Verwaltungsschalen für das ESG-Reporting

470501
Bild: ©Kin no Hikari/stock.adobe.com

Eine aktuelle Studie des unabhängigen Marktforschungsinstituts Vitreous World im Auftrag von InterSystems zeigt, dass viele Unternehmen noch Schwierigkeiten haben, relevante Daten entlang der Lieferkette zu erfassen, was das ESG-Reporting erheblich erschwert. Von den Befragten sehen 42 Prozent in der fehlenden End-to-End-Transparenz und -Berichterstattung eine der momentan größten technologischen Herausforderungen der Logistik. Weitere 37 Prozent nennen die Abhängigkeit von manuellen Prozessen für die Erfassung und Analyse von Daten als größte Hürde.

Nur zwölf Prozent compliant

Daten zu den einzelnen ESG-Faktoren liegen zwar häufig in großen Mengen vor, im Regelfall jedoch in uneinheitlichen Formaten und verschiedenen IT-Systemen. Das erschwert den Zugriff auf die Daten und auch ihre Analyse. Laut Studie ist es für Unternehmen vor allem schwierig, Daten über Treibhausgasemissionen zu beschaffen. Beim ESG-Reporting kommt es auch auf den Austausch mit Partnern und Lieferanten in der Supply Chain an, die über für die eigene Übersicht wichtige Daten verfügen. Doch 43 Prozent der Unternehmen klagen über eine unzureichende Berichterstattung der Partner und Lieferanten. Von den Unternehmen selbst erfüllen im Bereich der Logistik lediglich zwölf Prozent bereits die Compliance-Anforderungen in den USA und Europa. Weitere 26 Prozent gehen davon aus, das in den nächsten zwölf Monaten zu erreichen.

AAS statt Datenchaos

Ein Blick auf den Zustand des Datenmanagements in den Unternehmen erklärt zum Teil ihre Schwierigkeiten: Die Mehrheit der Befragten (81 Prozent) nutzt manuelle Prozesse, alte und verschiedene IT-Systeme von verschiedenen Anbietern, um Daten aus verfügbaren Quellen zusammenzuführen und aufzubereiten. Nur 48 Prozent setzen auf eine Decision Intelligence Data Platform (DSML). Das kostet zum einen Zeit und Ressourcen, zum anderen erhöht es die Fehleranfälligkeit. Ein vielversprechender Ansatz für mehr Transparenz in der Logistik liegt in dem Konzept der Verwaltungsschalen oder Asset Administration Shells (AAS).

Daten weitaus besser erfassen

Verwaltungsschalen sind standardisierte digitale Zwillinge, die reale Objekte virtuell abbilden. Als Grundlage dafür kann die Standardisierung der Industrial Digital Twin Association (IDTA) dienen. Der offene und branchenunabhängige Standard legt den Aufbau und die Nomenklatur des Datenmodells fest. Eine Verwaltungsschale kann einen Überblick über alle Daten bieten, die zu einem Gegenstand vorliegen. Dazu zählen fertige Produkte oder einzelne Komponenten. Diese Daten werden über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg in Verwaltungsschalen erfasst und strukturiert. Wenn Unternehmen, Partner und Lieferanten das Konzept systematisch umsetzen, versetzt sie das in die Lage, Daten einfach und schnell auszutauschen. Sie müssen dafür nur die Verwaltungsschalen mitsamt der Daten untereinander weitergeben, wie es etwa für das ESG-Reporting unerlässlich ist.

Neue Datenarchitektur als Voraussetzung

Moderne Datenplattform können helfen, Verwaltungsschalen mit Informationen anzureichern. Ihre Funktionen ermöglichen es, eine große Menge unterschiedlicher Daten aus diversen internen und externen Quellen zu erfassen, zu verarbeiten und in einer Single Source of Truth (SSOT) zu vereinen. Diese Datenbasis geht anschließend in Verwaltungsschalen ein. Zum Einrichten einer solchen Systemumgebung eignet sich das Architekturmodell des Data Fabric. Ein Data Fabric legt sich wie ein Bindegewebe (daher auch der englische Begriff Fabric) über und zwischen die Systeme, Anwendungen und Services. Diese Interoperabilitätsebene führt Daten aus den verfügbaren Quellen zusammen, weshalb selbst ältere Systeme nicht unbedingt getauscht werden müssen.

Transparenz für die Berichtspflicht

Mit Verwaltungsschalen bleiben alle wichtigen Daten im Blick. Einzelne Angaben, wie beispielsweise zum CO2-Fußabdruck eines Produkts, sind übersichtlich abrufbar. In Bezug auf das ESG-Reporting können Unternehmen den Beteiligten deshalb einfacher und vor allem korrekt Auskunft geben. Dadurch erfüllen sie ohne großen weiteren Aufwand die Compliance-Anforderungen und liefern Behörden und Partnern bei Bedarf belastbare Daten auf Knopfdruck. Diese Transparenz hilft außerdem dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen und gezielt Maßnahmen zu ergreifen, die den ESG-Kriterien entsprechen. Zum Beispiel senkt die Optimierung von logistischen Prozessen potenziell CO2-Emissionen, was natürlich eines der angestrebten Ziele hinter den Verordnungen ist.

Mehrwerte von Verwaltungsschalen nutzen

Da die Umsetzung von Verwaltungsschalen Zeit kostet, sollten sich interessierte Unternehmen früh mit dem Thema befassen. Doch einmal eingeführt, enthalten Verwaltungsschalen potenziell auch relevante Daten für andere Anwendungsfälle, die weit über die Erfüllung von Berichtspflichten hinaus Nutzen stiften können. Anhand der Daten verstehen beispielsweise Unternehmen der Industrie besser, was alles in der eigenen Produktion und Logistik passiert. Auf diese Weise erkennen sie schnell Potenziale, um die Produktionsqualität zu steigern oder Kosten zu senken – zentrale Faktoren für langfristige Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Erfolg. Der branchenübergreifende Einsatz des Konzepts weist in die Zukunft eines Datenmanagements mit vielfältigen Vorteilen, die vielerorts noch längst nicht ausgeschöpft sind.



  • In der Krise mehr digitalisieren

    In der Krise mehr digitalisieren

    52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben bezüglich der digitalen Transformation erhöhen. Dies hat der Business-Software-Anbieter IFS in einer Studie ermittelt für die weltweit mehr als 3.032 Führungskräfte befragt wurden.

    mehr lesen: In der Krise mehr digitalisieren

  • Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

    Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

    Bosch Rexroth gibt einige Veränderungen in der Geschäftsführung bekannt. Unter anderem tritt Filiz Albrecht die Nachfolge von Christoph Kübel an, der zum Jahresende in den Ruhestand geht.

    mehr lesen: Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

  • Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

    Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

    Der exportorientierte deutsche Maschinenbau wurde von der weltweiten Corona-Pandemie hart getroffen. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Darauf deuten sowohl die aktuelle Stimmungslage sowie die Konjunktur- und Umsatzprognose…

    mehr lesen: Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

  • Cyber Security for Critical Infrastructures

    Cyber Security for Critical Infrastructures

    Die zunehmende Digitalisierung von Unternehmen und die damit einhergehende Vernetzung praktisch aller Gebiete schaffen ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig entstehen durch die zunehmende Vernetzung aber auch neue Gefahren und Cyberangriffe…

    mehr lesen: Cyber Security for Critical Infrastructures

  • Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

    Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

    In einer weltweiten Studie haben TÜV Rheinland und das Marktforschungsinstitut Ponemon untersucht, wie es um die Cybersicherheit von Industrieanlagen bestellt ist. Demnach ist die Operational Technology besonders gefährdet.

    mehr lesen: Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

  • Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

  • Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Im vergangenen Jahr haben 76 Prozent der Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud in Anspruch genommen. Dies geht aus einer Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.

    mehr lesen: Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

  • Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

    Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

    Die überwiegende Zahl der Maschinenbauer ist zuversichtlich, mittelfristig auf das nominale Umsatzniveau von 2019 zurückzukehren. So lautet die Kernbotschaft der sechsten VDMA-Blitzumfrage zur Corona-Pandemie, an der 658 Unternehmen teilnahmen.

    mehr lesen: Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

  • Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

    Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

    Google Cloud wird künftig verstärkt OPC UA nutzen, um Maschinendaten zur Verarbeitung an die eigene Infrastruktur zu übertragen. Dafür tritt die Firma der OPC Foundation als 773. Mitglied bei.

    mehr lesen: Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

  • Zukünftig weniger Dienstreisen?

    Zukünftig weniger Dienstreisen?

    Wie aus der aktuellen Ifo-Konjunkturumfrage hervorgeht, will mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen — vor allem aus der Industrie — im Zuge der Coronakrise Geschäftsreisen dauerhaft zurückfahren.

    mehr lesen: Zukünftig weniger Dienstreisen?

  • Besser aus der Krise kommen

    Besser aus der Krise kommen

    Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind groß, dennoch birgt die aktuelle Krise auch positives. Laut einer Umfrage des VDI führt die aktuelle Situation dazu, dass sich Unternehmen digitaler und krisenfester…

    mehr lesen: Besser aus der Krise kommen

  • Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau

    Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau

    Die Maschinenbau-Branche leidet unter den Folgen von Covid-19. Doch die Ursachen für die Probleme liegen tiefer. Das zeigt die jüngste Studie von Inform: ‚Trendreport 2020 für den Maschinen- und Anlagenbau:…

    mehr lesen: Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau