Werkerassistenz und KI-gestütztes Wissensmanagement

2
Eine der vollautomatisierten Montageanlagen für Aut

Das Schweizer Pharmaunternehmen Ypsomed ist ein Spezialist im Bereich Selbstmedikation. Die Produkte sind in mehr als 40 Ländern verfügbar. Der Standort Schwerin spielt dabei eine zentrale Rolle in der Wachstumsstrategie des Unternehmens, insbesondere im Hinblick auf langfristige Kapazitätserweiterungen, um Lieferverpflichtungen im Bereich der Autoinjektoren zu erfüllen. Seit der Werkseröffnung in Schwerin im Jahr 2019 stieg die Zahl der Mitarbeitenden bis 2025 sukzessive auf über 500. Im März 2025 erfolgte dann die Grundsteinlegung für ein weiteres Werk am Standort. Diese Entwicklung brachte operative Herausforderungen mit sich, denn das weitere Personalwachstum erforderte eine effiziente und standardisierte Weitergabe von technischem und prozessualem Wissen.

Wissen in Excel-Systemen

Autoinjektoren gehören zum Portfolio des Schweizer Unternehmens Ypsomed und werden in Schwerin in großen Stückzahlen hergestellt.
Autoinjektoren gehören zum Portfolio des Schweizer Unternehmens Ypsomed und werden in Schwerin in großen Stückzahlen hergestellt. – Bild: Ypsomed

Viele Wissensressourcen lagen in alten Excel-Listen aus dem Schweizer Stammwerk vor. Sie enthielten gesammelte Ansätze zu Problemlösungen und wurden mit den Expertenteams in der Schweiz ausgetauscht. Die Informationen waren jedoch fragmentiert und im Alltag schwer zugänglich. Situativ benötigtes Wissen darin zu finden, kostete Zeit und führte zu Stopps und Störungen. Und obwohl bereits Analysetools zur Identifikation von Schwachstellen auf Stationsebene in den Anlagen existierten, fehlte dem Pharmaunternehmen eine zentrale, integrierte Plattform für eine breite Datenanalyse und unternehmensweites Wissensmanagement für technisches Problemlösungswissen. Als Ergebnis wurde mit der Integration der Anwendung Shannon ein zentraler Anlaufpunkt für die Mitarbeitenden geschaffen. Im Fokus stand ein 24/7-Schichtbetrieb, um bei Problemlösungen und im Anlagenbetrieb zu unterstützen. Dafür sollte das Wissensmanagement Informationen im Bedarfsfall bereitstellen, anstatt Zeit für die Suche in kritischen Situationen zu verlieren. Ein weiteres Ziel war es, aus den gesammelten Livedaten auch die Prozessoptimierung als weiteren Regelkreis zu automatisieren.

Ypsomed setzt auf Shannon

Plus10, ein Spin-off des Fraunhofer IPA aus Stuttgart, bietet mit Shannon ein Optimierungs- und Werksassistenztool an, das aus den Live-Daten beteiligter Maschinensteuerungen auf situativ identifizierte Ursachen schließen kann und passende Lösungsansätze vorschlägt. Dazu werden die Daten zunächst über größere Zeiträume analysiert, um Trends bzw. Hotspots und deren Ursachen aufzudecken. Die Daten werden mit den jeweiligen Lösungshäppchen kombiniert und helfen dabei, dauerhafte Abstellmaßnahmen zu definieren . Zudem wird die Wirksamkeit der Maßnahmen getrackt.

Strukturiertes Wissensmanagement

Die Software ermöglicht es, Ursachen live zu erkennen und von Folgefehlern zu trennen beziehungsweise diese herauszufiltern. Nur relevante Informationen werden zusammen mit situativ passendem Lösungswissen als Push-Notification an die Mitarbeitenden herausgegeben. Die Beschäftigten können ihre Erfahrungen zudem wieder zurückzuspielen und Feedback zu geben. Neue Problemlösungen können nach einem etablierten und GMP-konformen, rollenabhängigen Vier-Augen-Prinzip erstellt werden. Jeder kann dazu beitragen und eine Review-Gruppe prüft Qualität und Prozesskonformität.

„Uns war besonders wichtig, alle Mitarbeitenden einzubeziehen. Das Tool sollte für die Produktionsteams entwickelt werden – und nicht zusätzlichen Aufwand verursachen. Gleichzeitig schafft die Transparenz darüber, welche Kolleginnen und Kollegen welche Lösungsansätze eingebracht haben und wie häufig diese von anderen erfolgreich genutzt wurden, eine hohe Akzeptanz“, berichtet Mathias Hollop-Wünschkowski, Manager Industrialisation & Optimisation bei Ypsomed in Schwerin. Er beschreibt als weiteren Effekt, dass die Software weiterlernt und Ypsomed somit auch sich änderndes Anlagenverhalten abbilden kann.

Durch die tiefgehende Anlagenübersicht – bis hinunter auf die technische Detailebene des Schrittkettenablaufs in Millisekundenauflösung für jeden Prozess – erhält das Pharmaunternehmen Stillstandsanalysen.

Grafische Darstellungen der Verteilung der Produktionszeit und ein detaillierter Überblick über Störungen jederzeit abrufbar. Die Auswertungen werden in Regelmeetings bestimmter Operational Excellence- und Prozessoptimierungsteams eingebunden. Zudem können Optimierungsmaßnahmen in einem ‚Optimierungslogbuch‘ auf ihre Wirksamkeit bewertet werden.

Wo liegt der Nutzen?

Für die Ypsomed zeigt sich der Hauptnutzen der Software in der Ramp-up-Phase der Produktion sowie in der anstehenden Werkserweiterung. Das Unternehmen profitiert von inhaltlich effektiveren Trainings von neuem Personal und Beschäftigte erhalten situative Vorschläge in der jeweiligen Problemsituation. Stillstandszeiten werden über alle Schichten hinweg stabil auf niedrigem Niveau gehalten, und nicht nur dann, wenn die erfahrenen Mitarbeitende greifbar sind.

Taktzeitanalysen und Vorher/Nachher-Vergleiche unterstützen bei der Prozessoptimierung und Maßnahmen für wöchentliche Wartungen und geplante Stillstände können auf Grundlage von Trends und Ausfallhäufigkeiten bestimmter Bereiche, Prozesse oder sogar Komponenten priorisiert werden. In einem weiteren Schritt könnte das Pharmaunternehmen perspektivisch weitere Linien und Werke anbinden. Hierbei unterstützt die Multi-Language-Fähigkeit der Software. Mitarbeiter können Expertenwissen dadurch in ihrer jeweiligen Sprache abrufen.

Konzeptionelle Funktionsweise des live lernenden und situativ vorschlagenden Trouble-shooting Tools Shannon.
Konzeptionelle Funktionsweise des live lernenden und situativ vorschlagenden Trouble-shooting Tools Shannon. – Bild: Plus10 GmbH


  • Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Die Große Koalition will die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte über zwölf Monate hinaus verlängern. Davon könnten viele Maschinenbauer profitieren.

    mehr lesen: Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

  • Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth hat 2019 mit 6,2Mrd.€ einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielt. Profitiert hat das Unternehmen dabei vor allem von seinem soliden Kerngeschäft mit Hydraulik sowie dem weiteren Ausbau des Angebots…

    mehr lesen: Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

  • Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

    Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

    Eine 2. Blitzumfrage des VDMA in China zeigt, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort als weniger schlimm eingeschätzt werden als noch im März. Dennoch erwarten die Unternehmen kräftige Umsatzeinbußen.

    mehr lesen: Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

  • Zertifizierung während der Corona-Krise

    Zertifizierung während der Corona-Krise

    Unternehmen sind derzeit in vielerlei Hinsicht gefordert: Sie müssen ihr wirtschaftliches Überleben sichern, Mitarbeiter ins Homeoffice oder in Kurzarbeit schicken und neue Strategien entwickeln. Sind Managementsysteme für Qualität, Umwelt, Energie…

    mehr lesen: Zertifizierung während der Corona-Krise

  • ZVEI-Umfrage

    ZVEI-Umfrage

    Die Elektroindustrie bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend zu spüren. Das ergab eine Umfrage des ZVEI unter seinen Mitgliedsunternehmen.

    mehr lesen: ZVEI-Umfrage

  • Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat mit Nvidia einen neuen Gesellschafter. Beide Unternehmen forschen gemeinsam in den Bereichen Machine Learning und Deep Learning.

    mehr lesen: Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

  • CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    Bezogen auf die Gesamtwirtschaft haben 19 Prozent der Unternehmen die Position eines Chief Digital Officers bzw. eines Leiters Digitalisierung geschaffen. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor.

    mehr lesen: CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

  • Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Die Auswirkungen von COVID-19 auf unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind enorm und betreffen uns alle.

    mehr lesen: Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

  • AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    Aveva und Axonify wollen gemeinsam eine KI-Microlearning-Lösung für die Industrie anbieten. Beide Unternehmen haben sich diesbezüglich auf eine strategische Partnerschaft geeinigt.

    mehr lesen: AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

  • Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Der TeDo Verlag veranstaltet ab dem 4. Mai eine virtuelle Messe rund um unsere Themen Automatisierung, Robotik und Energieverteilung, Schaltschrankbau, Industrielle IT, IIoT usw. Wir wollen so eine Lösung finden,…

    mehr lesen: Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

  • IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    Attivo Networks hat seine auf der Deception-Technologie basierende ThreatDefend-Plattform in das Microsoft Azure Security Center integriert. Dadurch wird die Erkennungsrate und Reaktionszeit bei Angriffen auf den Microsoft-Dienst Azure IoT Edge…

    mehr lesen: IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

  • Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen – nicht nur im privaten Bereich, sondern auch beruflich. Unzählige Menschen weltweit arbeiten derzeit erstmals im Homeoffice.

    mehr lesen: Zoom-Nutzer verstärkt im Visier