Beim sogenannten Vibe Coding entsteht der Quellcode zu großen Teilen durch Eingaben in Form von Prompts. In der Regel beginnt dieser Ansatz mit einer groben Idee und dem Ziel, möglichst schnell eine lauffähige Anwendung zu erstellen. Anstatt alles im Voraus detailliert zu planen, wird die Anwendung schrittweise entwickelt, getestet und angepasst. So entsteht mithilfe generativer KI in kurzer Zeit ein funktionaler Code, der sich früh erproben und weiterentwickeln lässt. Die wachsende Beliebtheit dieses Ansatzes lässt sich u.a. mit deutlich gesunkenen Einstiegshürden erklären. Entscheidend ist dabei, wie Prompts formuliert werden, damit die Ergebnisse zuverlässig sind und nicht nur gute Demos liefern. Gutes Prompting entwickelt sich derzeit entlang zweier Pfade. Beim Vibe Coding, also dem Prompting aus der Prototyping-Perspektive, liegt der Fokus auf der Beschreibung des gewünschten Ergebnisses statt auf dem Mikromanagement einzelner Schritte. Es geht darum, klare Zielzustände zu formulieren: Was soll entstehen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Anforderungen? Das ist in der Industrie vor allem in frühen Innovationsphasen relevant, etwa beim Rapid Prototyping, bei digitalen Zwillingen oder bei MVPs für neue Maschinen. Der zweite Pfad ist die agentenbasierte Softwareentwicklung, bei der Sprache genutzt wird, um Systeme gezielt zu steuern. Dabei kommen KI-Agenten zum Einsatz, also Systeme, die Aufgaben eigenständig ausführen und mehrere Schritte miteinander verknüpfen können. Hier braucht es eine deutlich präzisere Spezifikation von Anforderungen, Abläufen und Prozessen. Prompts werden hier zu wiederverwendbaren Bausteinen, die wie kurze Spezifikationen funktionieren.
Nutzen und Grenzen
Während Vibe Coding in frühen Entwicklungsphasen überzeugt, zeigt sich im industriellen Betrieb schnell die eigentliche Herausforderung: Hier müssen Anwendungen zuverlässig mit bestehenden Systemen interagieren und Daten konsistent verarbeiten. Änderungen an einer Stelle haben schnell Auswirkungen an anderer. Vibe Coding stößt hier schnell an Grenzen. Die Erstellung und Wartung von Produktionssystemen bleibt fehleranfällig, da sich kleine Fehler im generierten Code über viele Iterationen hinweg summieren können. Zusätzlich entsteht ein Risiko, wenn Verantwortung und Verständnis für die Codebasis nicht klar geregelt sind. Auch das Fraunhofer-Institut weist darauf hin, dass Vibe Coding vor allem durch seine Zugänglichkeit und Geschwindigkeit punktet, die Risiken jedoch mit der Komplexität und Kritikalität der Anwendung deutlich steigen. Hinzu kommt, dass die hohe Iterationsgeschwindigkeit agentenbasierter Entwicklung etablierte Prozesse und bestehende Zusammenarbeitsmodelle unter Druck setzt.
Leitplanken für den Einsatz
Wollen sich Unternehmen diesen Ansatz zunutze machen, sollten sie in klar abgegrenzten Einsatzbereichen beginnen, um notwendige Anpassungen an Prozessen und Qualitätsmechanismen frühzeitig zu erkennen. Hier eignen sich etwa Testautomatisierung und testgetriebene Entwicklung, da sich der Nutzen dort schnell und zuverlässig überprüfen lässt. Mit zunehmender Integration in andere Unternehmenssysteme steigt zugleich die Notwendigkeit für klare Governance-Strukturen. Richtig eingesetzt, lassen sich mit der so beschleunigten Entwicklung echte Fortschritte erzielen.








































