Peter Schneck, CEO Cenit: PLM und ERP strategisch gleichwertig

Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, brauchen Fertigungsunternehmen einen ganzheitlichen Blick auf ihre produktbezogenen Daten. Diesen liefert Software für das Product Lifecycle Management.
Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, brauchen Fertigungsunternehmen einen ganzheitlichen Blick auf ihre produktbezogenen Daten. Diesen liefert Software für das Product Lifecycle Management. – Bild: ©Gorodenkoff/istockphoto.com

Der deutsche Mittelstand war schon immer Innovationstreiber. Hidden Champions haben viele innovative Ideen hervorgebracht und Deutschlands internationalen Ruf als führende Industrienation über Jahrzehnte geprägt. Ihre Strukturen bieten dafür ideale Voraussetzungen: Beschäftigte sind oft nah an Produkt und Prozessen, kennen die Kunden und handeln mit großer Eigenverantwortung. Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege ermöglichen es, flexibel und schnell zu agieren – ein klarer Vorteil in dynamischen Märkten. Die aktuellen Zeiten machen es für den deutschen Mittelstand jedoch immer schwieriger, seine Position als technologischer Innovationsführer zu halten. Geopolitische Spannungen und protektionistische Tendenzen stellen Lieferketten auf die Probe. Rohstoffknappheit, steigende Materialkosten und Fachkräftemangel erschweren eine verlässliche Produktionssteuerung. Gleichzeitig schrumpfen Marktzyklen und der Innovationsdruck steigt. Reaktionsgeschwindigkeit und Innovationskraft sind gefragt, um weiterhin Teil des Spitzenfeldes zu sein.

Zugriff auf Produktionsdaten

An der Digitalisierung der Fertigung führt somit kein Weg vorbei. Darüber, wie konkret das in der Umsetzung aussieht, besteht jedoch oft noch Unklarheit. Die Idee, man müsse nur Papier durch Daten ersetzen und ein paar Ordner entsorgen, um von digitalisierten Prozessen sprechen zu können, greift zu kurz. Im besten Fall schafft eine digitalisierte Fertigungsstrecke die nötige Datenbasis, um innerhalb kurzer Zeit fundierte Entscheidungen treffen zu können. Dies ist ganz überwiegend eine Frage der eingesetzten IT-Systeme, und genau dort liegt das Problem: Viele Firmen blicken auf fragmentierte Systemlandschaften, die von isolierten Anwendungen und Datensilos geprägt sind.

Peter Schneck, CEO Cenit
Peter Schneck, CEO Cenit – Bild: Cenit AG

Unter solchen Bedingungen fehlt Entscheidungsträgern fehlt Entscheidungsträgern eine ganzheitliche Sicht auf ihre Daten, den sie jedoch bräuchten, um informiert zu entscheiden. Als zentrale Informationsquelle wird oft das ERP-System herangezogen. Diese Systeme bieten zwar wesentliche Kennzahlen zu Warenbeständen, Finanzen oder Produktionskosten. Einen Einblick in konkrete Prozessabläufe, etwa in der Fertigung, liefern sie allerdings nicht. Dabei sind produktbezogene Informationen essentiell, um als fertigendes Unternehmen ein ganzheitliches Bild der eigenen Abläufe zu erhalten. Ein echter Nutzen entsteht erst, wenn Daten aus verschiedenen Quellen miteinander verknüpft werden, also aus ERP-Systemen, Fertigungsprozessen, manuellen Aufzeichnungen, Papierdokumenten oder auch technischen Handbüchern. Dies schafft eine breite, konsistente Datenbasis, auf deren Grundlage Entscheidungen getroffen werden können – nicht nur in Bezug auf Bestände und Kosten, sondern hinsichtlich der Optimierung von Produktionsprozessen.

PLM schafft Verbindung

Tools für das Product-Lifecycle-Management (PLM) schaffen diesen Konnex. Aus strategischer Sicht sind sie daher gleichwertig wie ERP-Systeme zu betrachten. Sie sammeln und verbinden Daten entlang der gesamten Produktlebensdauer, von der Konzeption über das Engineering, die Validierung und Fertigung bis zum Vertrieb und dem abschließenden Recycling. Dadurch wird ersichtlich, welche Materialien wann und in welcher Menge im Einsatz sind. Zudem eröffnet dies Einblicke in Produktionsabläufe und Produktnutzung, die zeigen, wo Ineffizienzen oder Schwachstellen liegen. Hersteller haben so die Möglichkeit, Optimierungspotenziale zu erkennen und zu nutzen, sowohl hinsichtlich Produktqualität als auch mit Blick auf Prozesseffizienz.

Neue Perspektiven für den Mittelstand

Zugleich schaffen PLM-Systeme Raum für Innovation, etwa durch Simulationstechnologien wie den digitalen Zwilling. Die Möglichkeit, Prozesse, Produkte oder Prototypen virtuell abzubilden und zu testen, bevor ein physisches Modell entsteht, erlaubt Unternehmen, Innovation gezielter und ressourcenschonender voranzutreiben.

Die polarisierte Weltlage bietet für den Produktionsstandort Deutschland eine Chance, sich als verlässlichen industriellen Partner zu positionieren. Ein aktueller, systemübergreifender Datenzugriff ist dafür wesentliche Voraussetzung.
Die polarisierte Weltlage bietet für den Produktionsstandort Deutschland eine Chance, sich als verlässlichen industriellen Partner zu positionieren. Ein aktueller, systemübergreifender Datenzugriff ist dafür wesentliche Voraussetzung. – Bild: ©Gorodenkoff/istockphoto.com

Technologien wie diese werden aktuell jedoch oft unterschätzt. Dabei versprechen sie in technologischer sowie in betriebswirtschaftlicher Hinsicht Vorteile in Form von Einsparungen, höherer Produktivität oder neuen Absatzmöglichkeiten. Darüber hinaus eröffnen sie Unternehmen Chancen für neue, datengestützte Geschäftsmodelle. So entwickeln sich manche klassischen Hersteller, insbesondere im Maschinenbau, bereits von reinen Produzenten zu integrierten Dienstleistern. Etwa dann, wenn Maschinenhersteller automatisch die Wartung übernehmen oder ungenutzte Kapazitäten vermieten.

Zeit für eine neue Rolle

In einer zunehmend polarisierten Welt ist Deutschland gut beraten, sich neu zu positionieren: als industrieller Partner, der Verlässlichkeit, Qualität und digitale Souveränität miteinander vereint. Voraussetzung dafür ist, dass der Mittelstand in Sachen Digitalisierung aufschließt. Ein aktueller, systemübergreifender Datenzugriff, ist dabei kein technisches Detail, sondern erfolgskritisch. Die durchgängige Digitalisierung – insbesondere des Produktentstehungsprozesses (PEP) – muss zur Chefsache werden. Denn genau hier liegen entscheidende Hebel, um Effizienz, Profitabilität und Innovationsfähigkeit zu steigern. PLM-Systeme gehören deshalb auf die Agenda des C-Levels, strategisch gleichwertig zum ERP-System.



  • Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

    Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

    Der Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt mit seiner Engineering-Roadmap und den darin enthaltenen Themenblöcken einen Rahmen für konkrete Forschungsschwerpunkte der nächsten zehn Jahre vor. Im Mittelpunkt stehen vier Hauptthemen.

    mehr lesen: Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

  • Eine gemeinsame Sprache für Daten finden

    Eine gemeinsame Sprache für Daten finden

    Unternehmen treffen Entscheidungen meist auf Basis von strukturierten Daten. Dabei haben auch unstrukturierte Daten Erkenntnisse zu bieten. Der Software-Spezialist Progress erläutert, wie Unternehmen die beiden Datentypen zu einem sinnvollen Ganzen…

    mehr lesen: Eine gemeinsame Sprache für Daten finden

  • IFS ernennt Hannes Liebe zum COO für Nord-, Ost und Zentraleuropa

    IFS ernennt Hannes Liebe zum COO für Nord-, Ost und Zentraleuropa

    Hannes Liebe übernimmt ab sofort die Position des neuen Chief Operation Officer (COO) von IFS für die Region Nord, Ost und Zentraleuropa.

    mehr lesen: IFS ernennt Hannes Liebe zum COO für Nord-, Ost und Zentraleuropa

  • SPS ab 2025 wieder Ende November

    SPS ab 2025 wieder Ende November

    Die SPS wird im nächsten Jahr (2025) vom 25. bis zum 27. November in Nürnberg stattfinden und somit wieder auf den seit vielen Jahren bekannten Zeitraum zurückkehren. Auch die Termine…

    mehr lesen: SPS ab 2025 wieder Ende November

  • Was Unternehmen gegen Produktpiraterie tun können

    Was Unternehmen gegen Produktpiraterie tun können

    Produktpiraterie verursacht immense Schäden in Wirtschaft und Gesellschaft – Eine neue Broschüre des Deutschen Patent- und Markenamts informiert, wie sich Unternehmen dagegen schützen und wehren können.

    mehr lesen: Was Unternehmen gegen Produktpiraterie tun können

  • Mit künstlicher Intelligenz gegen Krisen

    Mit künstlicher Intelligenz gegen Krisen

    Wie künstliche Intelligenz dabei helfen kann, Krisensituationen wie etwa Naturkatastrophen oder Krankheiten besser zu bewältigen, präsentierten Forschende aus unterschiedlichen Projekten auf dem Demo Day ’KrisenFest’.

    mehr lesen: Mit künstlicher Intelligenz gegen Krisen

  • Stackit und ServiceNow schließen Partnerschaft

    Stackit und ServiceNow schließen Partnerschaft

    ServiceNow-Lösungen können künftig auch in der Stackit-Cloud der Schwarz Gruppe (u.a. Lidl und Kaufland) gehostet werden. Beide Unternehmen haben dazu eine Partnerschaft vereinbart.

    mehr lesen: Stackit und ServiceNow schließen Partnerschaft

  • Optimistische Aussichten für den Maschinenbau in Indien

    Optimistische Aussichten für den Maschinenbau in Indien

    Indien wird für deutsche und europäische Maschinenbaufirmen zunehmend attraktiv. Die Wachstumserwartungen vor Ort sind aktuell sehr optimistisch.

    mehr lesen: Optimistische Aussichten für den Maschinenbau in Indien

  • Auftragsmangel belastet die Wirtschaft

    Auftragsmangel belastet die Wirtschaft

    Der Auftragsmangel in Deutschland hat sich laut aktuellen Zahlen des Ifo-Instituts verschärft und ist ein Hemmnis für die Konjunktur.

    mehr lesen: Auftragsmangel belastet die Wirtschaft

  • Der Dataspace for Everybody ist da

    Der Dataspace for Everybody ist da

    Am Dienstag (7. Mai) fand die offizielle Eröffnungsfeier des AAS Dataspace for Everybody statt. Die Plattform soll kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Datenräumen, digitalen Zwillingen und Verwaltungsschalen erleichtern.

    mehr lesen: Der Dataspace for Everybody ist da

  • Achema 2024 wird internationaler denn je

    Achema 2024 wird internationaler denn je

    Am 10. Juni wird die Achema eröffnet. Und wie die Veranstalter mitteilen, wird die diesjährige Ausgabe internationaler denn je. Mehr als 60 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland. Ein…

    mehr lesen: Achema 2024 wird internationaler denn je

  • Axians Deutschland richtet Struktur und Management neu aus

    Axians Deutschland richtet Struktur und Management neu aus

    Jacques Diaz, CEO von Axians Deutschland, wird das Unternehmen Ende August verlassen. Im Rahmen einer Neuausrichtung entstehen zwei neue Management-Bereiche, die mit Managern aus den eigenen Reihen besetzt werden.

    mehr lesen: Axians Deutschland richtet Struktur und Management neu aus