Ein Angebotsturbo für den Vertrieb

Mit über 75 Jahren Erfahrung liefert 
H.P. Kaysser von der Konstruktion bis zur 
Serienfertigung alles aus einer Hand.
Mit über 75 Jahren Erfahrung liefert H.P. Kaysser von der Konstruktion bis zur Serienfertigung alles aus einer Hand.Bild: Simus Systems GmbH

H.P. Kaysser in Nellmersbach bei Stuttgart fertigt Komponenten und Systeme für die Metallbearbeitung. Das Portfolio umfasst einfache Blechteile sowie komplexe, mit Elektronik versehene Baugruppen. Im teilweise klimatisierten Kompetenzzentrum Zerspanungstechnik entstehen hochgenaue Baugruppen und Großteile für anspruchsvolle Projekte und Kunden. Auf über 100 meist verketteten, automatisierten Anlagen bearbeiten Experten Stahl, Guss, Edelstahl und Nichteisen-Metalle wie Aluminium in allen Variationen.

Digitale Unterstützung gesucht

„Wenn wir eine Anfrage bekommen, suchen wir nach schnelleren, besseren und stabileren Lösungen, als andere Anbieter offerieren können“, erklärt Tobias Scheffel, der vor sieben Jahren als Vertriebsingenieur zu H.P. Kaysser gekommen ist. Für ein Angebot braucht man nicht nur technisches Knowhow aus dem gesamten Leistungsspektrum, sondern auch solide Kostenfakten. „Kleine Blechteile in mittleren Serien bis 10.000 Stück müssen wir ebenso kalkulieren wie Baugruppen mit 300 bis 400 Teilen oder komplette Maschinen“, sagt Tobias Scheffel. „Weil die Komplexität und Zahl der Angebote stetig zunimmt, haben wir 2021 mit der Suche nach einer geeigneten Software begonnen.“ In einer Bachelorarbeit recherchierte Karola Roth, die heute ebenfalls im Vertrieb beschäftigt ist, mögliche Systeme.

Entscheidung für Classmate Plan

Der Auswahlprozess unter drei möglichen Anbietern führte 2022 zu einem dreimonatigen Pilotprojekt mit der Software Classmate Plan von Simus Systems. Anhand von 3D CAD-Modellen erkennt das Programm die notwendigen Arbeitsfolgen und Fertigungsparameter und ordnet sie automatisch den vorhandenen Fertigungseinrichtungen zu. Außerdem weist es für jeden Arbeitsgang Rüst- und Fertigungszeiten aus und berechnet die Kosten nach individuellen Vorgaben. Für das Pilotprojekt wurden drei typische Baugruppen zur Verfügung gestellt und eine Technologiedatenbank mit passenden Werten gefüllt. „Als kleinen Stresstest haben wir ein Bauteil von einer 3-Achs- auf eine 5-Achsfräsmaschine umgelegt und verschiedene andere Feinheiten eingebaut“, erinnert sich Tobias Scheffel. „Von den Projektergebnissen war das gesamte Vertriebsteam begeistert. Eine beeindruckende Bandbreite von Technologien wurde mit einem hohen Detaillierungsgrad kalkuliert.“

Datenqualität und technologische Erweiterungen

Komplexe Baugruppen werden in Classmate Plan abgebildet und kalkuliert.
Komplexe Baugruppen werden in Classmate Plan abgebildet und kalkuliert.Bild: Simus Systems GmbH

2023 fiel die Entscheidung für die Einführung von Classmate Plan im Vertrieb. „Da wir das Projekt neben unseren Vertriebsaufgaben vorantreiben wollten, haben wir uns bewusst die Zeit für eine detaillierte und belastbare Implementierung genommen“, berichtet Tobias Scheffel.

Eine erste Herausforderung für den Projektleiter bildete die Datenqualität: Die STEP-Modelle aus den verschiedenen CAD-Systemen unterschieden sich bezüglich der Datenqualität. Diese Kompatibilitätsprobleme wurden gelöst. Denn, je höher die Datenkonsistenz, desto besser werden auch die Kalkulationsergebnisse. Dies gilt gleichermaßen für die Inhalte der Technologiedatenbank, die zunächst recherchiert werden mussten, damit alle Leistungen mit den individuellen Daten der Fertigungseinrichtungen abgebildet werden konnten.

Für manche Technologien musste Simus Systems neue Möglichkeiten finden. So wurde in einem halben Jahr die Kalkulation der Rohr-Laserbearbeitung entwickelt. „Nachdem wir Verständnis für die Funktionsweise und Anforderungen von Classmate Plan entwickelt hatten, war die Zusammenarbeit am Einführungsprojekt sehr professionell und effektiv“, sagt Scheffel.

Vertrieb spart Zeit

Seit Oktober 2025 arbeiten Karola Roth, Marco Kurz und Tobias Scheffel als ‚Poweruser‘ mit der Software. In internen Schulungen werden nun die Kollegen an das System herangeführt. Positive Effekte für den Vertrieb zeigen sich bereits jetzt: „Wir sparen erhebliche Zeit im Kalkulationsprozess“, sagt Marco Kurz. „Die gewonnenen Freiräume füllen wir mit der Ausarbeitung technisch anspruchsvoller Lösungsansätze.“

HPK Baugruppe

Ein tieferes Verständnis von Baugruppen, die Kombination von Schweiß- und Zerspanungsprozessen und der Vergleich verschiedener Lösungsansätze kommen schließlich den Kunden zugute. Denn schnelle Reaktionen auf Anfragen mit komplexen Anforderungen werden erleichtert: „Wir können nun in deutlich kürzerer Zeit belastbare Angebote abgeben“, sagt Karola Roth. „Mit Classmate Plan erreichen wir eine höhere Kalkulationssicherheit und schließen kaufmännische wie technische Fehlerquellen aus.“ Jede Kalkulation kann von jedem Mitarbeitenden nachvollzogen werden. Dies führt zu weiteren Effekten: „Angesichts der kontinuierlich gewachsenen technischen Bandbreite und des hohen technischen Niveaus im Vertrieb ermöglicht die Software eine schnellere und bessere Qualifizierung weiterer Vertriebsmitarbeitenden“, meint Tobias Scheffel. Die Abhängigkeit von der Kapazität einzelner Kalkulationsspezialisten wird reduziert. „Kollegen können über die Kommentarfunktion und die detaillierten Angaben schnell in die Kalkulationen komplexer Baugruppen einsteigen und die Logik nachvollziehen.“

Weiterer Ausbau geplant

Mit der Implementierung von Classmate Plan im Vertrieb ist H.P. Kaysser ein Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit gelungen. Das Unternehmen kann nun mehr qualifizierte Angebote erstellen. In Zukunft soll der Einsatz der Software weiter ausgebaut und für Arbeitsvorbereitung und Fertigung erschlossen werden.