Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

fraunhofer ipt 100 dtw 5622 10x15cm
Bild: Guido Flüchter/Fraunhofer-Institut IPT

Werkzeugbahnen für CNC-Werkzeugmaschinen werden heute mithilfe von CAM-Software geplant, die eine Vielzahl an CAM-Parametern berücksichtigt. Diese Parameter geben dem CAM-System vor, wie die genaue Werkzeugbahn generiert wird, bevor der Werkzeugweg an die Maschinensteuerung übergeben wird. Je komplexer ein Bauteil ist, desto umfangreicher und auch fehleranfälliger ist die Beschreibung des Werkzeugpfades. Daher setzt eine gute CAM-Programmierung eine hohe Expertise voraus, denn nur sehr geübte und erfahrene Arbeitskräfte können das Ergebnis schnell und ohne zahllose aufwändige Iterationen richtig abschätzen. Häufiger müssen in mehreren Durchgängen viele verschiedene Parameter ausprobiert werden, bis das Werkzeug den optimalen Weg abfährt.

Diesen Aufwand möchte das Forschungsteam des Fraunhofer IPT gemeinsam mit seinen Industriepartnern reduzieren: Im Projekt CAMStylus arbeitete das Team daran, die Planung von Werkzeugbahnen in CAM-Systemen durch eine Virtual-Reality-Anwendung (VR) intuitiver zu gestalten. Die VR-Anwendung in Kombination mit speziell entwickelter Hardware erlaubt es den Anwenderinnen und Anwendern, Werkzeugbahnen durch Gestensteuerung dreidimensional zu beschreiben. Aus den erfassten Gesten errechnet das System dann die CAM-Parameter, die im CAM-System zur Berechnung der Werkzeugbahn verwendet werden.

Mit dem Stift in der Hand den Weg vorzeichnen

Das Fraunhofer-Team entwickelte dazu im ersten Projektabschnitt die VR-Umgebung und programmierte eine passende Software zum Tracking von Gesten, die die Bahnbewegungen beschreiben. Die Kombination aus Hard- und Software ermöglicht es, die Bewegungen sogenannter Trackingstifte zu erfassen, die ebenfalls im Projekt entwickelt wurden.

Damit aus den Daten des Bewegungs-Trackings die richtigen Informationen für die vorgesehene Werkzeugbahn abgeleitet werden können, setzt das Forschungsteam auf eine KI-Anwendung auf Grundlage neuronaler Netze, die anhand speziell designter geometrischer Körper für diese Aufgabe trainiert wurden. Eine Herausforderung bei der Softwareentwicklung war es, die CAM-Daten immer wieder mit den erfassten Daten des Trackingsystems abzugleichen, um für die späteren Berechnungen über eine verlässliche Datenbasis zu verfügen.

Voxeldarstellung zur Beschreibung der Gesten

Die VR-Anwendung nutzt einen Stereo-Bildschirm zur Erzeugung des 3D-Effekts. Mit dem Tracking-Stylus können die Gesten eingegeben werden. Die erfassten Positionen und Orientierungen des Eingabegeräts werden in Echtzeit in der VR-Anwendung dargestellt, sodass ein direktes Feedback zur eingegebenen Geste erfolgt. Im Anschluss rechnet das System die Daten in eine Voxeldarstellung um, aus der die künstliche Intelligenz die wesentlichen Merkmale der Geste erkennt. Die Software berechnet anhand der erkannten Merkmale dann die Werkzeugbahn. Diese kann, wie in konventionellen CAM-Systemen, dazu genutzt werden, um den Prozess zu simulieren, zu untersuchen und durchzuführen.

Erfolgreiche Schlichtbearbeitung von Testbauteilen

Für die Erprobung setzte das Team des Fraunhofer IPT das CAMStylus-System erfolgreich zum Planen einer Schlichtbearbeitung an einer realen Testgeometrie der WBA Aachener Werkzeugbauakademie ein.

Die Projektergebnisse sollen den Weg für weiterführende Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Industriepartnern weisen. Sie werden jetzt im Rahmen wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Konferenzen vorgestellt und zukünftig in den verschiedenen Anwender-Communities des Fraunhofer IPT mit Partnern weiterentwickelt. Eine erste Veröffentlichung mit dem Titel ’Intuitive toolpath planning in computer-aided manufacturing systems using artificial intelligence in a virtual reality environment’ wird in diesem Jahr im Rahmen der 17. CIRP-ICME-Konferenz veröffentlicht.

Neben dem Fraunhofer IPT sind ModuleWorks, Schneider Digital Josef J. Schneider e. K und die WBA Aachener Werkzeugbauakademie am Projekt beteiligt. Das Forschungsprojekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Förderkennzeichen: 01IS22006D).



  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

  • Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im September 2020 um 1,7 Punkte auf 100,1 Punkte gestiegen. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise liegt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) damit nicht…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

  • Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Parallel mit den ersten Profinet-Spezifikationen veröffentlichte PI ein umfassendes Security-Konzept, das in mehreren Schritten weiter detailliert und angepasst wurde.

    mehr lesen: Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

  • GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    Innerhalb der Robur-Gruppe haben sich die Firmen GIS und EAM zusammengetan. Beide Firmen bringen langjährige Erfahrungen rund um die Instandhaltung, Wartung und das Anlagenmanagement in den Zusammenschluss ein. Als Rodias…

    mehr lesen: GIS und EAM fusionieren zu Rodias

  • Credential Stuffing in der Medienbranche

    Credential Stuffing in der Medienbranche

    Angriffe auf Medienunternehmen durch Kontoübernahmen stiegen bereits zwischen 2018 und 2019 deutlich an. Im Zuge der diesjährigen Pandemie vervierfachten sich schädliche Anmeldeversuche sogar.

    mehr lesen: Credential Stuffing in der Medienbranche

  • Startups stellen Lösungen vor

    Startups stellen Lösungen vor

    Zehn IT-Sicherheitsanbieter haben Chance, als das beste Security-Startup der DACH-Region ausgezeichnet zu werden. Nachdem sie im Fachjuryentscheid überzeugen konnten, heißt es jetzt, im Speed-Pitch das Publikum zu gewinnen.

    mehr lesen: Startups stellen Lösungen vor

  • Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Trotz zahlreicher Innovationsmöglichkeiten zögern viele Unternehmen und Behörden noch bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Cybersicherheit.

    mehr lesen: Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

  • Integrierte OT-Sicherheit

    Integrierte OT-Sicherheit

    Rhebo und Barracuda adressieren mit einer kombinierten Lösung vollumfängliche Cybersicherheit für industrielle Netzwerke und IIoT-Geräte.

    mehr lesen: Integrierte OT-Sicherheit

  • Schutz von Remote-Mitarbeitern

    Schutz von Remote-Mitarbeitern

    Um die Verwaltung der Cybersicherheit einfacher und zugänglicher zu gestalten, stellt SonicWall die Zero-Touch-fähigen Multi-Gbit TZ-Firewalls mit SD-Branch-Funktionen vor. Die neuen Firewalls TZ570 und TZ670 sind die ersten Desktop-Firewalls, die…

    mehr lesen: Schutz von Remote-Mitarbeitern

  • Sicherheit vor Malware und Hackern

    Sicherheit vor Malware und Hackern

    Fernwirkanlagen und Scada-Systeme nutzen das Internet und sind damit potenziellen Angriffen von Hackern und Schadsoftware ausgesetzt. Auf der Seite der Datenbank kann auch das Unternehmen ConiuGo nur die bekannten Konzepte…

    mehr lesen: Sicherheit vor Malware und Hackern