Dezentrale Datenanalyse für die Industrie

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Bild: EXASOL AG

Die weltweite Datenmenge könnte bis 2025 auf mehr als 180 Zettabyte ansteigen – und überholt dabei die vorhandenen Kapazitäten der zentralen Speicherung und Verwaltung all dieser Informationen. Um den Datenstrom zu bewältigen, kommt in vielen Fällen deshalb heute bereits Edge Analytics ins Spiel. In herkömmlichen Systemen werden die gesamten Daten von dem Ort, an dem sie gesammelt werden, an einen zentralen Speicherort übertragen. Dort können sie dann analysiert werden. Bei Edge Analytics werden die Daten direkt an der Quelle oder am ‚Rand‘ des Informationsnetzes analysiert und voraggregiert.

Daten für Entscheidungen

Beim Edge Analytics müssen nicht die gesamten Rohdaten an ein zentrales System übertragen werden, während sich gleichzeitig gewonnene Erkenntnisse zentral zur Entscheidungsfindung zusammenführen lassen. Die Rohdaten sind aber bei Bedarf trotzdem von den Systemen, an denen sie anfallen, abrufbar. Dies ist besonders für Unternehmen von Vorteil, die einen besonders schnellen Zugriff auf Daten, qualitativ sehr hochwertige Analysen mit geringen Latenzzeiten und die Fähigkeit zur Skalierung benötigen oder bevorzugen

Sparen mit Edge Analytics

Auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit können sich Edge Analytics lohnen. Denn der Ansatz bietet die Möglichkeit, eine größere Menge an Daten schneller und potenziell zu geringeren Kosten zu analysieren. Für Unternehmen, die eine In-Memory-Datenbank verwenden, können Analysen während der Datenverarbeitung in Echtzeit erfolgen. Hinsichtlich möglicher Einsparungen könnte sich für Unternehmen auch ein genauerer Blick auf ihre Ausgaben für die Cloud auszahlen – denn hier variieren die Kosten für zum Teil beträchtlich. Nimmt die Nutzung zu, steigen demnach auch die Kosten. Wenn Unternehmen also mehr Analysen am Rande bzw. direkt an der Quelle durchführen, können sie die Ausgaben für Public Cloud-Speicher und Übertragungskosten oft senken.

Analytics und Datensicherheit

Für Unternehmen, die sensible Daten verwalten, kann Edge Analytics eine wichtige Rolle beim Schutz von Vermögenswerten spielen. Das Risiko erhöht sich weiterhin, wenn Daten aus verschiedenen Quellen erst durch eine zentrale Zusammenführung besonders kritisch werden, etwa durch ihre Kombination zu umfangreichen Personenprofilen. Durch den Einsatz von Edge Analytics können Unternehmen sensible Daten dort lassen, wo sie sich befinden, und nur voraggregierte Daten an das zentrale Data Warehouse übertragen. Das bedeutet, dass diese vertraulichen Informationen lokal beispielsweise durch Zugriffssteuerungen besonders geschützt werden können, ohne dass sie an externe Standorte übertragen werden müssen, was das Risiko von Datenschutzverletzungen bzw. unbefugtem Zugriff auf kritische Daten verringert.

Edge Analytics im Einsatz

Der Einsatz von Edge Analytics bedeutet nicht den Verzicht auf die traditionellen zentralen Datenbanken. Stattdessen hat sich die Kombination beider Technologien bewährt. Rohdaten können so vor Ort analysiert und voraggregiert und an eine zentrale Datenbank oder ein Data Warehouse zur Speicherung und für weitergehende Analysen gesendet werden. Dann aber hilft Edge Analytics Unternehmen dabei, Produktionsprozesse zu verbessern, Kosten einzusparen und je nach Art der vorliegenden Daten auch ihre Sicherheit zu erhöhen. Im Vergleich zu Analysesystemen, die Daten an zentralen Orten sammeln und verarbeiten, bietet Edge Analytics eine schnellere Reaktionszeit und reduziert sowohl die Belastung des Netzwerks als auch die Anforderungen an die Kapazität des zentralen Systems.

Ohne Internet verfügbar

Gerade für den Mittelstand im ländlichen Raum kann Edge Analytics sehr sinnvoll sein, da die Technologie auch an Standorten mit geringen Bandbreiten oder häufigen Störungen bei der Ankopplung an das Internet eingesetzt werden kann. Edge Analytics bietet sich daher oft schlicht als Big-Data-Analyseverfahren dort an, wo es gilt, strukturelle Hindernisse zu überwinden. Andere Branchen, die etwa strengen regulatorischen Vorgaben unterliegen, was die Datenspeicherung und -nutzung angeht, können je nach Konstellation der Daten auf erhöhte Sicherheit setzen. Die Verteilung der Daten bietet Unternehmen hier mehr Schutz, da nur einzelne Systeme mit geringerer Kritikalität und nicht ein zentrales System befallen werden können. In Zeiten, in denen die Angriffe immer ausgefeilter werden und gleichzeitig die finanziellen und reputativen Schäden im Falle eines erfolgreichen Angriffs stetig zunehmen, kann dies ein entscheidender Vorteil sein.