Den Verbrauch im Blick

304120 econ Startbildschirm Laptop
Bild: Econ Solutions GmbH

Anfangs hat Alpirsbacher Klosterbräu Energiemanagement mittels händischem Ablesen der Zähler und Excel betrieben. Der Zeitaufwand war jedoch hoch und die begrenzten Auswertungsmöglichkeiten lieferten kaum eine Grundlage, um Optimierungspotenziale zu identifizieren. Ein Energiemanagementsystem sollte den Prozess digitalisieren und weitgehend automatisieren. Zudem wünschte sich das Unternehmen detailliertere Auswertungen: „Wir hatten alle möglichen Zähler im Einsatz, von Impuls-Wasserzählern bis zu Stromzählern mit Ethernet-Schnittstelle, außerdem die Druckluftanlage mit Modbus-Ausgang. Deshalb brauchten wir ein System, in das wir all unsere Zähler einbinden können“, sagt Berthold Bader, Leiter Projektmanagement und Betriebstechnik bei Alpirsbacher Klosterbräu. „Das haben wir mit Econ gefunden. Inzwischen haben wir nicht nur die Hardware integriert, sondern auch Daten aus unserem Prozessleitsystem ‚Braumat‘. Das neue ERP-System, das wir gerade in Betrieb nehmen, wird folgen.“

Vom ERP-System ins Energiemanagement

Im ERP-System liegen nahezu in Echtzeit die abgefüllten Biermengen vor. Zusammen mit den Messdaten der Zähler bildet die Econ-Software fortlaufend die Energieleistungskennzahlen (Energy Performance Indicators, EnPI) für die Abfüllung ab – in erster Linie der Strom- und Wasserverbrauch pro abgefülltem Hektoliter Bier. „Vielleicht wird auch die Datenübernahme andersherum – also aus Econ ins ERP-System – interessant, etwa für die Abrechnung von Energiemengen“, sagt Bader. Die Zählerdaten aus der Produktion fließen zuerst ins Prozessleitsystem ‚Braumat‘, sodass etwa die Reinigungsanlage nach einer bestimmten Wassermenge auf den nächsten Schritt umschaltet. Aus Braumat laufen die Daten in Econ4, um – im Fall der Reinigungsanlage – die verbrauchte Wassermenge zu erfassen und auszuwerten.

Durch die Verbindung von Braumat und Econ-Software weiß Alpirsbacher nun, wie viel Wärme, Strom, Wasser, Druckluft und CO2 pro Hektoliter Bier oder Biermischgetränk verbraucht werden. Soweit möglich werden diese Kennziffern abteilungsspezifisch für das Sudhaus, den Gär- und Lagerkeller und die Filtration betrachtet. Treten hier signifikante Schwankungen auf, ist klar, dass die Ursache nicht im Produktionsprozess liegt, sondern andere Einflussfaktoren hineinspielen. Dann kann es sich lohnen, auf Ursachensuche zu gehen.

Schwellwert für den Wasserverbrauch

„Das gilt vor allem fürs Wasser – durch die hohen Wasser- und Abwasserpreise unser teuerstes Medium“, sagt Bader. Neben der generellen Reduzierung des Verbrauchs steht deshalb die Leckageerkennung im Fokus. Hierfür hat Bader Schwellwerte für den Wasserverbrauch innerhalb von 24 Stunden festgelegt. Wird einer dieser Werte überschritten, erhält er vom System eine Benachrichtigung. „Das hat uns schon vor einer kritischen Situation bewahrt. Da gab es eine recht große Leckage in der unterirdischen Wasserleitung zwischen den beiden Alpirsbacher-Werken. Nur durch die Benachrichtigung aus der Software wussten wir das sofort und konnten gleich etwas dagegen unternehmen.“, sagt Bader. Ähnlich verhielt es sich mit der Flaschenwaschmaschine: Hier führten die Verantwortlichen den erhöhten Wasserverbrauch mit Hilfe der Messdaten und Auswertungen auf ein defektes Ventil zurück.

Energiesparpotenziale erschlossen

Die Kälteanlage ist der größte Stromverbraucher der Brauerei. Sie kühlt unter anderem ein Tanklager, dessen Dämmung aufgrund des Alters nicht mehr dem neusten Stand entspricht. Den Verantwortlichen war also klar, dass es eine gewisse Abhängigkeit ihres Stromverbrauchs von der Außentemperatur gibt. „Dass der spezifische Verbrauch im Sommer um so viel höher ist, hat uns dann doch überrascht. Dabei haben wir die höheren Produktionsmengen in dieser Zeit selbstverständlich berücksichtigt“, sagt Bader. Das Unternehmen überlegt nun, die Dämmung des Tanklagers zu verbessern. Das war auch der Grund für den Kauf einer neuen Abfülllinie. „Vor allem bei so großen Investitionen ist es sehr hilfreich, gute Daten zu haben. Dadurch kennen wir die Einsparpotenziale ziemlich genau und können realistische Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchführen“, sagt Bader. Ein überraschendes Effizienzpotenzial zeigte sich auch bei der Drucklufterzeugung: Obwohl die Anlage erst zehn Jahre alt war, hatte sie bei genauer Betrachtung in der Software schlechte spezifische Werte. Durch eine Neuanlage konnte Alpirsbacher den Stromverbrauch bei der Druckluft um 40 Prozent reduzieren.

Stromspitzen reduziert

Mit dem Energiemanagement-System hat Alpirsbacher zudem ein Spitzen- und Ladelastmanagement eingeführt, um den steigenden Netznutzungsgebühren zu begegnen. Die Installation von Ladesäulen gab 2021 den Anlass, beim Lastmanagement auf die eine neue Version zu wechseln. Drohen Lastspitzen, werden nicht benötigte Verbraucher automatisch abgeschaltet oder runtergeregelt. Im Zuge dessen wurden die Leistungsspitzen sogar reduziert, obwohl neue Verbraucher angebunden und die Produktionsmenge innerhalb der letzten zehn Jahre um rund 30 Prozent gestiegen ist. „Nicht nur die Leistungsspitzen, sondern auch unsere Strom- und Gasverbräuche sind trotz deutlich gesteigerter Produktion nahezu auf demselben Niveau geblieben“, sagt Bader.

„Im Rückblick würde ich gleich bei der Einführung der Energiemanagement-Software so viele Zähler wie möglich digitalisieren“, sagt Bader. „Aber das holen wir nun sukzessive nach.“ Die Brauerei plant zudem, das System durch weitere Unterzähler zu erweitern. Ziel ist es, die Verbräuche soweit möglich den einzelnen Kostenstellen zuzuordnen.



  • 2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

    2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

    Trotz eines Rückgangs bei Umsätzen und Auslieferungen von Industrierobotern im Jahr 2023 prognostizieren die Marktforscher von Interact Analysis ein jährliches Marktwachstum von 3,7 Prozent bis 2028.

    mehr lesen: 2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

  • Quantencomputing made in Germany

    Quantencomputing made in Germany

    Quantencomputer haben eine besonders hohe Rechenleistung und können so komplexe Probleme lösen. Wie? Davon können sich Unternehmen und Forschungsteams nun im Hamburg ein Bild machen.

    mehr lesen: Quantencomputing made in Germany

  • USA führend bei Digitalinnovationen

    USA führend bei Digitalinnovationen

    Die Innovationstätigkeit in Digitaltechnologien nimmt weiter an Fahrt auf. Und laut Deutschem Patent- und Markenamt dominieren die USA und China in diesen Bereichen. Die deutsche Bilanz ist zwiespältig.

    mehr lesen: USA führend bei Digitalinnovationen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Smarties warnen vor Extremereignissen

    Smarties warnen vor Extremereignissen

    Im Forschungsprojekt Smarties entwickelt und testet das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS) zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS ein System intelligenter Miniballons mit atmosphärischen Tracern – sogenannten…

    mehr lesen: Smarties warnen vor Extremereignissen

  • Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

    Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

    Data Analytics und KI sollen KMU helfen, Wettbewerbsvorteile zu sichern. Laut einer Studie von AWS liegt Europa beim Reifegrad künstlicher Intelligenz jedoch hinter anderen Regionen zurück.

    mehr lesen: Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

  • VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

    VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

    Die Aufgaben der Transformation sind gewaltig: Um ihren Herausforderungen zu begegnen, startet der VDI die Initiative ’Zukunft Deutschland 2050‘.

    mehr lesen: VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

  • Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups

    Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups

    Frauen sind im MINT-Bereich immer noch stark unterrepräsentiert, nur 11 Prozent aller Ingenieure sind weiblich und nur 17 Prozent beträgt der Frauenanteil im deutschen Maschinenbau allgemein. Doch woran liegt das?…

    mehr lesen: Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups

  • Wie Unternehmen Augmented und Virtual Reality nutzen

    Wie Unternehmen Augmented und Virtual Reality nutzen

    Je ein Fünftel der Unternehmen in Deutschland setzt bereits AR- oder VR-Technologie. Laut einer Bitkom-Befragung dominieren Schulung und Weiterbildung sowie Konstruktion und Planung die Anwendungen.

    mehr lesen: Wie Unternehmen Augmented und Virtual Reality nutzen

  • Stimmung in der Automobilindustrie kühlt ab

    Stimmung in der Automobilindustrie kühlt ab

    Nach zuletzt etwas besseren Werten im April bewegt sich der Ifo-Indikator für das Geschäftsklima in der Automobilindustrie im Mai wieder in die andere Richtung.

    mehr lesen: Stimmung in der Automobilindustrie kühlt ab

  • Petra Boss wird Co-CFO bei Xitaso

    Petra Boss wird Co-CFO bei Xitaso

    Mit Petra Boss hat Xitaso eine neue Geschäftsführerin. Als Co-CFO verantwortet die 55-Jährige gemeinsam mit Martin Huggenberger den Finance- und Legal-Bereich des Unternehmens.

    mehr lesen: Petra Boss wird Co-CFO bei Xitaso

  • Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer

    Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer

    Im Vergleich zum Vormonat sinkt das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Mai 2024 um 0,8 Punkte. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befindet sich nun mit 99,8 Punkten unter dem…

    mehr lesen: Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer