Permanente Inventur mit Cloud-Speicher

303648 Guetermann Fachbodenregale
Bild: Zetes GmbH

In den langgestreckten Lagerhallen von A&E Gütermann ist die über 150jährige Tradition des weltweit agierenden Herstellers von Nähgarn auf Schritt und Tritt spürbar. Die mit Sägezahndächern versehenen Gebäude am Firmenstammsitz in Gutach im Breisgau werden im Innenbereich durch lange Reihen manuell bedienbarer Fachbodenregale geprägt. Das Fertigwarenlager umfasst eine Fläche von 12.500m² und bietet 91.000 Lagerplätze für 70.000 verschiedene Produkte. Die Zahl kommt zustande, weil standardmäßig 700 lieferbaren Farben und 10 unterschiedliche Materialstärken vorgehalten werden. Die speziell für die Autoindustrie kreierten Sonderfarben sind darin noch nicht enthalten. Rund 60 Mitarbeitende organisieren hier die Warenbewegungen noch überwiegend mit Papierbelegen und greifen dabei 10 bis 15.000 mal pro Tag auf die Lagerplätze zu.

Digitaltechnik statt Handarbeit

Aber auch bei Gütermann werden die Prozesse nach und nach digitalisiert. 2021 suchte die Firma nach einem geeigneten IT-Partner. „Über LinkedIn wurde ich auf Zetes aufmerksam, die einen unverbindlichen Lager-Check anbieten“, erinnert sich Projektleiter Oliver Maier, der bei Gütermann zugleich die Rolle des stellvertretenden Lagerleiters übernimmt. Im November kam es zu einem ersten Treffen, bei dem das Potenzial verschiedener Optimierungsschritte mit dem Warehouse Execution System ZetesMedea aufgezeigt wurde. „Das war keine Verkaufsveranstaltung, sondern ein sehr lösungsorientiertes Beratungsgespräch“, sagt Maier. „Wir haben sofort gespürt, dass die Chemie zwischen Zetes und uns stimmt und dass wir hier auf Augenhöhe diskutieren,“ berichtet Abteilungsleiter Frank Krause. Aber auch das Produkt konnte überzeugen. „Mit ZetesMedea können wir unsere Prozesse in mehreren Stufen digitalisieren, ohne dabei große Risiken einzugehen“, bestätigt Christoph Kern, der das Projekt seitens der IT-Abteilung begleitet. Kern verantwortet die Schnittstellen zwischen ZetesMedea und dem bei Gütermann eingesetzten ERP-System SAP R3.

Permanente Inventur einrichten

Von allen Prozessen zwischen Warenannahme, Kommissionierung und Versand eignete sich vor allem die permanente Inventur, um der anfangs noch skeptischen Logistik-Mannschaft die Funktionsweise der Technik zu veranschaulichen. Sämtliche Lagerpositionen müssen im Laufe eines Jahres mindestens einmal gezählt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind pro Tag durchschnittlich 360 Positionen zu inventieren. An manchen Tagen werden bis zu 4.000 Positionen gezählt. Das funktionierte bislang mit Zweier-Teams, die in ruhigeren Geschäftszeiten mit Papier und Stift die Bestände einzelner Fächer festgestellt hatten. „Einer hat gezählt und der andere hat geschrieben und kontrolliert“, beschreibt Michael Reichenbach, der bei Gütermann die Lagerorte der jeweiligen Inventurläufe festlegt. Hierbei achtet er vor allem darauf, dass die laufenden Ein- und Auslagerungen nicht durch die Inventur behindert werden. Die Zähllisten erstellt er mit SAP-Software.

Arbeitsalltag erleichtert

Diese wurden früher ausgedruckt und den Mitarbeitern übergeben. Jetzt werden sie digital an das ZetesMedea übertragen. ZetesMedea ist bei Gütermann als Cloudsoftware und als App auf den 15 neuen mobilen Computern vom Typ Honeywell CT45XP aktiv. Als Betriebssystem kommt Android 11 zum Einsatz – Honeywell verspricht Updates bis Version 13. Ein 2D-Imager erfasst Daten, wobei sich Gütermann für die FlexRange Option entschieden hat. „Mit dem FlexRange-Scanner können unsere Mitarbeiter nicht nur im Nahbereich, sondern auch aus bis zu 10m Entfernung Barcodes erfassen, was den Arbeitsalltag wesentlich vereinfacht“, betont Maier. Um die Inventur zu starten, muss sich der Mitarbeitende zunächst am CT45XP anmelden. Direkt von der Startmaske aus kann die Inventurfunktion ausgewählt und der schlanke Prozess gestartet werden. „Dadurch konnten wir nicht nur rund 30.000 Blatt Papier pro Jahr einsparen, sondern auch den Personaleinsatz für Inventuren auf einen Schlag halbieren“, stellt Lagerleiter Frank Krause fest.

Prüfen von Eingaben

Der Mitarbeitende sieht auf dem Display, zu welchem Lagerfach er gehen muss und um welche Maßeinheit es geht. Je nach Produkt rechnet man bei Gütermann in Metern, Rollen, Stück, Karton, Pack oder Kilogramm. Am Lagerfach wird der Barcode des entsprechenden Behälters gescannt, woraufhin die Software die Lage des Standorts prüft. Nach dem Zählen der Artikel wird die Anzahl am CT45XP eingegeben und ebenfalls geprüft. „Etwaige Abweichungen von dem in SAP verbuchten Lagerbestand fallen sofort auf und werden dem Mitarbeiter umgehend am Display als Hinweis angezeigt“, sagt Christoph Kern. In diesen Fällen muss das Zählergebnis nochmal überprüft werden. „Insgesamt hat dadurch die Bestandsqualität deutlich gewonnen, was uns der Wirtschaftsprüfer bestätigen konnte“, berichtet Reichenbach, der die Inventur im ersten Jahr mit ZetesMedea deutlich früher als sonst abschließen konnte.

Schnelles Einarbeiten & Cloud

Zu den weiteren Effekten des digitalen Inventurprozesses mit ZetesMedea zählt die automatisierte Archivierung. Mussten früher noch die Belege abgeheftet und 10 Jahre lang aufbewahrt werden, so geschieht dies heute unsichtbar und verlässlich in der Cloud. Nicht zuletzt können neue Mitarbeiter anhand der digitalen Arbeitsanweisungen jetzt schneller eingearbeitet werden. ZetesMedea bietet Gütermann mit seinem Cloud-basierten Webportal eine Live-Übersicht über laufende Aufträge, sowie die Möglichkeit, Aufträge zuzuweisen und zu priorisieren. Die Implementierung der Soft- und Hardware lief nach Plan: „Das Projekt zur Umstellung der Inventur konnte innerhalb von nur vier Monaten abgeschlossen werden und wir rechnen bereits im nächsten Jahr mit der Amortisierung“, bilanziert Oliver Maier. Kein Wunder, dass Gütermann bereits den nächsten Arbeitsprozess umgestellt hat: das Einlagern der rund 1.400 Lagerpositionen mit einem Gesamtgewicht von durchschnittlich 13t pro Tag. Hier erwartet das Unternehmen ähnliche positive Effekte und vor allem ein fehlerfreies Arbeiten, da durch die Rückmeldungen an die Mitarbeiter über ihre Displays Einlagerungsfehler der Vergangenheit angehören dürften.



  • Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

    Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

    Rund ein Viertel der Maschinen- und Anlagenbauer berichtet von signifikanten Cybersicherheitsvorfällen in den vergangenen zwei Jahren. Plagiatsfälle gingen in diesem Zeitraum hingegen zurück.

    mehr lesen: Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

  • Stand der OT-Sicherheit

    Stand der OT-Sicherheit

    Ein neuer Bericht von ABI Research und Palo Alto Networks über den Stand der OT-Sicherheit hat ergeben, dass im vergangenen Jahr eines von vier Industrieunternehmen angab, seinen Betrieb aufgrund eines…

    mehr lesen: Stand der OT-Sicherheit

  • Forschungsbeirat und Plattform Industrie 4.0 bleiben bei 4.0

    Forschungsbeirat und Plattform Industrie 4.0 bleiben bei 4.0

    Im Rahmen der Hannover Messe 2024 haben der Forschungsbeirat Industrie 4.0 sowie die Plattform Industrie 4.0 Stellung zum Umgang mit dem Begriff ‚Industrie 5.0‘ genommen.

    mehr lesen: Forschungsbeirat und Plattform Industrie 4.0 bleiben bei 4.0

  • Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

    Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

    Besorgt blicken die Entscheidungsträger im Maschinen- und Anlagenbau auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

  • Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

    Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

    Wie erfüllt Open Source Software die Anforderungen des europäischen Cyber Resilience Act? Auf Basis etablierter Prozesse wollen die Apache Software Foundation, die Blender Foundation, die OpenSSL Software Foundation, die PHP…

    mehr lesen: Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

  • Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

    Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

    In einer neuen Expertise mit dem Titel ‘künstliche Intelligenz und industrielle Arbeit’ des Forschungsbeirats Industrie 4.0 zeigen das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IML Gestaltungsoptionen und Handlungsfelder auf, wie KI…

    mehr lesen: Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

  • VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    Basierend auf den neuesten VDMA-Umfragen, verzeichnete die europäische Bildverarbeitungsindustrie 2023 einen Umsatzrückgang von 7%. Die VDMA Fachabteilung Machine Vision rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang von 3% für das laufende Jahr.

    mehr lesen: VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

  • Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Manufacturing-X ist vielen Unternehmen zwar ein Begriff. Allerdings haben sich bisher die meisten Industrieunternehmen noch nicht näher mit dem Datenökosystem befasst.

    mehr lesen: Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

  • 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    Die Zahl der offenen Stellen in Ingenieurberufen bewegt sich im vierten Quartal 2023 weiter auf hohem Niveau. Besonders Berufsfelder mit Klimaschutz- und Digitalisierungsbezug weisen im aktuellen VDI/IW-Ingenieurmonitor eine hohe Engpasskennziffer…

    mehr lesen: 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

  • Infosys übernimmt In-tech

    Infosys übernimmt In-tech

    In-Tech wird Teil von Infosys. Dies gaben die Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2024 erwartet.

    mehr lesen: Infosys übernimmt In-tech

  • Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Die deutsche Industrie hat kaum noch mit Materialknappheit zu kämpfen. Laut Ifo Institut bewegt sich die Materialverfügbarkeit in Richtung Vor-Corona-Niveau.

    mehr lesen: Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

  • KI mit synthetischen Daten anlernen

    KI mit synthetischen Daten anlernen

    Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) benötigen Trainingsdaten. Diese zügig und in ausreichender Stückzahl zu generieren, stellt Anwender in der verarbeitenden Industrie oft vor Herausforderungen. Das Fraunhofer IGD arbeitet daher…

    mehr lesen: KI mit synthetischen Daten anlernen