Analytics-Strategien mit Microsoft Fabric: Data Mesh statt Data Hoarding

shutterstock 1805270752 golden 2
Bild: ©Andrey Popov/shutterstock.com

In der Praxis wird immer wieder deutlich, wie schwer sich viele Unternehmen damit tun, eine übergreifende KI- und Datenstrategie zu entwickeln. Neben der Vielfalt an verfügbaren Anwendungen und Use Cases liegen die größten Herausforderungen oft in den fehlenden Data- und IT-Ressourcen und der Frage, wie Datenerfassung, Datenqualität, Datenschutz und Datensicherheit für jeden Anwendungsfall aufgesetzt werden sollen. Die Anbindung relevanter Systeme stellt eine weitere Hürde dar. Es gab in den letzten Jahren mit Technologien wie Microsoft Synapse bereits den Ansatz, einige Aufgaben rund um Data Analytics zu vereinfachen, die zuvor nur von Datenspezialisten erledigt werden konnten. Mit Microsoft Fabric ist eine neue Plattform verfügbar, die Analysetechnologien für mehr Menschen im Unternehmen zugänglich machen soll. Zwar standen viele der Analyse- und KI-Services auch bisher schon bereit. Der Unterschied besteht darin, dass es nicht mehr wie etwa bei Synapse um Infrastruktur-as-a-Service für Data Analytics geht, sondern um ‚Software as a Service‘. Auf der Plattform sollen vom Data Engineer bis zum Fach-User alle Beteiligten zusammenarbeiten, um Analysetypen wie Reporting und Business Intelligence bis hin zu KI-Vorhersagemodellen einzusetzen.

Datenmanagement zu komplex

Dafür werden Daten aus sämtlichen Quellen (auch Multicloud-Umgebungen) abgeholt und zentral analysiert, anstatt Daten immer wieder für unterschiedliche Anwendungen zu kopieren. Microsoft hat dafür verschiedene Technologien unter einem Dach zusammengefasst, mit Power BI als visueller Plattform und dem KI-Assistenten Copilot, der für einen Paradigmenwechsel stehen kann. Ein zentraler Aspekt ist der OneLake-Ansatz, der dafür sorgt, dass die Daten nicht mehr aufwendig dupliziert und synchronisiert werden müssen. Hinter dem Ansatz steht die Idee des Data Mesh, das sich vom bisherigen Enterprise-Analytics-Konzept wegbewegt. Die PwC-Studie Changing Data Platforms zeigt, dass sich 60 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten schon mit Data-Mesh-Architekturen befassen. Gerade bei größeren oder stark datengetriebenen Organisationen gilt, dass ein klassisches, bisher häufig angestrebtes zentrales Datenmanagement irgendwann zu komplex wird.

Lokale Data Lakehouses

Deshalb lässt sich die Datenlandschaft in Fabric auf Basis von OneLake dezentral domänenspezifisch aufbauen. Einzelne Domänen wie Produktion, Beschaffung, Sales oder Entwicklung speichern ihre Daten beispielsweise in dezentralen fachbereichseigenen Data Lakeshouses. Jeder Bereich übernimmt die Verantwortung (Data Ownership) für seine Daten, mit einem Product Owner, der das Knowhow für die jeweiligen Daten mitbringt. Die Vorteile der Zentralisierung werden allerdings nicht aufgegeben, denn es gibt eine zentrale Governance über alle Daten hinweg.

Datenanalyse im Wandel

Mit sogenannten Short Cuts können Daten geteilt werden, ohne sie zu kopieren. So wird etwa auch die Hürde von Daten in Multicloud-Umgebungen überwunden, da OneLake Cloud-übergreifend funktioniert. Für das Teilen werden zentrale Regeln in einem ‚Federal Decision Making Model‘ definiert. So schließt etwa die Produktion einen Vertrag mit der Beschaffung ab, um festzulegen, welche Daten wie bereitgestellt werden. Die wohl weitreichendste Änderung besteht in der Verbindung mit Generative AI wie ChatGPT, die in der Microsoft-Welt mit der Assistenztechnologie Copilot direkt in die Prozesse integriert ist. Im Zusammenspiel mit Low Code-Ansätzen in einer visuellen Oberfläche lassen sich z.B. ohne Data-Engineering-Kenntnisse Anfragen stellen, für die bisher IT-Entwicklungsarbeit nötig war. In der Produktion können das Analysen rund um die Produktqualität oder das Maschinenverhalten sein, indem mit natürlicher Sprache die Daten ausgewählt, in Beziehung gesetzt und ausgewertet werden.

Prozess einfacher verbessern

Auf einer solchen Plattform lassen sich KI-Anwendungsszenarien oft deutlich einfacher umsetzen. KI kann beispielsweise helfen, die Anforderungen von Kunden in die eigene Sprache zu übersetzen. Ein Maschinenbauer könnte also das Lastenheft des Kunden automatisiert auf die benötigten Teile herunter brechen, um leichter ein Angebot zu erstellen. Potenzial gibt es auch im Servicebereich: Wenn etwa der Kunde eines Anlagenbauers meldet, dass es an einer bestimmten Stelle der Anlage Probleme gibt, kann die KI bereits Fehlerberichte aus bisherigen Instandhaltungsmaßnahmen und Ticketsystemen analysieren und sämtliche Informationen zur Fehlerbehebung zusammentragen. KI lässt sich nicht nur nutzen, um Angestellte in der jeweiligen Sprache durch einen Prozess zu leiten, sondern auch um in Echtzeit Feedback zu geben, wie die Bearbeitung eines Prozessschritts verbessert werden kann. Hier verändern sich derzeit die Möglichkeiten durch Bilderkennung mit Videotechnologie und die zunehmend leistungsfähigen KI-Modelle stetig weiter.

Nutzen und Kosten abwägen

Ob der Wechsel auf eine Plattform wie Fabric sinnvoll ist, hängt stark von der konkreten Ausgangssituation ab. In Workshops lassen sich die Potenziale ermitteln und genauer bestimmen, inwieweit die bestehende Landschaft zukunftsfähig ist. Aus Kostensicht ist zu klären, was es bringt, kein externes Data-Sciences-Wissen mehr einkaufen zu müssen – und wie viel mehr Innovation so im Unternehmen möglich wird. Es muss eine ausreichende Kapazität vorhanden sein, damit sich Data Analytics as a Service rechnet. Nicht zu vergessen: Beim kulturellen Wandel hin zum datengetriebenen Unternehmen ist jenseits der Datenarchitektur vor allem die Etablierung einer Datenkultur entscheidend. Damit ist nicht gemeint, dass man zum IT-Unternehmen wird, in dem jeder und jede IT-Knowhow haben muss. Diese Lücke füllen KI-Assistenten. Es braucht jedoch die Sicht auf Daten als Produkte, für die es jeweils verantwortliche Product Owner gibt.



  • Software-Erweiterung bei Renesas

    Software-Erweiterung bei Renesas

    Renesas Electronics veröffentlicht ein neues Update seines Flexible Software Package (FSP) für die 32Bit-Arm-Cortex-m-Mikrocontroller (MCUs) der RA-Familie.

    mehr lesen: Software-Erweiterung bei Renesas

  • IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    Die IG Metall hat ein Eckpunktepapier verabschiedet, das Betriebsräten bei der Umsetzung von Gesundheitsschutzmaßnahmen im Betrieb unterstützen soll.

    mehr lesen: IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

  • Wo steht die IT-Sicherheit?

    Wo steht die IT-Sicherheit?

    Cyberangriffe nehmen nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Raffinesse zu. Allerdings beeinträchtigt der IT-Fachkräftemangel viele Unternehmen bei der Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen.

    mehr lesen: Wo steht die IT-Sicherheit?

  • Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Etwa jeder zweite Manager gibt sich die Note ‘gut‘ oder ‘sehr gut‘, wenn es um die eigene Digitalkompetenz geht. Wie die Studie des Bitkom zeigt, ist unter den Befragten jedoch…

    mehr lesen: Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

  • Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Die Konjunkturlage trübt sich ein. Wie das Wirtschaftsinstitut ZEW mitteilt, rechnen die befragten Finanzexperten jedoch mit einer langfristigen Erholung. Das Niveau von vor der Corona-Krise soll jedoch erst im Jahr…

    mehr lesen: Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

  • Update für Industrie 4.0

    Update für Industrie 4.0

    Den gemeinnützigen Verein SmartFactory KL treibt das Ziel, die Ansätze von Industrie 4.0 verstärkt in der Produktionspraxis zu bringen. Im Rahmen der Initiative wurden deshalb bereits realitätsnahe Lösungen, erste Produkte…

    mehr lesen: Update für Industrie 4.0

  • Jennifer Morgan verlässt SAP

    Jennifer Morgan verlässt SAP

    Co-CEO Jennifer Morgan verlässt SAP Ende April. Wie der Softwarekonzern mitteilt, wird Christian Klein das Unternehmen zukünftig alleine führen.

    mehr lesen: Jennifer Morgan verlässt SAP

  • Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Eine Szenarienrechnung des Ifo-Instituts zeigt, dass im Gegensatz zur Finanzkrise 2009 die Wirtschaft aller Bundesländer gleichermaßen vom aktuellen ‘Shutdown‘ betroffen ist.

    mehr lesen: Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

  • Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Cybersecuritybedrohungen für kritische Infrastrukturen steigen und stellen eine erhebliche Gefahr für Mitarbeiter sowie ein finanzielles Risiko dar.

    mehr lesen: Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

  • VDMA-Blitzumfrage

    VDMA-Blitzumfrage

    In einer dritten Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutsche Maschinenbau zeigt sich eine Verschiebung. Viele Unternehmen berichten von Stornierungen und Auftragseinbußen.

    mehr lesen: VDMA-Blitzumfrage

  • Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Die Große Koalition will die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte über zwölf Monate hinaus verlängern. Davon könnten viele Maschinenbauer profitieren.

    mehr lesen: Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

  • Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth hat 2019 mit 6,2Mrd.€ einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielt. Profitiert hat das Unternehmen dabei vor allem von seinem soliden Kerngeschäft mit Hydraulik sowie dem weiteren Ausbau des Angebots…

    mehr lesen: Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau