Deutsche Industrie verschenkt Wachstumspotenzial bei Hightech-Forschung

Concept of new ideas and innovation
Bild: ©Sergey Nivens/stock.adobe.com

Deutschland zählt beim Hightech-Anteil der industriellen Forschungs- und Entwicklungsausgaben laut einer Analyse des Ifo-Instituts zu den Schlusslichtern unter den entwickelten Industriestaaten. Demnach geht ein höherer Hightech-Anteil mittelfristig mit stärkerem Wirtschaftswachstum einher. Insgesamt wurden 18 OECD-Länder betrachtet.

Wie das Institut mitteilt, fließen in Deutschland nur 20% der industriellen Forschungsausgaben in Hightech-Branchen, wie die Pharma- oder Chipindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt. Am oberen Ende liegen die USA mit einem Hightech-Anteil von 68%. Frankreich liegt mit 46% im Mittelfeld. „Deutschland konzentriert seine Forschung auf klassische Industriebranchen. Länder mit einem höheren Anteil an Hightech-Forschung wachsen dagegen in der Regel stärker, auch wenn man Unterschiede im allgemeinen Niveau der Forschungsausgaben berücksichtigt“, sagt Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation.

Die Wirtschaftsforscher beobachten dabei seit Jahren einen wachsenden Abstand zur Spitzengruppe. So sank der deutsche Hightech-Anteil von 32% im Jahr 1995 auf rund 20% im Jahr 2023. In den USA stieg er im selben Zeitraum von 57 auf 68%. Zugleich entfallen drei Viertel der deutschen Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf die sogenannte Mitteltechnologie, etwa auf den Automobil- oder Maschinenbau sowie die Chemieindustrie. Damit zählt Deutschland beim Mitteltechnologie-Anteil zu den Spitzenreitern.

Die Forscher haben insbesondere untersucht, wie die Struktur der Forschungsausgaben mit dem Wachstum zusammenhängt: Liegt der Hightech-Anteil eines Landes in einem Jahr zehn Prozentpunkte höher, fällt das reale Wirtschaftswachstum pro Kopf in den darauffolgenden fünf Jahren im Schnitt um knapp einen halben Prozentpunkt pro Jahr höher aus. Läge Deutschlands Hightech-Anteil an Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Jahr 2023 auf dem internationalen Durchschnittsniveau von 38% statt bei 20%, ginge dies den Ergebnissen zufolge mittelfristig mit einem um rund 0,9 Prozentpunkte höheren jährlichen BIP-Wachstum pro Kopf einher.

Ein reines Ausgabenziel für das Forschungsvolumen halten die Studienautoren für ungenügend. „Entscheidend ist nicht allein die Höhe der Ausgaben, sondern ob sie auf Technologien entfallen, die mit höherem Wachstum einhergehen. Die Politik sollte zugleich die Rahmenbedingungen so setzen, dass riskante und womöglich disruptive Innovationsvorhaben für Unternehmen attraktiver werden“, sagt Ifo-Forscher Yuchen Guo. Dazu gehören ein innovationsfreundliches Steuersystem und ein besserer Zugang zu Wagniskapital.

Zur Methodik: Die Studie nutzt Daten der OECD zu Forschungsausgaben einzelner Branchen des Verarbeitenden Gewerbes zusammen mit Zahlen zur Wirtschaftsleistung für 18 Länder im Zeitraum 2000 bis 2024. Die Branchen sind dabei in Hoch-, Mittel- und Niedrigtechnologie eingeteilt. Die Autoren vergleichen, wie die Forschungsausgaben eines Landes in einem bestimmten Jahr auf die Technologieklassen verteilt sind und wie stark ein Land in den Jahren danach wächst. Dabei rechnen sie dauerhafte Länderunterschiede und allgemeine Zeittrends heraus. Sie berücksichtigen zudem Einkommen, das Niveau der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Staatsausgaben, Inflation, Bevölkerung, Bildung und Rechtsstaatlichkeit.



  • Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

    Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

    Deutsche Führungskräfte wollen dem Hype um künstliche Intelligenz (KI) folgen, so das Ergebnis einer Studie von IFS. Die Unternehmen sind jedoch noch nicht in der Lage, die Erwartungen an die…

    mehr lesen: Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

  • Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

    Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

    Die Unternehmen Trumpf und SiMa.ai entwickeln KI-Chips und Software zur Verbesserung von Schweiß-, Schneid- und Markierprozessen. Die Technologie soll für effizientere Laseranwendungen sorgen.

    mehr lesen: Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

  • Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

    Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

    Werkzeugbahnen für Zerspanprozesse in CAM-Systemen zu planen erfordert Expertenwissen. Viele Parameter müssen bestimmt und geprüft werden, um die Bahnplanung Schritt für Schritt zu optimieren. Im Projekt CAMStylus arbeiten die Beteiligten…

    mehr lesen: Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

  • Automatisierungstreff wieder erfolgreich

    Automatisierungstreff wieder erfolgreich

    Die Agentur Strobl als Veranstalter des Automatisierungstreffs hat für die diesjährige Ausgabe im April ein positives Fazit gezogen.

    mehr lesen: Automatisierungstreff wieder erfolgreich

  • TXOne ernennt neuen CRO

    TXOne ernennt neuen CRO

    Stephen Driggers, zuletzt CRO bei Nozomi Networks, heuert bei TXOne Networks an und übernimmt dort ebenfalls die Position des Chief Revenue Officers.

    mehr lesen: TXOne ernennt neuen CRO

  • VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie

    VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie

    Auf dem 25. VDI-Kongress Automation haben die mehr als 350 Teilnehmenden unter dem Motto ’AI beats Automation?‘ über Zukunftstrends diskutiert.

    mehr lesen: VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie

  • Neun Tipps für mehr OT-Sicherheit

    Neun Tipps für mehr OT-Sicherheit

    Durch NIS2 und KRITIS-Dachgesetz erweitert sich die Zahl der regulierten Organisationen auf über 30.000. Der Eco Verband gibt Unternehmen daher Tipps an die Hand, wie sie die Cyber-Resilienz ihrer industrieller…

    mehr lesen: Neun Tipps für mehr OT-Sicherheit

  • GenISys will Abfüllanlagen einfach konfigurierbar machen

    GenISys will Abfüllanlagen einfach konfigurierbar machen

    Im Projekt GenISys entwickeln Forschende der Bergischen Universität gemeinsam mit zwei Praxispartnern generative KI-Modelle, mit denen der Bau von Abfüllanlagen zukünftig intelligenter und ressourcenschonender vonstatten gehen soll.

    mehr lesen: GenISys will Abfüllanlagen einfach konfigurierbar machen

  • Maschinenbauer rechnen erst 2025 mit Erholung

    Maschinenbauer rechnen erst 2025 mit Erholung

    Die Stimmung im Maschinenbau hat sich eingetrübt, auch mit Blick auf das Gesamtjahr. Laut VDMA-Konjunkturumfrage werden die Investitionen erst 2025 wieder steigen.

    mehr lesen: Maschinenbauer rechnen erst 2025 mit Erholung

  • Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

    Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

    Vom Bodensee aus soll eine neue Entwicklungsabteilung die Teams des Wuppertaler Softwarespezialisten unterstützen.

    mehr lesen: Babtec eröffnet Standort in Friedrichshafen

  • Was Deskless Worker bewegt

    Was Deskless Worker bewegt

    Eine aktuelle Studie des Aachener Softwarespezialisten Inform unter Mitarbeitenden aus dem produzierenden Gewerbe zeigt, dass sich sogenannte Deskless Worker von ihren Arbeitgebern neben guter Bezahlung vor allem bessere Kommunikation und…

    mehr lesen: Was Deskless Worker bewegt

  • Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung

    Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung

    Open Mind beteiligt sich am Verbundprojekt ’CICAM – Computational Intelligence for Computer-aided Manufacturing’ des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften an der Technischen Universität München und Spanflug Technologies. Das Forschungsprojekt hat…

    mehr lesen: Selbstlernende Optimierung für hybride Bearbeitung