
In der Nähe der Würth-Zentrale im baden-württembergischen Gaisbach zwischen Stuttgart und Nürnberg, befinden sich die drei Hauptversandzentren in Gaisbach und das im Jahr 2020 erbaute zentrale Außenlager in Waldenburg. Von hier aus, im idyllischen Hohenlohe nahe dem Stammsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, disponiert das Unternehmen sein über 125.000 Artikel umfassendes Sortiment an Standorte und Kunden auf der ganzen Welt. Die Abholung der Wechselbrücken durch Unternehmen wie DPD, GLS, Schenker und Dachser erfolgt jedoch nicht nur auf einem einzelnen Hof, sondern verteilt über mehrere Versandstellen in einem Umkreis von rund 50 Kilometern: Die Versandzentren halten die beladenen Wechselbrücken, meist in 2er-Zügen an verschiedenen Bereitstellungsflächen, zur Abholung bereit.
Nur zehn Minuten Spielraum
Ein Rangierfahrzeug hat die Aufgabe, die teils unternehmensspezifischen Wechselbrücken nach ihrer Beladung von den Toren auf die Bereitstellungsflächen zu verziehen, aber auch leere Brücken an die Tore zu bringen. Dabei sind insbesondere die täglich fix terminierten, mehrfachen Abfahrten der einzelnen Versanddienstleister zu beachten. Zum vereinbarten Zeitpunkt erreicht ein Lkw des jeweiligen Dienstleisters den betreffenden Hof, um dort jeweils zwei beladene Wechselbrücken aufzunehmen. Verzögerungen müssen sich auf einen Toleranzbereich von maximal zehn Minuten beschränken, damit die Ware die Umschlagszentren rechtzeitig erreicht. Um Transparenz über die Hofsteuerung zu erlangen, die Disposition deutlich zu erleichtern und für Prozesssicherheit zu sorgen, setzt Würth seit 2020 auf die Software Syncrotess von Inform.
Steuerung per Software
Wo früher Excel, Telefonate und Notizzettel das Management und die Kommunikation zwischen Disponent und Rangierfahrzeug sicherstellten, sorgt nun das Transportleitsystem des Aachener Softwareherstellers für Steuerungsmöglichkeiten, Überblick und Möglichkeiten für eine fehlerfreie, effektive Disposition. Die früher eingesetzten Medien boten dafür keine Datengrundlage. Rund 60 Wechselbrücken und 40.000 Pakete verlassen täglich den Hof. „Wir haben es nicht nur geschafft, die gesamten Hofprozesse so abzubilden, dass sich die Disponenten auf einen Blick einen Überblick verschaffen können, sondern den Aufwand so sehr zu reduzieren, dass sich die Aufgabe trotz Wachstum weiterhin von einer Fachkraft pro Schicht gut bewältigen lässt“, bestätigt Roman Kessler, Projektleiter Transportleitstand bei Würth. Auch Fehlerquellen zu minimieren, war eines der Ziele der Zusammenarbeit. So fand früher beispielsweise ein Großteil der Kommunikation zwischen Steuerung und Rangierfahrzeug mit lauten Hintergrundgeräuschen über das Telefon statt. Das konnte zu Missverständnissen bei der Durchgabe und Erfassung von Wechselbrückennummern führen. Manche Informationen nach einer kurzfristigen Änderung über schriftliche Notizen auf Papier zu übermitteln, war ebenfalls nicht mehr zeitgemäß und führte zu Verzögerungen in der Kommunikation. Als wichtigste Kennzahl stand die Kontrolle der Abfahrtsollzeiten im Vordergrund. Pünktlich gemäß des mit den Dienstleistern festgelegten Fahrplans müssen die beladenen Wechselbrücken für die eingehenden Lkw zur Verfügung stehen. Es ist eine Aufgabe der Disposition, darüber zu entscheiden, welche Wechselbrücke welcher Abfahrt zugeordnet werden soll. All dies geschieht nun Software-gestützt.
Transparenz über alle Prozesse
Disponenten bei Würth sind seit dem Einsatz der Software in der Lage, Wechselbrücken per Drag’n’Drop bestimmten Abfahrten in beliebiger Reihenfolge zuzuordnen oder an einem Tor bereitzustellen. Die Fahrer des Rangierfahrzeugs erhalten dann Anweisungen auf ihrem Tablet und können durchgeführte Aufträge dort rückmelden oder besondere Informationen hinterlegen. Farbzuordnungen und kleine Symbole zeigen den Disponenten auf einen Blick, zu welchem Dienstleister eine Brücke gehört und in welchem Zustand sie sich gerade befindet. „Ich finde es genial, wie viele Informationen wir fokussiert auf einer Bildschirmansicht erfassen“, sagt Kessler. „Wir sehen alle Tore und alle Abfahrten des ganzen Tagesplans gruppiert nach Transportdienstleister und dann noch einmal untergruppiert nach Subunternehmen.“ Kessler ergänzt: „Außerdem hilft uns das System, weitere Kennzahlen zu dokumentieren.“ Dies sei hilfreich für die Steuerung der Dienstleister. Kommt ein Lkw etwa zu spät, ist dies nun transparent dokumentiert und lässt sich in der Abwicklung der Störung nutzen. Auch erste Automatisierungskomponenten sind integriert. So wird die Bereitstellung passender, leerer Brücken an bestimmten Toren bereits automatisiert beauftragt, wenn die vorherige verzogen wurde. Durch den Systemeinsatz können rund 60 Wechselbrücken ohne zusätzlichen Papieraufwand abgewickelt werden. Somit leistet Syncrotess auch einen Beitrag für die Nachhaltigkeitsstrategie von Würth.







































