Studie

Robotergesteuerte Prozessautomatisierung: Nachfrage noch verhalten

Das Beratungsunternehmen ISG hat im Rahmen einer Studie den Markt für Robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Insgesamt wurden 248 Unternehmen zur aktuellen und zukünftigen Nutzung von RPA-Technologien befragt. Demnach soll sich bis 2020 die gegenwärtig eher verhaltene Nachfrage massiv erhöhen.

Mit Robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) können Geschäftsprozesse automatisiert werden, ohne die Prozesse oder die sie unterstützenden IT-Systeme anpassen zu müssen. Zum Einsatz kommen Software-Roboter, die aus einer rein virtuellen Ebene heraus Daten in die Benutzeroberflächen der am Prozess beteiligten IT-Systeme eingeben. „Somit eignet sich RPA vor allem für die Automatisierung transaktionsstarker Geschäftsabläufe, bei denen die prozessunterstützenden IT-Systeme nicht ausreichend vernetzt sind“, erläutert ISG-Partner Andreas Lüth. Das Beratungsunternehmen hat im Rahmen einer Studie untersucht, welche Potenziale RPA-Technologie in Zukunft bieten kann. „Im Vergleich zu klassischen Automatisierungsansätzen, die an ein Reengineering der Prozesse sowie an Anpassungen in den IT-Systemen geknüpft sind, bieten RPA-Technologien einen deutlich einfacheren Weg, um die Produktivität und Qualität eines bestehenden Geschäftsprozesses signifikant zu erhöhen“, berichtet Lüth.

17 Prozent haben Projekte gestartet

17 Prozent der 248 befragten Unternehmen gaben an, noch kein RPA-Projekt gestartet zu haben. Weitere 52 Prozent beschäftigen sich mit der Konzipierung und Pilotierung erster Vorhaben. Das übrige Drittel zählt zu den Pionieren und hat bereits mindestens zehn Geschäftsprozesse auf RPA umgestellt. „In den kommenden beiden Jahren kehrt sich das Bild vollständig um“, berichtet Andreas Lüth: „Nur noch sechs Prozent der Befragten gaben an, bis 2020 weiterhin kein eigenes RPA-Projekt zu starten. Demgegenüber stellen 60 Prozent der Unternehmen in Aussicht, im Jahr 2020 mindestens zehn RPA-Prozesse aufgesetzt zu haben. Über die Hälfte der zuletzt genannten äußerte den Willen, dann mehr als 25 Geschäftsprozesse an Software-Roboter zu übergeben.“ Im europäischen Kontext sei dies ein hoher Wert, denn Gegenüber den Befragten aus der DACH-Region liege die Zahl der Unternehmen, die besonders schnell in die RPA-Welt hineinwachsen wollen, im restlichen Europa ein Drittel niedriger. Die Vergleichszahl stammt aus einer Parallelerhebung, die ISG zeitgleich unter 250 europäischen Unternehmen außerhalb der DACH-Region durchgeführt hat.

Erhöhung des Budgets

Drei Viertel der befragten Unternehmen aus der DACH-Region berichten über eine spürbare Erhöhung ihrer RPA-Budgets im laufenden Geschäftsjahr. Gegenüber 2017 stiegen die zur Verfügung stehenden Mittel in 54 Prozent der Fälle um mindestens 10 Prozent. Jedes siebte Unternehmen gab an, dass die Zuwächse zwischen elf und 20 Prozent lagen. Bei jedem zwölften stieg der RPA-Etat sogar um mehr als 20 Prozent. Lediglich neun Prozent der Befragten gaben keinerlei Veränderung an, während die restlichen sechs Prozent eine Budgetkürzung gegenüber 2017 einräumten.

IT-Organisation als Treiber

In der DACH-Region wird das Thema RPA weitaus stärker aus den IT-Organisationen heraus getrieben, als dies in Resteuropa der Fall ist: Während im übrigen Europa die IT-Bereiche und die Shared Services-Organisationen zu gleichen Teilen in RPA investieren, tritt im DACH-Sektor die IT erheblich stärker in Vorleistung.

Sicherheitsbedenken

43 Prozent der Befragten sehen Sicherheitsbedenken als größtes Hindernis für die Verbreitung von RPA-Technologien. Auch gibt es die Befürchtung, dass eine stärkere RPA-Nutzung zu Schwierigkeiten im Bereich Governance, Risk & Compliance führen könne. Organisatorische Themen führen das Feld der am stärksten genannten Hemmnisse an. Vier der fünf wichtigsten Hindernisse lassen sich diesem Bereich zuordnen.

Fehlende Business Cases

Während in der DACH-Region nur ein Viertel der Befragten Budgetbegrenzungen als Hindernis sah, äußerte sich in Resteuropa jedes dritte Unternehmen in diesem Sinne. Noch größere Unterschiede ergaben sich beim Thema fehlender Business Cases: Während im deutschsprachigen Raum nur jeder elfte Befragte diesen Punkt zu den Top-Hindernissen zählte, lag der Vergleichswert im übrigen Europa bei über einem Drittel. In der DACH-Region liegt das am häufigsten genannte Anwendungsfeld (44 Prozent) im Bereich Einkauf, Logistik und Supply Chain. An zweiter Stelle (42 Prozent) – in Resteuropa an erster Stelle (43 %) – rangiert der Bereich Kundenbetreuung und Auftragsbearbeitung.