
Nur wenige Unternehmen in Deutschland wollen ihr Homeoffice-Angebot in den kommenden zwei Jahren reduzieren oder ganz einstellen. Das zeigt eine repräsentative Befragung des ZEW Mannheim unter rund 1.200 Unternehmen im Juni. „Die Homeoffice-Nutzung verharrt seit der Corona-Pandemie auf einem konstant hohen Niveau und ein Rückgang ist nicht zu erwarten. Die Pläne der Unternehmen deuten für die kommenden zwei Jahre sogar eher auf mehr Beschäftigte im Homeoffice hin“, kommentiert Studienleiter Dr. Daniel Erdsiek aus dem Forschungsbereich ‚Digitale Ökonomie‘ am ZEW.
Unterschiede nach Branchen und Unternehmensgröße
Aktuell ermöglichen 80% der Betriebe in der Informationswirtschaft und etwa die Hälfte der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe ihren Beschäftigten, mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Größere Betriebe ab 100 Mitarbeitenden nutzen Homeoffice deutlich häufiger: Im Verarbeitenden Gewerbe bieten 88% und in der Informationswirtschaft 98% dieser Unternehmen entsprechende Möglichkeiten an. Zwar wollen etwa 10% der Unternehmen ihre bestehenden Angebote kürzen, deutlich häufiger aber planen Betriebe, Homeoffice stärker auszubauen. So gaben 29% der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 34% im Verarbeitenden Gewerbe an, mehr Beschäftigten die Arbeit von zu Hause aus ermöglichen zu wollen. Auch unter den Firmen ohne bisherige Homeoffice-Regelungen gibt es Pläne zur Einführung. In der Informationswirtschaft sind es 21%, im Verarbeitenden Gewerbe 9%.
Effekte auf Zufriedenheit und Fachkräftegewinnung
Unternehmen verbinden mit Homeoffice sowohl Chancen als auch Risiken. Besonders häufig heben sie Vorteile für die Zufriedenheit der Beschäftigten hervor. Rund zwei Drittel der Unternehmen sehen hybride Modelle, die Präsenz- und Homeoffice-Tage kombinieren, als positiv für die Arbeitszufriedenheit an. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen berichtete, dass Homeoffice-Angebote die Gewinnung von Fachkräften erleichtern. Bei der Frage der Mitarbeiterbindung sind die Einschätzungen geteilt: Etwa die Hälfte der Unternehmen erwartet positive Effekte, 31% prognostizieren eher Nachteile für die Bindung von Beschäftigten.
Probleme bei Kommunikation und Innovation
Kritischer sehen viele Arbeitgeber die Auswirkungen auf interne Abläufe. Rund zwei Drittel der Unternehmen nannten Einschränkungen beim Austausch im Team und in der Kommunikation. Knapp 41% fürchten zudem negative Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit. Positive Effekte hybrider Modelle auf Kommunikation und Innovation berichten weniger als 10% der Befragten. Ein gemischtes Bild ergibt sich bei der Produktivität: Rund ein Drittel der Unternehmen sieht Gefahren für die Leistungsfähigkeit, gut 20% berichten dagegen von Produktivitätsgewinnen. Etwa die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass hybride Arbeitsmodelle insgesamt keine starken Effekte auf die Produktivität haben.
Studienhintergrund
Die Ergebnisse stammen aus dem ‚ZEW-Branchenreport Informationswirtschaft‘. Grundlage ist die Befragung von rund 1.200 Unternehmen im Juni. Teilgenommen haben Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe sowie aus der Informationswirtschaft, zu der die IKT-Branche, Mediendienstleister und wissensintensive Dienstleister zählen.






































