
Gestiegene Qualitätsanforderungen der Kunden bei gleichzeitig steigender Variantenvielfalt in den Produkten markierten bei Rehau Automotive den grundsätzlichen Bedarf nach einem abgesicherten Pick-System – das bisherige Prinzip der Materialentnahme durch die Werker in der Produktion war an seine Grenzen gelangt. Den Start des Projekts markierte Südafrika, wo Microsyst 2017 das erste Rehau-Werk mit einem Pick-by-Light-System als zunächst kleine Pilotanwendung ausstattete.
3.000 Picks, keine Fehler
Nach der Testphase in Südafrika zog das Pick-System in weiteren Werken ein. Aufgrund der positiven Erfahrungen an verschiedenen Standorten entschied sich der Automobilzulieferer auch das Werk in Brake (Unterweser) mit der Microsyst-Technik zu betreiben: An einer neuen Fertigungslinie musste das Material in vollem Umfang sortenrein bereitgestellt werden. „Die richtige Entnahme aus Durchlaufregalen ist grundlegend. Deswegen formulieren wir auch hohe Prozessanforderungen an die Absicherung der richtigen Entnahmestellen. Fehler führen direkt zu Kundenreklamationen“, erklärt Uwe Baer, Coordinator Intralogistics bei Rehau, die Anforderungen. Nach eingehender Planungs- und Entwicklungsphase folgte die Umstellung Anfang 2021. Das Ergebnis: rund 1.000 Picks pro Tag bei null Prozent Fehlerquote. Ab Mitte 2021 begann der Aufbau einer weiteren Linie in Brake. Anfang 2022 wurde auch dort das Pick-by-Light-System im Serienbetrieb gestartet, bei 3.000 zusätzlichen täglichen Picks blieb die Zuverlässigkeit bei 100 Prozent.
Neue Anforderungen
„Mit der Zeit sind die Anforderungen an die Software kontinuierlich gestiegen. Zum einen durch neue Standorte, die mit dem System über einen Server arbeiteten oder auch durch wechselnde Anforderungen“, konstatiert Baer. Daher musste auch die Software wachsen, und das teils über die gestiegenen Anforderungen hinaus. Gemeinsam entschieden sich Rehau Automotive und Microsyst für ein komplettes Makeover mit Optimierung der Software sowie der Bedienoberflächen. Ein abgefragtes Anforderungsprofil berücksichtigte dabei bereits existente Eigenschaften sowie das Zusammenspiel mit Rehau-internen Schnittstellen. Die Beteiligten erarbeiteten einen Katalog an möglichen Funktions- und Bedienungsupgrades für das System. Am Ende sollte eine hochflexible Software stehen, die verschiedenste (Sonder-)Prozessanforderungen abbilden kann. Die in Form der Pick-Displays verbaute Hardware bedurfte keines Ersatzes und konnte weiterhin mithilfe der neuen Software angesteuert werden. Fortan wurde so die Bestellung von Materialien über die Displays möglich: manuell durch den Bediener oder auf Wunsch sogar automatisiert mithilfe der Sensorik. Auch die Lager- bzw. Bestandskorrektur ist seither via Display möglich. Die Datenübertragung über unterschiedliche Systeme und Schnittstellen integrierten die Entwickler ebenso wie die Option zur parallelen oder sequenziellen Kommissionierung sowie die Möglichkeit der Eingriffsüberwachung. Die Online-Konfiguration funktioniert nun während des laufenden Betriebs, Änderungen werden sofort im Live-System übernommen. Optional besteht auch die Möglichkeit, Änderungen vorzubereiten und zum gewünschten Zeitpunkt einzuspielen.

In sechs Monaten bereit
Trotz wachsendem Software-Umfang betrug die Entwicklungszeit nur sechs Monate. „Wir hatten es mit einer Vielzahl kundenspezifischer Anpassungen zu tun“, blickt Busl zurück. Da diese jedoch auf der Microsyst-Basissoftware aufbauen, blieb die Anwendung im Handling einfach. Als Webanwendung aufgesetzt, bedarf es lediglich eines Browsers, um die Steuersoftware in Echtzeit zu konfigurieren oder diagnostizieren.
Heute kommt die Microsyst Pick-by-Light-Architektur bereits in sieben Werken der Rehau Automotive zum Einsatz.






































