Wie sehr ist Ihr Software- mit Ihrem Maschinenbau-Portfolio verknüpft?

Nicolai: Grundsätzlich haben wir nicht viel mit unseren Maschinen zu tun. Wobei die Entwicklung von Schnittstellen für unsere eigenen Maschinen natürlich einer der Treiber ist. Wenn wir Konnektivität für eine neue Technologie brauchen, fließt diese in MK|Ware ein. Aber in der Praxis binden wir bei unseren Kunden zu 90 bis 95 Prozent Fremdmaschinen an. In deren Werken stehen ja nicht nur Erzeugnisse von uns. Nun wollen die Betreiber aber das gesamte Spektrum vernetzen, bis hin zu den Handarbeitsplätzen – die wir im Rahmen der Maschinenanbindung auch digital integrieren.

Boxen neugeordnet
Bild: MKW GmbH Digital Automation

Wie sieht ein typisches Projekt mit Ihnen aus?

Nicolai: Bevor wir aktiv loslegen, geben wir unseren Kunden eine sogenannte Emma, eine Example Machine. Diese beinhaltet unsere Software und eine SPS, um darauf zu üben und zu trainieren, wie Digitalisierung mit MK|Ware aussieht. Im nächsten Schritt lässt sich diese Emma an eine reale Maschine anbinden, um zu einer noch praxisnäheren Einschätzung zu gelangen. Wenn Instandhaltung und IT an Bord sind, brauchen Firmen dafür meistens ein bis zwei Wochen.

Und dann kommen Sie an Bord?

Nicolai: Dann geht es an die Projektierung. In den ersten zwei bis drei Monaten wird geschaut, auf welchen Umfang es hinausläuft, welche Schnittstellen bedient werden sollen und wer sich um die Hardware im Shopfloor kümmern soll. Diese bieten wir zwar an, aber Kunden können sie auch nach den eigenen Spezifikationen erwerben. Die Implementierung selbst dauert meist nur rund drei Wochen, weil dieser Schritt der Erfahrung nach recht schnell gehen sollte. Der Turnover dauert im Endeffekt sogar nur zwei Tage, um zweigleisiges Fahren im Shopfloor zu vermeiden.

Viele Firmen empfehlen schrittweise Implementierungen, Sie einen Big Bang. Warum?

Nicolai: Das lässt sich am Beispiel der Arbeitsanweisungen verdeutlichen. Statt hier Ewigkeiten zweigleisig zu fahren, ist der harte Cut eine Erleichterung für alle Beteiligten. Dann heißt es nämlich: Okay, bis Freitag um 16.00 Uhr wird die alte Welt gefahren und Montag ab 6.00 Uhr gelten die Regeln für die neue Welt. Also wo müssen welche Daten zur Verfügung stehen, steht es auf Papier oder im IT-System oder erfolgen Rückmeldungen noch manuell an Buchungsterminals oder bereits automatisch? Dies alles peu à peu umzustellen, hat in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt. Bei schnellen Implementierungen haben sich Vorteile gezeigt.

Wo lauern Fallstricke?

Nicolai: Davon gibt es aus unserer Sicht eigentlich nur drei Stück: Entweder der Kunde hat im Vorfeld nicht alles offengelegt und kommt später noch mit Sonderwünschen um die Ecke, weil vielleicht nicht alle Abteilungen in das Projekt involviert waren. Außerdem müssen Unternehmen irgendwann auch den Mut aufbringen, sich wirklich auf den Weg zu machen. Der zweite Fallstrick ist also fehlende Entschlossenheit, etwa nach einem gescheiterten Pilotprojekt. Der dritte Punkt ist, von vorneherein das gesamte Unternehmen in das Projekt einzubinden. Also den Mitarbeitern erklären: Schaut her, ihr werdet nicht überwacht, sondern bekommt die Gelegenheit, uns zu belegen, wie schlecht die Anlagen funktionieren, in die wir nicht investieren, um sie zu verbessern.

Change Management?

Nicolai: Genau, das brauchen Sie. Auf einen so großen Change, den Big Bang am Tag X, müssen alle vorbereitet sein. Damit jeder weiß, was passiert und was zu tun ist.

Maschinenanbindungen sind nicht unkompliziert. Helfen Ihnen die Standardisierungsinitiatioven der OPC Foundation, des SCI 4.0 oder anderer Organisationen bei der täglichen Arbeit?

Nicolai: Nein. Leider Gottes betreiben die meisten unserer Kunden viele Altanlagen – die übrigens meist deutlich länger als Neuanlagen halten, warum auch immer. Wir binden also viel mehr alte als neuere Anlagen an. Der zweite Punkt lässt sich an der Euromap-Schnittstelle illustrieren, dem Nonplusultra für Spritzgießmaschinen im Kunststoffbereich. Dieser digitale Standard sollte alles wichtige enthalten, sieht aber ausdrücklich herstellerspezifische Bereiche für die Lieferanten der Maschinen vor.

Mit welchem Ergebnis?

Nicolai: Heute ist es nachweislich so, dass die allgemein gehaltenen Bereiche sehr stiefmütterlich behandelt werden, während die maschinenherstellerspezifischen Elemente unendlich aufgebläht wurden. Diese Standardisierung funktioniert nicht so, wie wir das gewünscht hätten. Aber es ist nachvollziehbar, weil ein Platzhirsch natürlich dafür sorgen möchte, dass weiter seine Maschinen erworben werden, auch wenn es womöglich einen für diesen Fall besseren Lieferanten gibt. Unsere Maschinen kaufen Kunden nicht wegen des tollen Labels, sondern knallhart danach, was sie für ihr Produkt brauchen. Wer die beste Ware für dieses Produkt hat, der kommt zum Zuge. Möglichst einheitliche Schnittstellen, die dann aber nicht richtig bedient werden, machen bei alldem nicht gerade glücklich. Außerdem haben wir festgestellt, dass die Kosten für diese Schnittstellen explosionsartig gestiegen sind. Wo man früher nebenbei einfach den Zugriff auf Maschinendaten erhielt, müssen Sie heute für sehr hohe Lizenzgebühren OPC UA-Schnittstellen freischalten lassen. Für etwas, was sowie vorhanden ist.

Das klingt desillusioniert. Was schlagen Sie vor?

Nicolai: Es müssten alle einsehen, dass der Kunde die Datenhoheit hat und nicht der Anlagenlieferant. Das wird aktuell eher schlechter. Die Anwender unserer Software zeigen uns klipp und klar auf, wenn unsere Maschinen schlecht laufen. Sie können das, weil wir uns transparent machen. Ich kann als Anlagenlieferant doch keine Angst davor haben, dass mir mein Kunde anhand von Daten aufzeigen kann, dass meine Anlage schlecht läuft und deshalb die Daten nicht herausgeben. Das macht keinen Sinn, denn die Maschine läuft ja weiter schlecht und dafür muss ich als Anlagenbauer gerade stehen.

Sie holen sich ihre Betriebsdaten also nicht automatisiert zurück ins Haus?

Nicolai: Nein, ganz bewusst nicht. Die Daten gehören zu hundert Prozent dem Kunden, der sie produziert, sie besetzt und frei darauf zugreift. Wir erklären sogar, was wie und wo gespeichert wird. Aber der Betreiber kann uns als Sondermaschinenbauer wieder mit ins Boot holen, um etwa Bottlenecks zu analysieren oder Performance Upgrades an Maschinen durchzuführen, die übrigens nicht aus unserem Maschinenbau stammen müssen. Aber unser innigstes Ziel ist es eigentlich, dass sich der Betreiber selber helfen kann, unsere Software jedoch fair benutzt. Dann gewinnen alle.

Was ist denn produktseitig in der Pipeline? Sehen sie Trends bei den Bedürfnissen Ihrer Kunden?

Nicolai: Alle unsere Kunden treiben gerade die Themen rund um die Personaleinsatzplanung an. Dafür entwickeln wir gerade unser Modul MK|Workforce in Richtung Qualifikationsmanagement und Arbeitsanweisungen weiter. Bei veränderten Produktionsprozessen zeigt es den Werken zu Auftragsbeginn etwa automatisch an: Eine Arbeitsanweisung hat sich geändert, schau sie dir bitte an und wende sie an.

Bei Werkerführungen und Montage-Assistenzsystemen tut sich viel. Laserprojektion, Augmented Reality und automatisierte Qualitätssicherung: Können Sie so etwas?

Nicolai: In unserem Sondermaschinenbau entwickeln wir genau solche Sachen. Automatisierte Handarbeitsplätze zählen zu unserer Kernkompetenz. Für die MK|Ware ist es dann nur noch eine Maschine, die wir anbinden.

Seiten: 1 2 3



  • Lagebericht der IT-Sicherheit

    Lagebericht der IT-Sicherheit

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Mitte Oktober seinen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2020 veröffentlicht. Dazu erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung: „Zu Beginn…

    mehr lesen: Lagebericht der IT-Sicherheit

  • Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Mit der Übernahme des IoT-Spezialisten Bright Wolf, will der IT-Dienstleister Cognizant seine Expertise im Bereich Internet of Things erweitern.

    mehr lesen: Cognizant erweitert IoT-Portfolio

  • Schutz von Workstations

    Schutz von Workstations

    Stormshield erweitert seine Produktpalette mit Endpoint Security Evolution. Dabei handelt es sich um eine Lösung zum Schutz von Workstations, die speziell auf aktuelle Cybersicherheitsprobleme zugeschnitten ist.

    mehr lesen: Schutz von Workstations

  • Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Die Siemens-Netzwerkkomponenten der Scalance-SC-600-Familie zielen auf den Schutz von industriellen Netzwerken und Automatisierungssystemen durch die Segmentierung des Netzwerkes und sichere Kommunikationskanäle ab. Mit dem neuen Modell Scalance SC622-2C präsentiert der…

    mehr lesen: Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

  • Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    In vielen Ländern Europas scheint sich der Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Darauf deuten die Zahlen des Europäischen Arbeitsmarktbarometers hin, das nun erstmals veröffentlicht wurde.

    mehr lesen: Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

  • GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha haben angekündigt, zukünftig in den Bereichen Process Mining und Business Intelligence zusammenzuarbeiten. Kunden sollen so einen Mehrwert bei der digitalen Transformation erhalten.

    mehr lesen: GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

  • Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr als eine Milliarde Schadprogramme verzeichnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im aktuellen Lagebericht. Und auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die aktuelle Sicherheitslage aus.

    mehr lesen: Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

  • Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    CIOs setzen auf Automatisierung und KI, um wachsende Kluft zwischen begrenzten IT-Ressourcen und steigender Cloud-Komplexität zu überbrücken. Dies geht aus einer Studie von Dynatrace hervor.

    mehr lesen: Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

  • Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung gehen laut aktueller ZEW-Zahlen im Oktober zurück. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage hat sich jedoch erneut verbessert.

    mehr lesen: Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

  • Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Die MPDV hat seit Oktober drei neue Geschäftsführer. Nathalie Kletti, Thorsten Strebel und Jürgen Petzel stehen an der Spitze des Unternehmens.

    mehr lesen: Neues Trio an der MPDV-Spitze

  • Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Die Beschäftigtensituation im Maschinen- und Anlagenbau bleibt weiter angespannt. Im August ging die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vormonat um weitere 2.165 auf 1,025 Millionen zurück. Damit sind fast…

    mehr lesen: Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

  • Flexibel und sicher

    Flexibel und sicher

    Helmholz erweitert sein Portfolio an Industrieroutern. Die bewährten REX-Geräte sind ab sofort auch mit zusätzlicher WAN (Wide Area Network)-Schnittstelle und Fallback-Mechanismus erhältlich.

    mehr lesen: Flexibel und sicher