Vom GS1-2D-Code zum Digital Product Passport

gs1 OMRON
Bild: Omron

Ab spätestens 2030 sollen Produkte in der EU zumindest in manchen Branchen eine digitale Identität in Form des digitalen Produkt Passes (DPP) tragen. Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR, Ecodesign for Sustainable Products Regulation) verpflichtet Hersteller, standardisierte Produktdaten digital bereitzustellen, zugunsten von Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Rückverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Der Automatisierungsspezialist Omron weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass diese Transparenz erst durch den Umstieg auf GS1-2D-Codes praktisch umsetzbar wird. Diese ermöglichen es, zusätzliche Informationen und Links zu digitalen Datensätzen bereitzustellen. Dadurch steigen jedoch die Anforderungen an Druckqualität, standardkonforme Verifizierung sowie an die Integration und Validierung von Daten über Produktion, Qualität und IT hinweg. Omron betont, dass es nicht genügt, wenn ein Code lesbar ist. Er müsse die relevanten ISO- und GS1-Qualitätskriterien zuverlässig erfüllen.

Um Hersteller, Maschinenbauer und Systemintegratoren dabei zu unterstützen, ihre Bildverarbeitungs- und Inspektionssysteme vorzubereiten und ihre Prozesse rechtzeitig darauf auszurichten, hat der Automatisierungsspezialist einen Leitfaden mit sechs Schritten zusammengestellt.

1. Bestehende Barcode-Prozesse analysieren und überprüfen

Zunächst betont Omron, dass es wichtig ist, den Status quo sauber zu erfassen. Wie werden Barcodes heute erzeugt, gedruckt, geprüft und weiterverarbeitet? Welche Codetypen kommen zum Einsatz, wo werden sie aufgebracht, und wie wird Qualität bewertet? Typische Fehlerquellen wie geringer Kontrast, ungleichmäßiger Druck oder Fehlausrichtung sollten dokumentiert werden, ebenso wie Offline-Qualitätskontrollen, Inline-Prüfungen und die nachgelagerte Datenverarbeitung.

2. Geforderte Daten und Anwendungsfälle definieren

Im zweiten Schritt empfiehlt Omron, festzulegen, welche GS1-Daten pro Produkt, Markt oder Kunde künftig benötigt werden (zum Beispiel Charge/Los, Mindesthaltbarkeitsdatum, Serialisierung, Links). Wichtig sei, früh zu klären, wie diese Daten codiert, validiert, gespeichert und zwischen Produktionssystemen, Qualitätssystemen und IT-Plattformen übertragen werden. Eine enge Abstimmung zwischen Qualität, Betrieb und IT reduziert spätere Inkonsistenzen.

3. 2D-Druck testen

Bevor in Serie gegangen wird, sollte der 2D-Druck laut Omron-Leitfaden unter kontrollierten Bedingungen getestet werden. Der Automatisierungsspezialist betont, dass dabei Verifizierung zentral ist. Es kommt nicht nur auf die Decodierbarkeit an, sondern auch auf die Einhaltung von ISO- und GS1-Qualitätsstandards. Berücksichtigt werden sollten unterschiedliche Substrate, Druckverfahren, Umgebungsbedingungen und Liniengeschwindigkeiten. So lassen sich robuste Druckeinstellungen und Qualitätsgrundlagen vor der Skalierung definieren.

4. Offline-Verifizierung und Inline-Inspektion kombinieren

Für einen stabilen Betrieb empfiehlt Omron ein zweistufiges Prüfkonzept: Offline-Verifizierung hilft, Druckparameter zu validieren und Konformität vor Produktionsstart abzusichern. Die Inline-Inspektion überwacht die Barcode-Qualität während des laufenden Betriebs in Echtzeit und erkennt Druckverschlechterungen, Fehlausrichtungen oder Prozessabweichungen. Prüfergebnisse sollten in Steuerungssysteme integriert werden, etwa für Ausschussbehandlung und Alarmierung.

5. Teams schulen und Standards festlegen

Omron betont weiter, dass Bediener, Instandhaltung und Qualitätssicherung die Anforderungen und Prüfkriterien des 2D-Codes verstehen müssen, damit Qualität im Alltag reproduzierbar bleibt. Schulungen sollten somit auch die Interpretation von Qualitätsstufen und das Auslösen von Korrekturmaßnahmen abdecken. Zudem empfiehlt der Automatisierungsspezialist, Prüfverfahren, Qualitätsziele und Reaktionspläne über Linien und Standorte hinweg zu standardisieren.

6. Skalierung strukturieren

Ist die Leistung auf einer Pilotlinie validiert, wird der Ansatz auf weitere Linien oder Maschinen übertragen. Für Maschinenbauer und Systemintegratoren bedeutet das u.a., den Betrieb mit gemischten Codes zu unterstützen, Inspektionspunkte konsistent zu platzieren und Abnahmetests wiederholbar zu gestalten. Laut Leitfaden ist eine Skalierung auf Basis dokumentierter Standards anstatt punktueller Ad-hoc-Anpassungen entscheidend.

Zentraler Vorbereitungsschritt für den DPP

Omron hebt hervor, dass GS1 Sunrise 2027 ein zentraler Vorbereitungsschritt auf den DPP und die wachsenden ESPR-Anforderungen an Transparenz und Rückverfolgbarkeit ist. Damit 2D-Codes als verlässlicher Datenträger für Produktinformationen und Verlinkungen funktionieren, müssen Druckqualität, standardkonforme Verifizierung sowie Datenintegration entlang von Produktion, Qualität und IT von Anfang an als Prozessstandard mitgedacht werden.

Wer Offline-Verifizierung und Inline-Inspektion früh kombiniert und skalierbar ausrollt, schafft laut Omron die technische Basis, um regulatorische Vorgaben sicher zu erfüllen und gleichzeitig interne Prozesse robuster und effizienter zu machen.



  • Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

    Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

    Der Krieg in der Ukraine wirkt sich negativ auf deutsche Unternehmen aus. Laut einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sorgen vor allem hohe Energiepreise und fehlende Gaslieferungen für…

    mehr lesen: Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

  • Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

    Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

    Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf die Maschinen- und Anlagenbauer aus. Laut Blitz-Umfrage des VDMA sehen 85 Prozent der Firmen den Krieg als gravierendes oder merkliches Risiko für…

    mehr lesen: Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

  • Omron ernennt CEO für EMEA-Region

    Omron ernennt CEO für EMEA-Region

    Fernando Colas soll bei Omron den Bereich Industrieautomation in der EMEA-Region leiten. Er löst damit Seigo Kinugawa ab.

    mehr lesen: Omron ernennt CEO für EMEA-Region

  • Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

    Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

    In ihrem ICS Risk & Vulnerability Report melden die Security-Spezialisten von Claroty, dass immer mehr Schwachstellen von industriellen Kontrollsysteme offengelegt werden. Laut Studienautoren sei dies ein Zeichen dafür, dass das…

    mehr lesen: Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

  • Splunk ernennt Gary Steele zum CEO

    Splunk ernennt Gary Steele zum CEO

    Seit November vergangenen Jahres fungiert Graham Smith als Interims-CEO bei Splunk. Ab April soll nun Gary Steele die Geschicke des Datenanalyse-Spezialisten leiten.

    mehr lesen: Splunk ernennt Gary Steele zum CEO

  • Omikron lässt Homeoffice-Anteil nicht ansteigen

    Omikron lässt Homeoffice-Anteil nicht ansteigen

    Zum Höhepunkt der Omikron-Welle im Februar ist der Homeoffice-Anteil im Vergleich zum Januar annähernd gleich geblieben und blieb nach Angaben des Ifo Instituts rund drei Prozentpunkte unter dem Höchstwert aus…

    mehr lesen: Omikron lässt Homeoffice-Anteil nicht ansteigen

  • Maschinenbauer starten mit Auftragsplus ins neue Jahr

    Maschinenbauer starten mit Auftragsplus ins neue Jahr

    Mit einem Auftragsplus von real 19 Prozent im Januar sind die Maschinen- und Anlagenbauer in das neue Jahr gestartet. Positive Signale kamen dabei sowohl aus dem Aus- als auch aus…

    mehr lesen: Maschinenbauer starten mit Auftragsplus ins neue Jahr

  • Heller beteiligt sich an IGH Infotec

    Heller beteiligt sich an IGH Infotec

    Der Werkzeugmaschinenbauer Heller beteiligt sich an IGH Infotec. Dadurch soll die langjährige Zusammenarbeit beider Unternehmen intensiviert werden.

    mehr lesen: Heller beteiligt sich an IGH Infotec

  • Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

    Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

    Das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS befasst sich mit Drucktechnologien zur Funktionalisierung von 3D-Objekten. Die Anwendungen reichen von der Kontaktierung einzelner Mikrochips in Elektroniksystemen bis zu großflächigen Heizstrukturen für Sitze.

    mehr lesen: Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

  • Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

    Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

    Marina Bill ist mit sofortiger Wirkung neue Vizepräsidentin der International Federation of Robotics. Sie soll die IFR gemeinsam mit Präsident Milton Guerry vertreten.

    mehr lesen: Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

  • Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

    Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

    Künstliche Intelligenz (KI) kann zu einer nachhaltigeren Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Allerdings ist der Energieverbrauch der KI-Systeme selbst oft hoch. Ein Whitepaper der Plattform Lernende Systeme soll daher…

    mehr lesen: Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

  • Materna übernimmt Virtual Solution

    Materna übernimmt Virtual Solution

    Mit der Übernahme des Münchner Software-Unternehmens Virtual Solution will die Materna-Gruppe die eigene Position als Lösungsanbieter für die öffentliche Verwaltung stärken.

    mehr lesen: Materna übernimmt Virtual Solution