
In einem Optimierungsprojekt suchte Škoda Auto nach einem Weg, den Einsatz der verwendeten Hand-EC-Schrauber, Drehmomentschlüssel und stationären EC-Schrauber effizient zu steuern. Gleichzeitig war entscheidend, dass die Werkzeuge der unterschiedlichen Hersteller bei einem Defekt schnell ausgetauscht werden können. Das Informationssystem sollte die Verwendung des XML-Protokolls unterstützen – ein Standard des Volkswagen-Konzerns, das eine einheitliche Kommunikation zwischen dem Steuerungssystem und EC-Schraubern verschiedener Lieferanten sicherstellen soll. Heute steuert der tschechische Autobauer die Schraubwerkzeuge mit der IT-Plattform Aimtec DCIx für die Modelle Octavia, Enyaq und Elroq in Mladá Boleslav. Im Werk in Kvasiny wird das Tool zur Montage der Modelle Octavia, Karoq, Kodiaq, Cupra und Ateca eingesetzt. Škoda will die Plattform schrittweise auf weitere Arbeitsstationen und Produktionsbereiche ausweiten.
Stabilität und Verfügbarkeit im kritischen Betrieb
Abgebildet wurden kritische und risikoreiche Montageprozesse, bei dem jeder Ausfall an der Montagelinie zu einem völligen Stillstand führen kann. Daher wurden während des Projekts zur Steuerung der EC-Schrauber hohe Anforderungen an die Infrastruktur, Anwendungssicherheit, Stabilität und Verfügbarkeit des Systems gestellt. Bestandteil der Anwendung sind schnell ausführbare Ausweichverfahren und Ersatzprozesse. Die Mitarbeiter können diese nutzen und bei Bedarf schnell vom Standardmodus auf die Notfallstrategie umstellen. Die universell ausgerichtete IT-Plattform konnte diese Kriterien erfüllen. Der Autobauer kann sie eigenständig erweitern, anpassen und weiterentwickeln.

Schwerpunkt auf Qualität und Kontrolle
Für jede Fahrzeugkonfiguration, also seine Ausstattung, sind im System Schritte, Verbindungen und Verbindungssätze definiert, die ausgeführt oder angezogen werden sollen. Gleichzeitig sind die vorgesehenen EC-Schrauber und das entsprechende Drehmomentprogramm festgelegt. Da Fahrzeuge mit unterschiedlicher Ausstattung in einer bestimmten Reihenfolge über die Fertigungslinie laufen, hat jeder EC-Schrauber seine eigene Aufgabenwarteschlange, die genau dieser Reihenfolge entspricht. Aimtec DCIx sendet die Programme in dieser Reihenfolge an die einzelnen EC-Schrauber. Während der einzelnen Prozesse laufen mehrere Kontrollmechanismen in Echtzeit ab. Sensoren stellen sicher, dass der Mitarbeiter tatsächlich am richtigen Fahrzeug arbeitet, dass er sich an der vorgesehenen Stelle befindet und den vorgeschriebenen Arbeitsschritt ausführt. Der EC-Schrauber ist, wie das Fahrzeug auch, mit einem Sensor ausgestattet. SAP-Verantwortliche wissen, dass sie handeln müssen – aber nicht, wie sie fundiert entscheiden. ‣ weiterlesen
SAP-Transformation mit Augenmaß: Sicherheit für die richtige Entscheidung
Was tun bei einer Korrektur?
Für den Fall, dass ein Schraubvorgang teilweise oder überhaupt nicht durchführbar ist, sind Korrekturprozesse eingerichtet. Einer davon ist die Verwendung eines sogenannten EC-Schraubers für den Überholungsprozess. Dieser wird von einer geschulten Montagefachkraft – in der Regel dem Teamleiter – bedient. Dieser Mitarbeiter kann den Vorgang direkt an der Montagelinie durchführen, ohne dass das Fahrzeug an eine spezielle Arbeitsstation gebracht werden muss. Die zweite Möglichkeit ist die Vier-Augen-Methode: Ein Mitarbeiter zieht die Verbindung mit einem manuellen Drehmomentschlüssel fest, ein zweiter überprüft sie und bestätigt ihre Richtigkeit. Beide Verfahren nutzen mobile Geräte von Zebra Technologies.
Die Korrekturen der Schraubvorgänge sind nun mit Aimtec DCIx digitalisiert und laufen so deutlich schneller ab. Das Ziel besteht immer darin, das Fahrzeug in höchster Qualität bis an das Ende der Montagelinie zu bringen und alle erforderlichen Arbeitsschritte am Fahrzeug sicher auszuführen. Am HMI-Screen werden Informationstransaktionen angezeigt: eine Liste der Fahrzeuge auf der Montagelinie, der dazugehörige Status der einzelnen Schraubvorgänge und ob sie vorschriftgemäß verbunden wurden. Das System informiert kontinuierlich über das Ergebnis des Schraubvorgangs in den einzelnen Abschnitten sowie am Ende der Montagelinie. Die Qualitätsabteilung hat somit den gesamten Produktionsprozess unter Kontrolle.

Schnell vom Prototyp zum Einsatz
Das Projekt begann im Juni 2023 mit einer Prozessanalyse und der Installation von Aimtec DCIx. Innerhalb von vier Monaten entstand der erste funktionsfähige Prototyp und wurde beim IT-Dienstleister erfolgreich getestet. Es folgte die Weiterentwicklung des Prototyps in Zusammenarbeit mit dem Team von Škoda Auto direkt im Werk. Zeitgleich mit dem Know-how-Transfer in die Abteilungen Produktion, Technologie, Wartung und IT fand die Fertigstellung der wichtigsten Integrationen für 40 Dienste und 15 interne Systeme statt. Im Juli 2024 folgte der Go-Live. Nach dem erfolgreichen Start wird das System nun schrittweise auch in andere Bereiche ausgerollt – in Schweiß- und Lackierbereiche und in den Montagelinien in Mladá Boleslav und Kvasiny.
KI in der Škoda-Logistik – Von EDI bis zu KI-Agenten
Wie bewältigt man 3.500 LKW-Anlieferungen pro Tag, 93 Logistiksysteme und eine stetig wachsende Datenmenge? Škoda Auto kombiniert dazu Digitalisierung, Standardisierung – und künstliche Intelligenz. Den ersten großen Schritt in Richtung Einsatz künstlicher Intelligenz in der Logistik machte Škoda Auto 2019, als das Unternehmen mit der Optimierung der Containerbeladung begann. Damals handelte es sich um eine zeitaufwendige Arbeit. Die Mitarbeiter berechneten die Kombinationen manuell, jedes Team hatte seine eigenen Makros in Excel, die Ergebnisse wurden dann in PowerPoint zusammengestellt. Es gab Tausende von Möglichkeiten und Entscheidungsfindung dauerte lang. Heute erledigt diesen Prozess die KI, die das Gewicht, die Form und die Beschaffenheit des Materials kennt und in der Lage ist, Sackgassen bei Berechnungen auszuschließen und nur aussichtsreiche Varianten weiterzuverfolgen. Das System lernt dazu, liefert transparente Ergebnisse und ermöglicht es, genau das Material zu planen, das in Zukunft benötigt wird. Ähnlich verhält es sich mit der Verpackung – beim Versand von mehr als 5.100 Containern pro Jahr nutzt man historische Daten, Materialpreise und Verpackungsgrößen, um Lösungen zu finden. Tests zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert, weshalb ihn der Automobilhersteller weiterentwickelt. Ein weiteres Beispiel ist die Optimierung des Versands und von Lieferwegen – KI ermittelt die Route und das Harmonogramm, damit das Material rechtzeitig an Ort und Stelle ist. Für die Kommunikation mit Lageristen und Lieferanten kommt heute ein dialogorientiertes System von LLM-basierten KI-Agenten (Cognigy-Dienst) zum Einsatz. Dabei ist die Technologie selbst nur ein Baustein einer guten IT-Infrastruktur. Genauso wichtig, sagte Mojmír Barák, Koordinator für Logistiksysteme bei Škoda Auto, sei die Arbeit mit den Menschen: „Eine Herausforderung stellen oft übertriebene Erwartungen dar – Technologien funktionieren unter Laborbedingungen perfekt, im realen Betrieb haben wir es aber mit weitaus mehr Variablen zu tun“. Daher gilt es stetig um Vertrauen zu werben, dass KI eine Technik ist, die den Menschen wirklich zuverlässig hilft.









































