Private, Public oder doch Hybrid? Für Unternehmen stellt sich diese Frage, wenn es um den Weg in die Cloud geht. Doch was sind die Unterschiede zwischen den Modellen und was gilt es im Vorhinein zu beachten? Matthias Bollwein, Mitgründer von Uniki gibt einen Überblick.
Die IT-Branche boomt. Laut Bitkom setzten im vergangenen Jahr bereits drei von vier Unternehmen auf Cloud Computing. Zum einen, um Daten zu speichern und zentral zu teilen, zum anderen basieren auch zunehmend die Software-Lösungen für die produzierende Industrie auf Cloudtechnologien. Insbesondere in diesem Bereich gibt es noch Wachstumspotenzial, denn Cloud-Technologien bilden die Grundlage für die Industrie 4.0. Aus diesem Grund stellt sich in der Industrie nicht mehr nur die Frage, ob man auf eine Cloudlösung setzt, sondern welche die richtige für das eigene Unternehmen ist.
Die Grundlage
Zukünftig geht es nicht mehr nur darum gehen, wie das Team untereinander arbeitet, sondern wie Maschinen mit Menschen und mit anderen IT-Systemen kollaborieren und kommunizieren können. Nicht nur Unternehmen, die kurzfristig die Anschaffung neuer Maschinen planen und gerade dabei sind, die Produktion in eine smart Factory umzubauen, suchen eine Lösung, die zukunftsfähig ist und die Basis für eine vollständige Vernetzung aller Systeme im Unternehmen schafft. Hierbei spielen auch Faktoren wie IoT-Kompatibilität, Datenschutz und einfache Nutzung eine Rolle.
Haben Industrieunternehmen in der Produktion Maschinen in Betrieb, die über 20 Jahre alt sind, bringt dies zusätzliche Herausforderungen mit sich. Denn ältere Maschinen sind nicht mit der neuen Infrastruktur kompatibel, sondern hängen bestenfalls im lokalen Netzwerk. Wer trotz der älteren Ausstattung den Weg in die Cloud gehen will, der kann schrittweise umstellen oder hybride Lösungen schaffen. Dabei werden nach und nach einzelne Geschäftsbereiche und Softwarelösungen in die Cloud verlagert und die bestehende Infrastruktur eingebunden.
Die Vorteile des Cloud-Computing-Markts liegen darin, dass dieser für jeden Bedarf das passende Angebot bietet. Für Industrieunternehmen empfiehlt sich im ersten Schritt, den Markt entsprechend zu analysieren und zu prüfen, welche Applikationen und Angebote die internen Abläufe optimieren bzw. die Marktposition stärken können. Dabei gibt es die Möglichkeit, nur die Infrastruktur einzukaufen (Infrastructure as a Service, IaaS) oder direkt eine fertige, nutzbare Software (Software as a Service, SaaS) einzusetzen. Grundlage für diese Entscheidung sind die Gegebenheiten im Unternehmen und wie sich Prozesse langfristig weiterentwickeln sollen. Sind die Anforderungen an die Lösung geklärt, können sich Unternehmen mit der nächsten Frage auseinandersetzen: Private, Public oder Hybrid Cloud? Alle Modelle können IaaS oder SaaS kombinieren und bringen jeweils spezielle Vor- und Nachteile mit sich.
Private Cloud
Die meisten Industrieunternehmen setzen aktuell auf die Private Cloud. Das bedeutet, dass die Cloud im eigenen Rechenzentrum des Unternehmens, direkt on Premise oder bei einem Partner betrieben wird. Der Zugriff auf die Private Cloud ist im Gegensatz zur Public Cloud nur dem Unternehmen möglich. Der Vorteil liegt dabei in der Datensicherheit. Denn das Unternehmen weiß genau, wo die Daten gespeichert werden und kann auch intern die entsprechenden Berechtigungen und Zugriffsebenen verwalten. Das ist für deutsche Unternehmen im Rahmen der DSGVO Grundvoraussetzung. Darüber hinaus können die Ausstattungen und Funktionen der Private Cloud sehr individuell auf das Unternehmen angepasst werden.
Auch klassische Geschäftsanwendungen wie ERP-Systeme und vieles mehr können über die Private Cloud betrieben werden. Denn Private-Cloud-Anbieter im Industrie-Bereich können durch den Fokus auf das Unternehmen genauere Anpassungen vornehmen und bieten daher oft einen umfangreichen Support-Service an, um die Verfügbarkeit und Produktivität der Cloud jederzeit sicherzustellen. Das ist allerdings auch ein Manko der Private Cloud: Ein kleiner Einstieg für wenige Euro pro Monat ist nicht möglich. Es muss ein gewisses Basispaket erworben werden, denn nur so können die Anforderungen des Unternehmens entsprechend umgesetzt werden.
Public Cloud
Die Public Cloud ist vom Grundgedanken her offen für jeden. Das Rechenzentrum betreibt der Anbieter, der DSGVO-konform seinen Hauptfirmensitz und das Rechenzentrum in der EU gemeldet haben muss. Wird mehr Rechenkapazität oder Speicherplatz benötigt, kann man das in der Regel sehr flexibel regulieren. Je nach Unternehmensgröße und Datenschutzrichtlinien kann die Public Cloud jedoch schnell an ihre Grenzen kommen. Zudem kann auf Compliance Anforderungen nur sehr eingeschränkt eingegangen werden, da die Anwendung auch mit anderen Nutzern geteilt wird. Auch Anpassungen sind daher nicht möglich.
Entsprechend des Public-Cloud-Modells nutzen natürlich auch andere Firmen und Anwender diese Infrastruktur. Dies bedeutet, dass sich Unternehmen genau über den Anbieter und die Speicherung der Daten informieren sollten, um sich vor Datenklau oder Risiken bei der Rechtskonformität zu schützen. Auch kann eine Skalierung der Infrastruktur zwar schnell erfolgen, allerdings hat das auch oft seinen Preis. Industrieunternehmen nutzen Public-Cloud-Funktionen in erster Linie für nicht essentielle Funktionen oder für den Austausch unsensibler Daten.
Hybrid Cloud
Die Hybrid Cloud kombiniert die Eigenschaften der Private und der Public Cloud. Sie läuft ebenfalls über ein firmeneigenes Rechenzentrum oder On-Premise und verbindet die privaten und öffentlichen Cloud-Lösungen in einem zentralen System. Für den Anwender spielt es somit keine Rolle, wo die Daten ursprünglich gespeichert wurden. Auch vorhandene Systeme mit teils älteren Software-Architekturen können an die Hybrid-Cloud angebunden werden. Insbesondere für Industrieunternehmen, die schrittweise in die Cloud wechseln möchten, kann sich eine Kombination der Private Cloud und Public Cloud lohnen. Produktionsunternehmen schätzen insbesondere On-Premise-Lösungen, da diese die internen Abläufe auch bei einem Ausfall der Internetanbindung weiter unterstützen.
Die Zukunft wird im Industriebereich zu einer zentralen Plattform für alle im Unternehmen eingesetzten Systeme gehen, so dass sich nur noch das IT-Team mit den verschiedenen Voraussetzungen und Charakteristika der Cloudlösungen auseinandersetzen wird. Der Anwender sieht eine Oberfläche, in der alle Daten einlaufen und abrufbar sind.









































