Die NIS2-Richtlinie und der Einsatz kritischer Komponenten

African American scientist works in a modern scientific laboratory for the research and development of microelectronics and processors. Manufacturing worker uses computer technology and equipment
Bild: ©Maksim Shmeljov/stock.adobe.com

Im ersten Teil dieses Artikels wurden die konkreten Anforderungen des NIS2UmsuCGs in Bezug auf den Einsatz kritischer Komponenten beschrieben. Im vorliegenden Teil soll nun anhand von Beispielen demonstriert werden, welche Tragweite diese Regelungen haben und wie bereits jetzt das ISMS anzupassen oder zu erweitern ist.

Anpassung der Risikoanalyse

Im ersten Teil wurden Gründe angeführt, warum ein Hersteller als nicht vertrauenswürdig angesehen werden kann. Angenommen, dieser Hersteller ist ein IT- oder OT-Chip-Hersteller, dessen Produkte (Prozessoren) in 90 Prozent der eingesetzten Geräte enthalten sind. Dann dürfen diese Geräte nicht weiter eingesetzt werden und der flächendeckende Austausch wird erforderlich. Dies ist auch gegeben, wenn die Prozessoren als IKT-Produkte auf den oben angeführten Listen gem. §30 (6) BSIG stehen.

Nur wenige Unternehmen sind in der Lage alle Endgeräte innerhalb eines Jahres auszutauschen, ohne den Betrieb zu gefährden. Bei Netzbetreibern erschwert sich die Unternehmung, wenn die gesamte Automatisierungs- und Feldtechnik hiervon betroffen ist. Ein entsprechend optimiertes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) kann hierfür bereits Lösungswege bereithalten.

Da das NIS2UmsuCG keine konkreten Anforderungen an den Austausch der Komponenten stellt, sollten trotzdem sinnvolle Fristen risikoorientiert verfolgt werden:

  • Unverzüglicher Austausch: Wenn eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der kritischen Infrastruktur besteht, müssen verbotene Komponenten unverzüglich ausgetauscht werden, das heißt sobald es technisch und organisatorisch machbar ist.
  • Mittelfristige Maßnahmen: In Fällen, in denen die Gefährdung weniger dringlich ist, kann das Gesetz Übergangsfristen festlegen, die den Betreibern von kritischen Infrastrukturen ausreichend Zeit geben, die entsprechenden Komponenten planmäßig zu ersetzen. Diese Fristen werden meist durch die zuständigen Behörden festgelegt und können je nach Fall 6 und 24 Monaten betragen.

Ein ISMS basiert auf Prozessen und reproduzierbaren Entscheidungen wohlüberlegter Analysen. Selbst Analysen folgen einer strengen prozessualen Vorgabe und eine der fundamentalen Analysen eines ISMS, ist die Risikoanalyse. Im obigen Fall gilt, dass das Risiko stets bekannt und entsprechende Maßnahmen vorbereitet sein sollten.

Anpassung des Beschaffungsprozess

Obige Ausführungen zeigen zusätzlich, dass der Beschaffungsprozess mindestens in zwei Ebenen anzupassen ist:

  • Um Verzögerungen oder Engpässe zu vermeiden, sollte eine Pufferzeit von bis zu vier Monaten eingeplant werden, in der keinerlei Integration erfolgt oder Fortschritte erzielt werden können. Während dieser Zeit besteht jederzeit das Risiko, dass der Einsatz verboten wird. Es gilt, ausreichend Alternativen in Betracht zu ziehen und verfügbar zu halten. Für jede Alternative ist erneut mit einer Vorlaufzeit von bis zu vier Monaten zu rechnen.
  • Bereits im Ausschreibungswesen sollten entsprechende Garantieerklärungen der Hersteller eingefordert werden. Gemäß § 41 (3) BSIG_neu darf das BMI Mindestanforderungen an solche Garantieerklärungen definieren. Diese Mindestanforderungen stellen sodann eine gewisse Grundqualität und Vergleichbarkeit sicher.
  • Darüber hinaus müssen entsprechende Kommunikationswege und Meldungen sowie Vorabprüfungen im Prozess an geeigneten Stellen berücksichtigt werden. Ebenso sind vorhandene Zertifizierungen, z.B. gemäß dem Framework der ENISA zum Cybersecurity Act, bei der Produktauswahl zu berücksichtigen.

Der erste Punkt zeigt jedoch, dass für Unternehmen Risiken drohen. Das sogenannte ‚Vendor-Lock-In‘ wirkt wahrscheinlicher, denn bereits freigegebene Komponenten stellen keine Umsetzungsverzögerung dar. Dabei wird das Unternehmen abhängiger und ein nachträgliches Verbot aufgrund politischer Zerwürfnisse schwerwiegender.

Schwachstellenmanagement

Wie im ersten Teil ausgeführt, müssen Hersteller über eine gewisse Vertrauenswürdigkeit verfügen. Diese kann durch ein mangelndes oder träges Schwachstellen- und Patchmanagement in Frage gestellt werden. Um dies aber messen und insbesondere um etwaige Abweichungen von der Garantieerklärung identifizieren zu können, ist es ebenso ratsam sein eigenes Schwachstellenmanagement anzupassen. Ergänzend kann der Geltungsbereich von Penetrationstests auch ausgeweitet werden. Hersteller sollten hierbei stets unterstützend tätig werden und auch gemeinsame Überprüfungen mit Lieferanten planen. Auch sollte zukünftig die Zeit gemessen werden, wann eine Schwachstelle bekannt wurde und wann die tatsächliche Behebung stattfand.

Seiten: 1 2



  • SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

    SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

    Wem seine Daten wichtig sind, setzt auf mehr als nur eine Sicherheitslösung. Lokale Backup- oder Cloudlösungen sind ein Weg, seine Daten zu sichern. Wird der PC allerdings entwendet, durch Dritte…

    mehr lesen: SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

  • SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

    SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen Siemens und SAP ihre sich ergänzenden Softwarelösungen für Product Lifecycle, Supply Chain und Asset Management kombinieren.

    mehr lesen: SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

  • Geschäftsklima erholt sich

    Geschäftsklima erholt sich

    Die Corona-Krise hat die deutsch Elektroindustrie in den vergangenen Monaten hart getroffen. Auch der Mai brachte trotz erster Lockerungen Verluste für die Branche.

    mehr lesen: Geschäftsklima erholt sich

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Wie ist die Stimmung in der Fertigungsindustrie

    Wie ist die Stimmung in der Fertigungsindustrie

    In einer Studie des IIoT-Spezialisten Relayr wurden je 100 Unternehmen in den USA und in Deutschland zu aktuellen Entwicklungen während der Coronakrise befragt. Dabei zeigen sich sogar positive Effekte.

    mehr lesen: Wie ist die Stimmung in der Fertigungsindustrie

  • Cosmo Consult expandiert nach Asien

    Cosmo Consult expandiert nach Asien

    Die Cosmo Consult-Gruppe eröffnet eine Niederlassung in Hongkong und plant darüber hinaus weitere Standorte in Asien.

    mehr lesen: Cosmo Consult expandiert nach Asien

  • Auftragseingang im Maschinenbau weiter rückläufig

    Auftragseingang im Maschinenbau weiter rückläufig

    Wie bereits im April blieb der Auftragseingang der deutschen Maschinenbauer auch im Mai weit unter dem Niveau des Vorjahres. Die Bestellungen blieben 28 Prozent unter dem Vorjahreswert.

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau weiter rückläufig

  • Produktion legt wieder zu

    Produktion legt wieder zu

    Laut statistischem Bundesamt hat sich die Industrie im Mai von den Einbrüchen verursacht durch die Corona-Pandemie etwas erholt. Die Produktion legte zu, verfehlt das Mai-Ergebnis des Vorjahres jedoch um 19,3…

    mehr lesen: Produktion legt wieder zu

  • Drei von vier Unternehmen erwarten schnelle Erholung

    Drei von vier Unternehmen erwarten schnelle Erholung

    Zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmensleiter weltweit sind optimistisch, dass sich der europäische Markt relativ schnell vom wirtschaftlichen Abschwung durch die COVID-19-Pandemie erholen wird. Das geht aus einem Report des…

    mehr lesen: Drei von vier Unternehmen erwarten schnelle Erholung

  • Neuer CSO bei Proalpha

    Neuer CSO bei Proalpha

    Der ERP-Anbieter Proalpha hat einen neuen Chief Sales Officer. Zum 1. Juli hat Michael T. Sander die Position übernommen. Er folgt auf Andree Stachowski.

    mehr lesen: Neuer CSO bei Proalpha

  • Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

    Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

    Leuze will bis Ende Juli sein neues Distributionszentrum in Betrieb nehmen.

    mehr lesen: Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

  • Armin Schnettler wird VDE-Präsident

    Armin Schnettler wird VDE-Präsident

    Der VDE hat mit Prof. Dr. Armin Schnettler einen neuen Präsidenten. Er folgt auf Dr. Gunther Kegel.

    mehr lesen: Armin Schnettler wird VDE-Präsident