
Der Bundesverband der IT-Anwender (Voice) hat bei der EU-Kommission Beschwerde wegen Wettbewerbsverstößen gegen Broadcom/VMware eingereicht. Nach Auffassung des Awenderverbandes missbraucht Broadcom/VMware seine dominante Marktstellung im Bereich Virtualisierungssoftware.
Voice wirft Broadcom konkret vor, mit Hilfe willkürlich zusammengestellter Produkt-Bundle im Rahmen der Umstellung von Perpetual-Licencing auf Subskription „exorbitante und unfaire Preiserhöhungen“ durchzusetzen. Konkurrenten von Broadcom werde es dadurch erschwert, ihre Produkte bei den bisherigen Broadcom/VMware-Kunden zu verkaufen. Nur mit diesen missbräuchlichen Praktiken sei es Broadcom möglich, die für VMware angekündigten Umsatz- und Gewinnziele zu erreichen.
Betroffene Unternehmen beklagen Preiserhöhungen um mehrere hundert Prozent
Nach der Übernahme von VMware habe Broadcom durch die Umstellung des Angebots auf zwei Haupt-Produktbündel, die Einführung von Subskriptionsmodellen und die Einteilung der Kunden in Kategorien bewusst die Kosten für die Kunden erhöht, ohne formal die Preise für die einzelnen Produkte zu erhöhen. Kunden könnten in der Regel nicht und allenfalls nicht ohne unwirtschaftlich großen finanziellen und zeitlichen Aufwand zu einem anderen Anbieter von Virtualisierungssoftware wechseln. Im Vorfeld der Übernahme habe Broadcom versprochen, die Preise nicht anzuheben. Voice sieht in dem Verhalten einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Broadcom.
„Broadcom nutzt die Abhängigkeit seiner Kunden von den VMware-Produkten in höchst bedenklicher Weise aus“, erklärt Voice-Geschäftsführer Robin Kaufmann. „Als unabhängiger Anwenderverband, der die Interessen seiner Mitglieder vertritt, sind wir verpflichtet, gegen solche unfairen Praktiken vorzugehen. Wir haben es zunächst im direkten Dialog mit Broadcom versucht, doch es konnten keine Verbesserungen für die Nutzer erreicht werden. Das Unternehmen hat offensichtlich ausschließlich seine ehrgeizigen Finanzziele im Blick und interessiert sich überhaupt nicht für die Belange seiner Kunden.“
Insbesondere das Bundling der bisher einzeln verkauften Produkte führe zu hohen Kostensteigerungen für Anwenderunternehmen, so Voice. In den heute verfügbaren zwei Haupt-Produktpaketen werden die bisherigen Einzelprodukte gebündelt. Separat sind Einzelprodukte nur noch sehr eingeschränkt verfügbar. Für den Verband kommt erschwerend hinzu, dass Kunden immer sämtliche Produkte eines Bündels erwerben müssen, unabhängig davon, ob sie sie brauchen oder nicht: Falls sie ein weiteres Produkt benötigen, das nicht in ihrem gewählten Bündel enthalten ist, müssen sie das größere Bündel komplett erwerben. Ein sogenannter Mix and Match über die Bündelgrenzen hinweg sei nicht möglich, so Voice.
Darüber hinaus orientierten sich die Preise der Pakete immer am stärksten Bedarf: Benötigt ein Kunde z.B. deutlich mehr Lizenzen für die Servervirtualisierung als für die Speichervirtualisierung muss er trotzdem die gleiche Menge Netz-Lizenzen beziehen, wie er für die Servervirtualisierung braucht. Nach Ansicht von Voice wirken sich die negativen Bundling-Effekte doppelt aus: Der Zwang mehr Produkte zu erwerben als benötigt, führe zu einem qualitativen Bündelungseffekt. Der Zwang, mehr Lizenzen zu erwerben als benötigt, führe zu einem quantitativen Bündelungseffekt.
Außerdem setzt Broadcom nach Kenntnis von Voice Kunden, deren bisherigen Lizenzverträge auslaufen, unter erheblich Verhandlungsdruck. So verweigere der Anbieter seinen Kunden die nötige Zeit für die Umstellung, heißt es. Broadcom verweigere außerdem vertraglich vereinbarte Verlängerungsoptionen und verzögere absichtlich die Beantwortung von Anfragen, damit Kunden möglichst wenig Reaktionszeit bleibt, um gesetzte Fristen einzuhalten.
„Aufgrund dieser und vieler weiterer gravierenden Verstöße gegen den fairen Wettbewerb hat sich Voice entschlossen, den Weg der Beschwerde bei der EU-Kommission zu gehen“, erklärt Robin Kaufmann. „Wir setzen uns ein für einen fairen Wettbewerb im Software- und Cloud-Markt, der leider immer wieder durch unlautere Praktiken großer Anbieter in Frage gestellt wird. Dagegen wollen wir uns wehren.“
Ebenfalls betroffene Unternehmen können sich an Voice wenden.






































