Quantentechnologie: Die Führungsrolle entscheidet sich in einem kleinen Zeitfenster

Mark Mattingley Scott Quantum Brilliance web
Bild: Quantum Brilliance GmbH

Dr. Mark Mattingley-Scott ist Europachef des deutsch-australischen Unternehmens Quantum Brilliance. Im Interview erläutert er, warum Europa im Wettlauf um die Technologieführerschaft bei Quantencomputing an einem entscheidenden Punkt steht und welche Möglichkeiten der Kontinent als Wirtschaftsstandort hat.

Quantencomputing ist ein viel diskutiertes Thema. Was macht die aktuelle Lage so besonders?

Wir befinden uns aktuell in einem relativ kleinen Zeitfenster, in dem sich entscheidet, welcher Wirtschaftsstandort bei der Entwicklung und der großflächigen Anwendung von Quantentechnologien eine globale Führungsrolle einnehmen wird. Europa hat ausgezeichnete Chancen, sich an die Spitze zu setzen, wenn es jetzt konsequent weiter in diese zukunftsweisende Technologie investiert.

Quantum Brilliance entwickelt und produziert Europa, trotz vermeintlich hoher Standortkosten. Warum?

Es gibt viele Gründe, die für Europa sprechen. Zum einen gibt es hier hervorragend ausgebildete Fachkräfte und ein profundes Know-how für die Entwicklung neuer Materialsysteme. Ein weiterer Vorteil sind die hohe Unternehmens- sowie Lieferantendichte und nach wie vor die wirtschaftliche Stärke. In Europa und speziell Deutschland wird seit Jahrzehnten in verschiedensten Branchen sehr erfolgreich produziert, mit höchster Qualität und Innovation – von der Automobilindustrie über Maschinenbau, Chemie und Pharma bis hin zu Elektro- und Umwelttechnik. Quantentechnologien werden ihren wirtschaftlichen Nutzen genau in der Wertschöpfung dieser bestehenden Industrien entfalten. Das hat auch die EU verstanden und mit dem European Chips Act ein Instrument zur Stärkung der hiesigen Halbleiterindustrie geschaffen, das die Standortkosten abfedert und so Investitionen fördern soll.

Und wie sieht es speziell in Deutschland aus?

Es gibt bereits viele staatlich geförderte Forschungsprojekte zu Quantencomputing. Wir sind aktuell an mehreren dieser Initiativen beteiligt. Unter anderem arbeiten wir gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF und der Universität Ulm an der Herstellung von Hochleistungs-Quantenmikroprozessoren und entwickeln für die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit (Cyberagentur) den Prototyp eines mobil einsetzbaren Quantencomputers. Hinzu kommt eine Wirtschaftspolitik, die Technologie-Startups fördert und die am Ausbau der Quantencomputing-Entwicklungen interessiert ist.

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