Was der EU Data Act für Unternehmen bedeutet

Datenräume am Beispiel Maschinenbau greifbar erklärt

Datenräume dürften künftig fester Bestandteil vieler IT-Landschaften sein – doch was steht hinter dem Begriff? Vereinfacht ausgedrückt sind Datenräume dezentrale Netzwerke, in denen berechtigte Nutzer regelbasiert Daten abrufen können. Das Beispiel aus dem Maschinenbau illustriert, wie das abläuft und warum es die europäische Wirtschaft nach vorne bringen könnte.

Gemeinsame europäische Datenräume (Bild: VDMA e.V.)
Gemeinsame europäische Datenräume (Bild: VDMA e.V.)

Datenräume werden in Europa in absehbarer Zeit eine enorm wichtige Rolle spielen. In der Digitalstrategie Europas und in denen vieler Mitgliedstaaten wird beschrieben, zu welchem Zweck man diese Datenräume aufbauen möchte. So heißt es in der Datenstrategie der Bundesregierung: ‘Für einen sicheren Datenaustausch treiben wir die Entwicklung sektoraler Datenräume voran (z.B. Mobility Data Space, Mobilithek, Datenraum Kultur, Catena-X, Manufacturing-X, EHDS, NFDI, European Open Science Cloud (EOSC), Agrardatenraum, europäischer Datenraum für den Green Deal etc.) und deren dynamische Vernetzung’. In Spanien ist man sich sicher, dass der europäische Gesundheitsdatenraum Spaniens große Chance ist, Innovation und digitale Gesundheit voranzutreiben und auch Österreich wird sich einem Datenraum für Gesundheitsdaten widmen, wie Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky kürzlich bekanntgab. Ein Überblick über die aktuell rund 126 bekannten Datenraum-Projekte in Europa bietet das Dataspace-Radar des International Data Spaces e.V..4

Mehr Daten für Wirtschaft und Gesellschaft

Hintergrund für die wachsende Bedeutung von Datenräumen ist unter anderem, dass die EU Raum für eine Datenökonomie schaffen möchte. Daten sollen zu handelbaren Wirtschaftsgütern werden. Dafür hat sie neun verschiedene Datenräume benannt, die europaweit durch unterschiedliche Akteure mit Leben gefüllt werden sollen. Die EU und die Landesregierungen fördern derartige Projekte mit stattlichen Summen. Nach Ansicht der EU werden gemeinsame europäische Datenräume dafür sorgen, dass mehr Daten für die Nutzung in Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen, während Unternehmen und Einzelpersonen, die die Daten generieren, die Kontrolle behalten.

Was ist ein Datenraum?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz definiert Datenräume in einem White Paper als föderierte, offene Infrastruktur für souveränen Datenaustausch, die auf gemeinsamen Vereinbarungen, Regeln und Standards beruht. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass Dateninhaber ihre Daten nach festen Absprachen und nur mit bekannten Abnehmern teilen müssen. Unternehmen, deren Maschinen Daten generieren, können diese Daten in Datenräumen also kontrollieren. Weitergehende Informationen zu Datenräumen sind der von VDMA und ZVEI beauftragten ‘Bauplanstudie Datenraum Manufacturing-X’ zu entnehmen. Bisher waren Datenbanken die wichtigsten Tools, um Daten zu speichern und verfügbar zu machen. Künftig sollen die geschilderten Datenräume hinzukommen. Diese interagieren mit vorhandenen Datenbanken und tauschen Daten bilateral aus. Allerdings ist der Zugriffsprozess auf Daten in Datenräumen völlig anders als bei Datenbanken, was die Sache nicht leichter machen wird.

Data Act verpflichtet Maschinenhersteller

Datenräume werden zunächst vor allem im Bereich von Maschinen, Anlagen und Geräten entstehen. Das liegt insbesondere am Gesetz ‘EU Data Act’, das Hersteller von Maschinen bald europaweit dazu verpflichtet, Betriebsdaten der Maschinen an Betreiber herauszugeben. Der Datenraum scheint in diesem Zusammenhang die beste Wahl zu sein, weil die Maschinenhersteller eine gewisse Souveränität über ihre Daten behalten. Ein Beispiel soll das illustrieren: Man stelle sich mehrere Maschinen vor, an einem Ort oder über mehrere Orte verteilt. Die Nutzungsdaten dieser Maschinen, die laut EU Data Act geteilt werden müssen, sind über ein gemeinsames Portal erreichbar, quasi einem Zugang in den Datenraum hinein. Um aber überhaupt Zugang zu bekommen, muss man sich registrieren und persönliche Informationen hinterlegen. In diesem Datenraum gibt es einen Katalog, der wie eine Web-Suchmaschine funktioniert. Nutzer geben dort ein, nach welchen Daten sie suchen und bekommen den Hinweis, wo sie zu finden sind. Das weiß die Suchmaschine, weil jede Maschine entsprechende Meta-Daten bei ihr hinterlegt hat. Der Dateninteressent wird nun am Ort vorstellig, wo die Daten der ausgewählten Maschine hinterlegt sind. Daten werden also nicht zentral in einer Datenbank gespeichert, sondern dezentral am vom Maschinenhersteller bestimmten Speicherort. Das kann auf der Maschine selbst sein, auf einem Edge-Server, oder in der Cloud.

Beispiel des Datenaustausches aus der 'Bauplanstudie'. (Bild: VDMA e.V.)
Beispiel des Datenaustausches aus der ‚Bauplanstudie‘. (Bild: VDMA e.V.)

Smart Contracts vor der Datenausgabe

Der Dateninteressent, in der Grafik OEM genannt, fragt bei der Maschine in ihrer Rolle als Dateninhaber (im Beispiel ‘Tier1’) an, welche Daten er zu welchen Konditionen bekommen kann. Diese sind in einem Smart Contract (Policies) hinterlegt, dem der Dateninteressent zustimmen muss. Nach Zustimmung hat er Zugriff auf diese Daten. An dieser Stelle gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder nimmt der Dateninteressent das Datum mit und verarbeitet es an anderer Stelle weiter, oder er verarbeitet es an Ort und Stelle und nimmt nur das Ergebnis mit. Der zweitgenannte Ansatz ist unter dem Begriff ‘compute-to-data’ bekannt und verschafft dem Dateninhaber eine noch größere Datensouveränität. In diesem Fall verlassen die Daten nicht den Speicherort. Umgesetzt wird dieser Ansatz z.B. im Projekt EuProGigant, einem Leitprojekt für Gaia-X im Produktionsumfeld. Um diesen Ablauf technisch abzubilden, gibt es den sogenannten Dataspace Connector. Gerade weil es sich beim Datenraum um ein dezentrales Konzept handelt, vermitteln die Dataspace Connectoren zwischen Dateninteressent, Speicherort der Daten und der Suchmaschine.

Neue Räume für Daten und Ideen

Datenräume dürften künftig fester Bestandteil vieler IT-Landschaften sein. Es wird spannend sein zu sehen, wie das im Einzelnen technisch gelöst werden wird, gerade weil sich der Datenzugriff technisch von Datenbanken so stark unterscheidet. Anzunehmen ist jedoch, dass IT-gestützte Prozesse immer stärker integriert und idealerweise peer-to-peer ablaufen werden. Applikationen mit herkömmlichen Datenbanken werden wohl immer häufiger mit den neuartigen Datenräumen interagieren müssen. Dem Dataspace Connector wird sicherlich auch hier eine zentrale Rolle zukommen.