
Homeoffice, flexible Arbeitsplätze und -orte sowie Videokonferenzen – in den letzten Jahren hat die Veränderung der Arbeitswelt ordentlich an Fahrt aufgenommen. Dieser Wandel wird konstant bleiben. Durch fortschreitende Digitalisierung und Flexibilisierung ergeben sich für Unternehmen, Verbände und den Gesetzgeber neue Anforderungen, wie Arbeitsplätze auch unter Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte gestaltet werden müssen. Denn um das hohe Produktivitätsniveau der Unternehmen zu sichern beziehungsweise auszubauen, erweist es sich von zwingender Bedeutung, die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Angestellten zu sichern.
In die Augen oder auf den Monitor schauen?
Zu den wichtigsten Punkten bei der Bildschirmarbeit zählt die Arbeitsplatzergonomie. Neben einem individuell eingestellten Büroarbeitsstuhl, einem höhenverstellbaren Tisch und einer ergonomischen Tastatur sowie Maus, ist vor allem die Blickrichtung essenziell für eine gesunde Arbeitshaltung. Die Blicklinie sollte nach der DGUV Information 215-410 circa 35 Grad betragen. Dies erweist sich in Videocalls aufgrund der Kameraposition als bisher genauso unmöglich, wie der für die Kommunikation unabdingbare gegenseitige Blickkontakt, da die Teilnehmer nicht gleichzeitig auf den Bildschirm und in die Kamera schauen können. Deshalb erweisen sich Videokonferenzen für viele Menschen als anstrengender und für Unternehmen weniger effektiv als physische Meetings. Eine effektive Lösung des Problems besteht in der Nutzung einer virtuellen Webcam.
Vielfältige negative Auswirkungen
Krampfhaftes Schauen in die Kamera, keine ergonomische Körperhaltung und falsche Entscheidungen bedingt durch fehlenden gegenseitigen Blickkontakt: Das sind nur einige Folgen, die aus Videokonferenzen resultieren können. In Konsequenz nehmen Stress und Reizpegel dramatisch zu. Wissenschaftler benennen diese Kombination aus Symptomen und den zugehörigen Ursachen ‚Zoom-Fatigue‘. Beobachten lassen sich weiterhin eine stetige Reduktion der Konzentration, wachsende Fahrigkeit, vermehrte Ungeduld, erhöhte Reizbarkeit und fehlende Balance. Durch unwirsches Agieren gegenüber Mitmenschen leidet das soziale Miteinander, Nutzerinnen und Nutzer kommunizieren eigentlich nur mit ihren Bildschirmen. Körperliche Beschwerden wie beispielsweise Kopf-, Rücken-, Glieder- oder Magenschmerzen bleiben nicht aus, ebenso wie Schlaf- und Sehstörungen. Bei genauem Hinsehen werden Parallelen zu den Auswirkungen deutlich, die durch unzureichende Arbeitsplatzergonomie und dauerhafte Fehlhaltungen entstehen.
Dann lieber zum Telefon greifen
Hier kommt letztlich auch der Gesetzgeber ins Spiel, der auf die neuen Umstände der Bildschirmarbeit reagieren sollte und entsprechende Punkte in bestehende Regelungen aufnehmen muss, um somit die Umsetzung anhaltend zu unterstützen. Geläufige Tipps von Beratern und Coaches führen heute häufig noch in eine falsche Richtung: Denn dann finden Gespräche keinesfalls mit der Person am anderen Ende statt, sondern mit der Kamera. Und das widerspricht den Leitfäden für ergonomische Bildschirmarbeit – und macht, nicht nur von außen betrachtet, keinen Sinn. Denn unterhalten sich zwei oder mehr Menschen nur mit der Kamera, sollte man diese und die ganze Videokonferenz ausschalten und das Telefon nutzen.






































