2024 10 24 Fritz Steininger 5
Bild: DE software & control GmbH

Was meinen Sie?
Steininger: Wenn Sie bei einer Firma anfangen und eine klassische Arbeitsanweisung mit zehn Seiten Umfang in die Hand bekommen, können Sie dennoch nicht mit der Arbeit beginnen. Ihnen fehlen wichtige Begriffe, Sie wissen generelle Abläufe nicht, oder wo das Material liegt. Die Einarbeitungsphase ist auch mit guten Arbeitsanweisungen sehr aufwendig. Das Potenzial wird umso deutlicher, wenn Sie die zunehmende Zahl an Zeitarbeitern betrachten, an Menschen mit unterschiedlichen Bildungsniveaus sowie Muttersprachen und vieles mehr. Der neu integrierte Chatbot in unserer workstAItion 5.0 liefert Antworten auf solche individuellen, nicht antizipierten Fragen. Das erleichtert das Onboarding enorm, egal ob in polnischer, ungarischer oder chinesischer Sprache. Damit übernimmt unsere Werkerassistenz die Arbeit, die bislang ein eigens dafür abgestellter Tutor leistet.

Ihre Werkerassistenz soll sich also leichter erstellen lassen und deren Unterstützung setzt früher an.
Steininger: Ja, womit wir auch die Herausforderung adressieren, Prozesse zu unterstützen, die Sie nur fünf, zehn oder fünfzig Mal wiederholen. In diesen Fällen lautet unsere Empfehlung, quasi mit einer leeren Arbeitsanweisung zu beginnen und diese direkt im Shopfloor inkrementell zu verfeinern. Schon ab dieser Stelle nimmt unser Chatbot Informationen dazu auf, welche Fragen die beauftragten Produktionsmitarbeiter ausbremsen, was dem Abarbeiten des Auftrages in den verschiedenen Prozessphasen im Weg steht. Diese Informationen sind natürlich über alle Qualifikationsniveaus hinweg nützlich für die Optimierung von Arbeitsanweisungen. Wir schaffen damit einen Regelkreis, der das gängige Problem veralteter oder fehlerhafter Arbeitsanweisungen löst. Bislang mussten Mitarbeiter dies unterschwellig mit ihrem Wissen kompensieren.

Wie wird der Chatbot denn trainiert, um so generell auskunftsfähig zu werden?
Steininger: Eine KI ist nichts anderes als eine Rechenmaschine, die mit entsprechenden Informationen gefüttert werden muss. Die Werkerassistenz nur mit einem ERP-System zu koppeln ist meistens nicht ausreichend. Hier fehlen üblicherweise Informationen zum Prozess und Hinweise für die Mitarbeiter.

Wie gelangen Sie an diese Daten?
Steininger: Um das zu erläutern, muss ich grundsätzlicher werden: Wir definieren unsere Arbeitsanweisungen in einer hierarchischen Struktur. Die Prozessanweisungen für ein Produkt sind in Segmente gegliedert, die den sogenannten Vorgängen im ERP-System entsprechen. Diese Segmente – oder Vorgänge – sind in Aktivitäten strukturiert, und Aktivitäten wieder in Schritte. Innerhalb dieser Hierarchie können Sie Arbeitsinhalte auf Montagelinien verteilen, auf die Personalbestückung einer Montagelinie reagieren oder bestimmte Abfolgen zusammenfassen und vieles mehr. Wenn Sie eine Arbeitsanweisung innerhalb dieser sehr formalisierten Struktur um Informationen ergänzen wollen, etwa wie mit Gefahrenstoffen korrekt umzugehen ist, brauchen Sie eine weitere Datenquelle. Wir haben daher ein Content Management System aufgesetzt, in das solche Informationen einfließen, das aber bezüglich der Versionierung eng mit der Werkerführung gekoppelt ist.

Auch in dieses System muss Mitarbeiterwissen zunächst einfließen.
Steininger: Dazu haben haben wir unser Datenmodell aufgebohrt. Anwender können nun auf Ebene der einzelnen Schritte anwählen, Informationen für die KI hinzuzufügen. Das können unstrukturierte Texte sein, oder eher prosaische Texte. Wenn ein Hersteller beispielsweise fünf Maschinen des gleichen Typs betreibt, sich diese im Handling jedoch geringfügig unterscheiden, können die Fachleute vor Ort dieses Wissen um die Unterschiede für die KI verfügbar machen. Dazu müssen sie es nur in das Datenfeld eingeben und bereitstellen.

Wer entscheidet, was in die KI gelangt und was nicht?
Steininger: Das machen weiter die Meister und Arbeitsvorbereiter.

Seiten: 1 2 3



  • Datensicherung auf OT ausweiten

    Datensicherung auf OT ausweiten

    Waxar erinnerte am World Backup Day daran, dass regelmäßige Datensicherungen nicht nur für die IT, sondern auch für die OT eine wichtige Präventionsmaßnahme darstellen.

    mehr lesen: Datensicherung auf OT ausweiten

  • Mehr Sicherheit in der Cloud

    Mehr Sicherheit in der Cloud

    McAfee kündigt die Zusammenarbeit mit Atlassian an, einem Anbieter für Softwareentwicklungs- und Kollaborations-Tools. Ziel ist es, gemeinsamen Kunden, die den Umstieg in die Cloud beschleunigen wollen, verbesserte Sicherheit und Bedrohungserkennung…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit in der Cloud

  • Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Täglich werden Millionenwerte auf öffentlichen Straßen bewegt. Die scheinbar leichte Beute für Kriminelle zwingt Wert- und Geldtransportunternehmen, die Fahrzeuge entsprechend vor Raubüberfällen zu schützen.

    mehr lesen: Lückenloses Fahrzeug-Tracking

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Für die Produktionsplanung und –steuerung wird in der Lern- und Musterfabrik am TZ PULS in Dingolfing jetzt mit einer Obeya-Kommunikationszentrale gearbeitet. Der große Raum, japanisch Obeya, kombiniert analoge Lean-Methoden mit…

    mehr lesen: Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

  • Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Die neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 8.1 soll Grundlagen für 3D-Druckverfahren von keramischen Bauteilen vermitteln,

    mehr lesen: Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

  • Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Weltweit wurden in Folge der Coronavirus-Pandemie Unternehmen auf der ganzen Welt vorübergehend geschlossen. Nach der Phase des Stillstands bereiten sich nun viele Firmen auf die Wiedereröffnung vor.

    mehr lesen: Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

  • Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Das Coronavirus stürzt fast die ganze Welt in eine Rezession. Das geht aus der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts hervor, an der 1.000 Experten in 110 Ländern teilgenommen haben. Demnach könnte…

    mehr lesen: Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

  • Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Die Unternehmen der deutschen Informationswirtschaft sind oftmals unzufrieden mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das zeigt eine Umfrage des ZEW. Demnach überwiegen in jedem zweiten Unternehmen…

    mehr lesen: Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

  • Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M wollen künftig als Technologiepartner für die IoT-Datenbank CrateDB zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Crate.io und M&M Software kooperieren

  • Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick hat im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz um 7% auf 1,7Mrd.€ erhöht. Der Auftragseingang lag bei 1,8Mrd.€ (2018: 1,7Mrd.€).

    mehr lesen: Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

  • Eine App zur Bauteilerkennung

    Eine App zur Bauteilerkennung

    In der Bildverarbeitung kommt künstliche Intelligenz seit langem zum Einsatz. Neuronale Netze erkennen beispielsweise Objekte des alltäglichen Lebens mit einer höheren Genauigkeit wieder als der Mensch. Forscher des Fraunhofer-Instituts für…

    mehr lesen: Eine App zur Bauteilerkennung