Der AI Act im Überblick

AI Law Policy Regulation in Europe. Illustration Concept Robot Hand and gavel Law Artificial Intelligence Moral Ethic Vector Design with a European Flag
Bild: ©RafMaster/stock.adobe.com

Der Artificial Intelligence Act, kurz AI Act, legt klare Regeln für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen fest und soll damit einen einheitlichen, verbindlichen Rechtsrahmen in Europa schaffen. Ziel ist es, die Risiken zu minimieren, die von der Technologie ausgehen können. Gleichzeitig soll die KI-Verordnung Forschung und Entwicklung zu KI innerhalb der EU wettbewerbsfähig halten und Innovationen fördern. KI-Anwendungen mit unannehmbaren Risiken, wie Bewertungen des sozialen Verhaltens (sogenanntes social scoring) oder die biometrische Identifizierung von Menschen in Echtzeit, werden durch die Verordnung in Europa verboten. KI-Systeme mit hohem Risiko, wie etwa an Schulen, im Personalmanagement oder in der Strafverfolgung, müssen strenge Sicherheitsvorschriften erfüllen, bevor sie auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden können. Hier nennen die Autoren der KI-Kompakt-Reihe etwa Anforderungen wie das Risikomanagement, menschliche Überwachung und Qualität der Trainingsdaten.

Kernpunkte der KI-Verordnung

Grundsätzlich legt die KI-Verordnung fest: Die Nutzung von KI muss transparent gemacht werden. Allen Menschen soll stets ersichtlich sein, wann sie mit KI in Berührung kommen. Das gilt für den Chatbot ebenso wie für KI-generierte Bilder und Texte, die künftig entsprechend gekennzeichnet werden müssen.

Ein weiterer Kernpunkt der Verordnung ist der Umgang mit KI-Basismodellen wie ChatGPT, die die Grundlage für viele generative KI-Anwendungen sind. Die Besonderheit: Für solche Modelle ist zunächst keine bestimmte Nutzung vorgesehen. Sie könnten jedoch später in ein Hochrisiko-System integriert werden. Für sie gelten nun abhängig von ihrer Rechenkapazität unterschiedlich strenge Vorschriften zu Transparenz, Cybersicherheit und Energieeffizienz.

„Die KI-Verordnung ist eine Pionierin: Sie stellt den weltweit ersten Versuch dar, die Sicherheit von KI-Systemen ex ante zu gewährleisten. Die Definition, welche Informationssysteme unter den zentralen Begriff des KI-Systems fallen, ist aber komplex: Es soll sich um Systeme mit unterschiedlichen Ausprägungen von Autonomie handeln, die nicht allein anhand von Menschen erstellten Regeln operieren. Allerdings sollen laut den Erwägungsgründen wissens- oder regelbasierte Expertensysteme durchaus von der Verordnung erfasst sein. Die Konkretisierung und Anwendung auf konkrete Grenzfälle bleiben der Rechtsprechung überlassen“, so Ruth Janal, Professorin für Recht an der Universität Bayreuth und Mitglied der Arbeitsgruppe IT-Sicherheit, Privacy, Recht und Ethik der Plattform Lernende Systeme.

Neben der Definition von KI gibt die Anwendung des Gesetzes in den Mitgliedsstaaten Anlass für Bedenken. So könnten unterschiedliche Prüfmechanismen, ob ein KI-System dem Gesetz entspricht, den Wettbewerb verzerren. Kritiker bemängeln zudem, dass der AI Act insbesondere in mittelständischen Unternehmen KI-Innovationen hemmen könnte. Grund dafür sind die möglichen hohen Kosten für die Einhaltung der EU-Vorschriften.

Wie geht es weiter?

Der AI Act tritt 20 Tage nach seiner Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft. Während die Verbote bereits nach sechs Monaten gelten, ist die gesamte Verordnung erst in zwei Jahren anwendbar. Aktuell werden harmonisierte europäische Normen erarbeitet, die regeln sollen, wie die Verordnung in verschiedenen Anwendungsfeldern genau umgesetzt werden kann. Sie werden in allen EU-Mitgliedsländern gelten. Zudem richtet jeder Mitgliedsstaat mindestens eine autorisierte Prüfstelle sowie eine Marktüberwachungsbehörde ein, um die Verordnung auf nationaler Ebene umzusetzen.

KI Kompakt zum Download

Weitere Informationen bietet die dritte Ausgabe der Reihe KI Kompakt der Plattform Lernende Systeme, die zum kostenfreien Download zur Verfügung steht.



  • Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Die Gründungsmitglieder der Gaia-X-Initiative haben die Gründungsurkunden zur Gaia-X AISBL unterzeichnet. Interessierte Unternehmen und Initiativen sind aufgerufen, sich an der gemeinnützigen Vereinigung zu beteiligen.

    mehr lesen: Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

  • TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    Der TÜV-Verband fordert in einem Positionspapier KI-gestützte Anwendungen und Systeme — etwa automatisierte Fahrzeuge oder Roboter — in Abhängigkeit vom Risiko zu regulieren.

    mehr lesen: TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

  • Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Die Nutzung von Containertechnologien steigt, was aber gilt es bei der Auswahl zu beachten? Der Software-Entwickler Red Hat gibt Antworten darauf.

    mehr lesen: Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

  • Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Wenn Unternehmen Digitalisierungsprojekte angehen, tun sie dies oft mit einem externen Partner. Die Frage ist nur mit welchem? IFS hat in einer Studie ermittelt, welche Faktoren bei der Auswahl eine…

    mehr lesen: Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

  • Software-as-a-Service für die Fertigung

    Software-as-a-Service für die Fertigung

    Die Komplexität des Maschinenparks erschwert es oft, geeignete Parameter für den optimalen Betrieb zu definieren. Hier kommt das Startup FactoryPal ins Spiel, das mit seiner KI-basierten Lösung Abhilfe schaffen will.

    mehr lesen: Software-as-a-Service für die Fertigung

  • Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist neuer Head of Business Development bei Prime Computer für Deutschland und Österreich.

    mehr lesen: Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

  • Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Bitkom-Studie Nachhaltige Industrie durch neue Technologien Deutsche Unternehmen gehen davon aus, dass Industrie 4.0-Technologien zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen können. Viele Unternehmen haben sich bereits eine Selbstverpflichtung zu Senkung…

    mehr lesen: Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

  • Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Die Deutsche Wirtschaft erholt sich langsam. Bis das Vorkrisenniveau erreicht wird, könnte es laut Bundeswirtschaftsministerium noch bis 2022 dauern.

    mehr lesen: Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

  • Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Der Maschinen- und Anlagenbau kämpft gegen die Folgen der globalen Corona-Pandemie, aber auch gegen einen nach wie vor belastenden Protektionismus im internationalen Handel. Hinzu kommt ein industrieller Wandel, der sich…

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

  • Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Das Fraunhofer IFF baut eine neue Forschungsfabrik im Magdeburger Wissenschaftshafen. Diese soll im Herbst 2021 fertig sein und neue Forschungsschwerpunkte beheimaten.

    mehr lesen: Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

  • KIT forscht an 6G-Technologien

    KIT forscht an 6G-Technologien

    Ein am KIT in Karlsruhe entwickeltes Konzept soll hohe Datenübertragungsraten bei niedrigen Kosten ermöglichen — für die sechste Generation des Mobilfunks. Dabei haben die Forscher die bislang höchste Datenrate in…

    mehr lesen: KIT forscht an 6G-Technologien

  • Industrie erwartet Produktionsplus

    Industrie erwartet Produktionsplus

    Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich laut aktuellen Zahlen des Ifo-Instituts leicht verbessert. Im Maschinenbau kletterten die Erwartungen, nach minus 12 Punkten im Juli, wieder in den positiven Bereich.

    mehr lesen: Industrie erwartet Produktionsplus