunschen. „Die Entscheidung fiel daher auf den Einsatz von Robotik. Das ermöglichte eine flexible und gleichzeitig kompakte Lösung, die sowohl den technischen als auch den räumlichen Vorgaben perfekt entspricht.“

Roboterbasiertes Konzept

Das umgesetzte Anlagenkonzept kombiniert mehrere Komponenten in einer Anlage: Im Auslaufbereich wurde eine individuelle Förderanlage mit einer Stopper-Vereinzelung installiert. Diese fördert eine ordnungsgemäße Lagenbildung der Dielen und sorgt dafür, dass die Teiglinge gleichmäßig und stabil auf den Dielen platziert sind, bevor sie von den Robotern entnommen werden.

Als weiteres Schlüsselelement kommen in der Anlage insgesamt vier Industrieroboter vom Typ Motoman GP180 FGG des Herstellers Yaskawa zum Einsatz. Für diese Entscheidung sprach zum einen die Geschwindigkeit und Präzision und zum anderen die Tragkraft von 180kg sowie die große Reichweite des Modells. ‚GP‘ steht für ‚General Purpose‘ und damit für vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die 6-Achser, die im Yaskawa-Werk im slowenischen Koevje gefertigt wurden, können in beliebiger Einbaulage arbeiten, Roboterkabel lassen sich entweder seitlich oder durch den Sockel hindurch einführen. Die integrierte Medienversorgung in den Achsen optimiert den Aufbau von Greifern und unterstützt die Zuverlässigkeit im späteren Betrieb. Speziell für die Lebensmittelindustrie hat Yaskawa die Roboterserie Motoman GP FGG entwickelt. FGG steht für ‚Food Grade Grease‘ und damit für den ausschließlichen Einsatz von Schmierstoffen, die für die Nahrungsmittelproduktion zugelassen sind. „Dies war für uns ein entscheidendes Kriterium, da wir höchste hygienische Standards gewährleisten mussten“, betont Peter Dunschen von ADM.

Geschwindigkeit abgestimmt

Die Entnahme der Dielen aus den beiden parallelen Frostern übernimmt jeweils ein Roboter am Ende jeder Linie. Durch einen von ADM entwickelten Lagengreifer ist jeder der beiden Roboter in der Lage, gleichzeitig bis zu sechs Dielen aufzunehmen und diese auf ein Förderband abzulegen. Das Förderband transportiert die Dielen zur nächsten Station: dem Transportwagen-Belader. Die Roboter arbeiten mit fein abgestimmten Geschwindigkeiten, damit sich die Teiglinge auf den Dielen während des Handlings nicht verschieben. Diese Feinabstimmung der Bewegungsabläufe hilft, eine gleichbleibende Qualität der Teiglinge zu bewahren.

Roll-Transportwagen beladen

Das präzise Stapeln der Dielen auf den Roll-Transportwagen übernehmen zwei weitere GP180-Roboter. Diese sind mit einem speziellen Lagengreifer ausgestattet, der die Dielenstapel nicht nur aufnimmt, sondern sie auch gleichzeitig ausrichtet, um eine möglichst platzsparende und stabile Beladung der Wagen zu gewährleisten. Der Greifer sorgt dafür, dass die Dielen korrekt in den Wagen eingelegt werden, ohne dass es zu Verschiebungen oder Instabilitäten kommt. Ein Safety-Lichtvorhang sorgt dabei für Sicherheit. Ein besonders anspruchsvolles Feature des Systems ermöglicht es, den Beladevorgang der Transportwagen ohne Unterbrechung fortzusetzen: Sobald ein Wagen voll ist, wird der Roboter automatisch auf eine zweite Zelle umgeschaltet, sodass der Beladevorgang nahtlos weiterläuft. Dies sorgt für einen kontinuierlichen Produktionsfluss und verhindert Stillstandzeiten. Währenddessen hat der Bediener genügend Zeit, den voll beladenen Wagen zu entfernen und einen neuen leeren Wagen in die Anlage einzufahren.



  • Webinarangebot: Low Code für Produzenten

    Webinarangebot: Low Code für Produzenten

    Unser Webinar am Donnerstag, 25. Juni 2026 (11 Uhr), zeigt, wie Low Code Prozesse schneller anpassbar und Integrationen flexibler macht. Freuen Sie sich auf Vorträge von der SQL Projekt AG…

    mehr lesen: Webinarangebot: Low Code für Produzenten

  • NanoFocus nun hundertprozentige Mahr-Tochter

    NanoFocus nun hundertprozentige Mahr-Tochter

    Die Mahr GmbH aus Göttingen hat zum 12. November 2025 die letzten drei Prozent Anteile an der NanoFocus AG in Oberhausen übernommen und ist damit ihr Alleineigentümer.

    mehr lesen: NanoFocus nun hundertprozentige Mahr-Tochter

  • Neuer Head of Product bei Insys Icom

    Neuer Head of Product bei Insys Icom

    Insys Icom ernennt René Al-Abid zum Head of Product. Der bisherige Produktmanager soll in seiner neuen Rolle die systematische Verankerung von Security-, Compliance- und Governance-Anforderungen über das gesamte Produktportfolio hinweg…

    mehr lesen: Neuer Head of Product bei Insys Icom

  • Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

    Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

    Das Stuttgarter Tech-Unternehmen Q.Ant baut sein Managementteam weiter aus: Dr. Lars Bach (Bild) hat zum 1. Februar die neu geschaffene Position des Produktionsverantwortlichen als Vice President Operations übernommen.

    mehr lesen: Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

  • Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

    Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

    Corona, Kriege oder die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben die deutsche Wirtschaft seit 2020 stark belastet.

    mehr lesen: Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

  • IT&Production AI Conference 2026

    IT&Production AI Conference 2026

    KI verändert die industrielle IT. Das Versprechen: Effizienzgewinne, Kostenvorteile und Risikoreduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

    mehr lesen: IT&Production AI Conference 2026

  • Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

    Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

    Der Unified Namespace soll alle Produktions- und Geschäftsdaten aus Maschinen, Sensoren und Systemen in einem gemeinsamen Echtzeit-Raum verfügbar machen – eine Single Source of Truth entsteht.

    mehr lesen: Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

  • Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

    Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

    Forescout Technologies, ein Spezialist für Cybersicherheit, hat die Ernennung von Dirk Decker (Bild) zum Regional Director für Zentraleuropa bekanntgegeben.

    mehr lesen: Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

  • Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

    Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

    Die Anzahl der Arbeitsplätze in Deutschland, die vom Export nach China abhängen, ist seit 2021 um rund 40% gesunken, wie eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

    mehr lesen: Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

  • Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

    Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

    Gegen zwei Drittel der IT-Dienstleister wurden im vergangenen Jahr seitens ihrer Auftraggeber Vorwürfe wegen angeblicher Schlechtleistung erhoben.

    mehr lesen: Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

  • Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

    Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

    Enbik, ein in Taiwan beheimateter Hersteller für Industrial Edge Computing und IT-Hardware, und Edgecon gründen in Deggendorf ein Logistik- und Service-Büro für den deutschsprachigen Raum.

    mehr lesen: Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

  • Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

    Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

    Zur Münchner Sicherheitskonferenz (13. bis 15. Februar) hat die Google Threat Intelligence Group (GTIG) einen Bericht veröffentlicht, mit dem die Verfasser die Debatte um KI-gestützte Bedrohungen auf eine operative Ebene…

    mehr lesen: Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden