ISW
Bild: ISW – Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen. Universität Stuttgart

Von der Theorie in die Praxis

Um zu testen, ob Verwaltungsschalen sinnvoll sind für das Rekonfigurieren von Simulationsmodellen auf Komponentenebene, wird im ersten Schritt ein realer Anwendungsfall beschrieben. Dieser umfasst einen Werkzeugwechsler von der Firma Homag, der mit Bosch Rexroth Antrieben bestückt ist. Dabei existiert im Anwendungsfall ein Simulationsmodell des Werkzeugwechslers, der auch die Simulationsmodelle des Antriebs mit sich bringt. Zudem benötigt es die Verwaltungsschalen des Werkzeugwechsels und des Antriebs, welche in Abbildung 1 dargestellt sind. Dabei haben sich folgende zwei Anwendungsfälle herauskristallisiert.

Im Fall A kann es sein, dass sich ein Antriebsmodell auf Seiten von Bosch Rexroth ändert, beispielsweise durch ein Firmwareupdate. In diesem Fall muss sich aktuell ein Inbetriebnehmer das Modell manuell von Bosch Rexroth herunterladen und aufwändig in das Gesamtmodell hinzufügen. Der andere Fall kann auch ein Parameterupdate sein, das im Antriebsmodell hinterlegt ist. Auch ein solches Updateverhalten soll durch ein automatisches Rekonfigurieren mithilfe von Verwaltungsschalen ermöglicht werden. Zusammengefasst geht es um die Anwendungsfälle Firmwareupdate und Parametersatzänderung.

Wo geht die Reise hin?

Abbildung 2 verdeutlicht die Implementierung. Auf einem Server gehostet vom Maschinenintegrator, soll ein Verwaltungsschalenserver initialisiert werden. Die Verwaltungsschalen selbst werden mit dem Package Explorer nach der Spezifikation der IDTA erstellt. Dabei handelt es sich um folgende Teilmodelle: ‚Nameplate‘, ‚Bills of Material‘ und ‚SimulationModel‘.

Damit ein automatischer Austausch von Simulationsmodellen überhaupt möglich ist, muss sich darauf geeinigt werden, welche Simulationsplattform verwenden werden soll. Für den vorliegenden Anwendungsfall wird Virtuos von der Firma ISG benutzt, da diese beim Maschineintegrator als auch vom Komponentenhersteller in Benutzung sind. Der Vorteil von Virtuos ist die Integrationsmöglichkeit von Verwaltungs-schalen in die Simulationsumgebung. Das Simulationsmodell welches in der Verwaltungsschale abliegt, muss in einer standardisierten Form vorliegen. Dafür kann bspw. auf den Function Mock Up Interface (FMI) Standard gesetzt werden. Aus funktionalen Gründen wird in diesem Anwendungsfall jedoch eine Virtuos-spezifisches Bibliotheksformat verwendet.

Das allgemeine Konzept der Konfigurierung besteht aus verschiedenen Clients, die auf einen Hauptserver (dem Verwaltungsschalenserver) zugreifen. Ein Client (Bosch Rexroth) hat einen Zugriff auf den Server, um neue Antriebsmodelle hinzuzufügen. Wenn dies geschehen ist, soll auf Seiten des Maschinenintegrators (Homag/ISG) ein Event getriggert werden, dass eine Änderung stattgefunden hat. Zu erwähnen ist, dass auch ein zyklisches Abfragen der Informationen möglich ist, um Änderungen zu detektieren. Wenn eine Änderung detektiert ist, wird nun zwischen den beiden Anwendungsfällen unterschieden.

Für den Anwendungsfall der Firmware Änderung eines Antriebs soll das komplette Simulationsmodell des Antriebs ausgetauscht werden. Durch das Bereitstellen der aasx-Datei kann das neue Antriebsmodell mithilfe einer Remoteschnittstelle in Virtuos automatisiert integriert werden bzw. ausgetauscht werden.

Ein anderer Anwendungsfall ist eine Parameteränderungen im Antriebsmodell. In diesem Fall müssen schon in der Verwaltungsschale die zu ändernden Parameter abgelegt sein, die das Simulationsmodell beeinflussen. Wenn sich diese Parameter ändern, kann das Simulationsmodell wieder über die Remoteschnittstelle angepasst werden.

Fazit

Aktuell ist es noch schwer ein Simulationsmodell automatisiert zu rekonfigurieren, da es viele Hürden gibt. Durch Verwaltungsschalen und der möglichen Updatefunktion im Simulationsmodell selbst, können erste Änderungen automatisiert vorgenommen werden. In der Arbeitsgruppe wurde ein Konzept entwickelt, um die Nutzung der Verwaltungsschale in Hinsicht auf Simulationsmodelle zu vereinfachen und aufzuzeigen, ob die aktuellen Verwaltungsschalen ausreichend sind, um Konfigurationen zu ermöglichen. Eine weitere Herausforderung ist die Integration eines neuen Simulationsmodells in eine Gesamtmodell, wenn sich beispielsweise Eingangs-/Ausgangsinformationen ändern. Bisher gibt es dafür noch keine voll automatisierbare Lösung.

Seiten: 1 2





  • Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    IT-Sicherheit ist ein wichtiges Thema für jedes Unternehmen. Denn kommt es zu einem erfolgreichen Angriff kann dies teuer werden. Durch die Nutzung sogenannter Bug-Bounty-Plattformen können Unternehmen kriminellen Hackern vorgreifen.

    mehr lesen: Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

  • Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Corona stellt Unternehmen und deren Mitarbeiter nach wie vor auf eine harte Probe. Laut der Studie ‚Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit‘ schaffen es aktuell nur 22 Prozent der Unternehmen, eine Zusammenarbeit…

    mehr lesen: Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

  • Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Im März haben die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Dabei kamen sowohl aus dem Aus- als auch aus dem Inland positive Signale.

    mehr lesen: Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

  • Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Viele deutsche Mittelständler bieten innovative Produkte an, tun sich aber oft schwer, operative Prozesse mithilfe von Daten tatsächlich zu verbessern und wichtige Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu fällen. Der…

    mehr lesen: Der Weg zur effizienten Datenstrategie

  • Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    HMS hat die neue Fernwartungs-Router-Generation Ewon Cosy+ auf erhöhte Sicherheit ausgelegt. Die Geräte bieten nicht nur moderne hardware-implementierte Sicherheitsmechanismen, sondern auch automatische Updates signierter Firmware über die firmeneigene Plattform Talk2M.

    mehr lesen: Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

  • Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Mit dem Wechsel von Kathleen Mitford zu Microsoft wird Catherine Kniker zur EVP (Executive Vice Presdient) und Chief Stategy Officer bei PTC ernannt.

    mehr lesen: Catherine Kniker wird CSO bei PTC

  • Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Gemeinsam mit CEO Peter Sorowka leitet Carsten Stiller seit 1. April das Softwareunternehmen Cybus. Er verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb.

    mehr lesen: Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

  • Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Siemens Digital Industries bekommt einen neuen CTO. Dirk Didascalou soll zum 1. September neuer Technikchef werden.

    mehr lesen: Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

  • Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Die Wirtschaft blickt überwiegend optimistisch in die Zukunft: Knapp 40 Prozent der Unternehmen wollen laut der jüngsten Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft 2021 im Vergleich zu 2020 mehr produzieren.

    mehr lesen: Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

  • Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz hat meistens Black-Box-Charakter. Doch nur Transparenz kann Vertrauen schaffen. Um die jeweiligen Lösungswege künstlicher Intelligenz zu erklären, gibt es spezielle Software-Lösungen. Eine Studie des Fraunhofer IPA hat die…

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz erklärbar machen

  • Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputer können komplexe Berechnungen schneller durchführen als beispielsweise heutige Superrechner. Wie eine Befragung des Bitkom zeigt, verspricht sich die deutsche Wirtschaft viel von der Technologie.

    mehr lesen: Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

  • Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz auch für KMUs nutzbar machen. Das ist das Ziel des Modellprojekts ’KI-Transfer Plus’

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen